Borouge und Neptun Deep: Wie die OMV Öl langsam durch Chemie und Gas ersetzt

Die OMV will künftig in großem Stil Wasserstoff produzieren und sichert sich dafür die Unterstützung eines Partners aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Der heimische Energiekonzern bleibt dank des neuen Chemieriesen Borouge und aufgrund der Mengen aus dem rumänischen Gasprojekt Neptun Deep auf Wachstumskurs. 2030 soll schon mehr Gas als Öl produziert werden.

In einer rein virtuellen Pressekonferenz mit nur schriftlich zu stellenden Fragen, obwohl alle Vorstände am Hauptsitz der OMV in Wien anwesend waren, präsentierte der teilstaatliche Öl-, Gas- und Chemiekonzern am Mittwoch seine Bilanz für 2025. 

Und konnte – zumindest an der Börse – überraschen.

Trotz gesunkener Produktion, einem Rückgang beim Ergebnis, einem verhaltenen Ausblick sowie einer noch immer nicht abgeschlossenen Suche nach einem neuen Vorstandschef  gehörte die Aktie im Wiener Leitindex ATX zu den Gewinnern des Tages.

Gute Stimmung

Die Anteilsscheine legten in einem schwachen Marktumfeld bis 15 Uhr  um mehr als drei Prozent zu. Mehrere Faktoren dürften Anleger freudig gestimmt haben: die Aussicht auf eine kräftige Dividende von 4,4 Euro je Aktie, wieder steigende Ölpreise sowie die im Plan liegende Mega-Fusion im Chemiebereich zur Borouge Group .

Die wesentlichen Ergebniskennzahlen des Konzerns lagen 2025 allesamt unter den Werten von 2024 (siehe Grafik). Dennoch erzielt  der größte Industriekonzern Österreichs weiterhin einen Milliardengewinn und kann aus dem Cashflow in Höhe von 5,2 Milliarden Euro (minus vier Prozent) eine Dividende von insgesamt 1,6 Milliarden Euro zahlen. 

Die Kernaktionäre – ÖBAG, die Beteiligungsholding der Republik Österreich mit 31,5 Prozent, und ADNOC, der staatliche Ölkonzern von Abu Dhabi mit 24,9 Prozent –  wird das freuen. Noch-CEO Alfred Stern sprach von einem „soliden Ergebnis in einem schwierigen Marktumfeld“.  

Verhaltener Ausblick 

Das wird nicht unbedingt besser, folgt man Sterns Ausführungen zum Ausblick auf 2026. Abseits von Preis- und Margen-Erwartungen, die nur Brancheninsidern Orientierung geben,  war von gedämpften wirtschaftlichen Erwartungen, geopolitischen Unsicherheiten sowie einer Konsolidierung im Chemie-Markt die Rede. 

Just in der  Chemie-Sparte  will die OMV mit der Borouge Group, in die sie ihre Tochter Borealis einbringt und rund 47 Prozent am Gesamtkonzern halten wird (ebenfalls 47 Prozent Abu Dhabi, Rest im Streubesitz) aber alsbald durchstarten. 

Eine fixe Milliarde

Beruhigend wirkt, dass die Borouge Group ab Start – bis 2030 – eine jährliche Mindestdividende von einer Milliarde US-Dollar an die OMV  zugesagt hat, egal wie gut oder schlecht das Geschäft läuft. Das kann der neue Chemieriese (Wert: 60 Milliarden Dollar) wahrscheinlich auch deshalb, weil Miteigentümer ADNOC aktuell rund 300 Millionen Dollar im Ölgeschäft verdient – pro Tag. 

Aus Sicht der OMV stabilisiert diese Mindestdividende den Cashflow des Konzerns und hilft die  weitere Expansion zu finanzieren. Allein heuer sind Investitionen in verschiedenste Projekte in Höhe von mehr als drei Milliarden Euro geplant.

Dass die Produktion 2026 unter die Marke von 300.000 Barrel pro Tag fallen wird, bezeichnete Stern als vorübergehend. Mit der Produktionsleistung des Konzerns dürfte es  ab 2027 wieder aufwärts gehen, dann nämlich wenn „Neptun Deep“ liefert.

Bei dem riesigen Gasförderprojekt im rumänischen Teil des Schwarzen Meers arbeiten die OMV-Tochter Petrom und die staatliche Romgaz zusammen. Das Gasfeld liegt in rund 2.000 Meter Tiefe und soll  Mengen liefern, die Rumänien zum größten Gasproduzenten Europas machen werden.

Auch die OMV hält dank Neptun Deep am Ziel fest, 2030 wieder 400.000 Fass täglich zu fördern. Zusammen investieren die Partner rund vier Milliarden Euro in die Erschließung. 

Heute besteht die OMV-Produktion zu je 50 Prozent aus Öl und Gas. 2030 sollen 60 Prozent aus Gas kommen und nur noch 40 Prozent aus Öl.

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