Occupy Wall Street: Jubel und Prügel

Zwar wurde die Räumung des von Demonstranten besetzten Parks abgesagt. Die New Yorker Polizei greift dennoch hart durch.

Die befürchtete Konfrontation zwischen den Demonstranten an der New Yorker Wall Street und der Polizei ist ausgeblieben – zumindest vorerst. Die Stadt sagte zwar die für Freitag geplante Reinigung des von den Protestlern besetzten Zuccotti-Parks kurzfristig ab. Doch beim anschließenden Protestmarsch wurden wieder etliche Demonstranten verhaftet. Ray Kelly ist der Polizeichef der Millionenmetropole und für sein hartes Durchgreifen bekannt. Im Laufe der Demonstrationen hatte es bereits Hunderte Festnahmen gegeben; die Protestler beklagten sich über rüde Polizeimethoden. Zunächst hatten die Demonstranten noch gejubelt, als die Reinigungsaktion des Parks abgesagt wurde – nur eine halbe Stunde vor Beginn der Räumung. Eigentlich hatten am Freitag Putzkolonnen anrücken sollen, um den Park von Dreck zu reinigen, wie es Bürgermeister Michael Bloomberg angekündigt hatte. Das Gelände könne die Last der vielen Menschen nicht tragen. Anrainer hätten befürchtet, dass die völlig überfüllten Mistkübel Ratten und Ungeziefer anlockten. Der Park sollte mit Hochdruckreinigern gesäubert werden, dann dürften die Demonstranten zurück - Zelte und Schlafsäcke würden allerdings nicht mehr geduldet. Die Protestler hatten befürchtet, dass sie unter diesem Vorwand dauerhaft vertrieben werden sollten, und zum Widerstand aufgerufen. Die Demonstranten betonten, dass ihr Protest friedlich sein solle. Sie würden aber nicht weichen. Seit etwa einem Monat kampieren Aktivisten unter dem Motto "Occupy Wall Street" ("Besetzt die Wall Street") im kleinen Zuccotti-Park nördlich der Banken- und Börsenstraße. Aus den ursprünglich ein paar Dutzend Studenten sind mittlerweile mehrere Hundert Menschen geworden, denen die Macht der Banken zu groß ist und die höhere Steuern für Reiche und Großunternehmen fordern. Zu einer Demonstration in der vergangenen Woche waren 7000 Menschen gekommen. Immer wieder gab es Festnahmen, die Proteste blieben aber weitgehend friedlich. "Dies ist eine Notsituation", hatte die Gruppe, die mit Schlafsäcken im Park campiert, auf ihrer Website geschrieben und damit etliche Unterstützer mobilisiert. "Haltet Bloomberg und Kelly davon ab, "Occupy Wall Street" gewaltsam zu vertreiben", lautete der Aufruf.

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(apa/dpa / csm) Erstellt am
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