Novomatic-Zentrale in Gumpoldskirchen

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Wirtschaft von innen
11/26/2019

Novomatic: Poker um Rückzug aus Österreich

Gaming-Konzern überlegt Ausstieg aus dem operativen Geschäft in Österreich. Was wird mit Beteiligung an den Casinos?

von Andrea Hodoschek

Knalleffekt in der Casinos-Affäre. Der Großaktionär Novomatic dürfte von der Causa, die sich zur Staatsaffäre ausgewachsen hat, schön langsam genug haben. Wie der KURIER aus Kreisen von Mitbewerbern des Gaming-Konzerns erfuhr, überlege Novomatic, sich aus dem operativen Geschäft in Österreich zurückzuziehen.

Novomatic-Chef Harald Neumann meint dazu gegenüber dem KURIER: "Wir haben uns das anders vorgestellt, als wir die Casinos-Anteile gekauft haben."

Über die konkreten Pläne will Neumann derzeit keinen Kommentar abgeben. Wie man jedoch aus dem Umfeld der Konkurrenz hört, werde es Konsequenzen geben, die in den nächsten Wochen diskutiert würden. Primär dürfte es um das kleine Glücksspiel (Automatenspiel) und um Sportwetten gehen.

Kleines Glücksspiel und Sportwetten

Novomatic betreibt beide Bereiche in der Admiral-Gruppe. Zur Admiral Casinos & Entertainment AG gehören die Automatencasinos in Niederösterreich, der Steiermark, Kärnten, dem Burgenland und in Oberösterreich. Die Admiral Sportwetten GmbH hat österreichweit rund 250 Filialen.

Insgesamt sind in der Admiral-Gruppe rund 2.000 Mitarbeiter beschäftigt. In der Branche meint man, dass Novomatic kein Problem hätte, für dieses Geschäft rasch Käufer zu finden, die auch die Mitarbeiter übernehmen würden. Die Lizenzen in den Bundesländern laufen teilweise bis zu 15 Jahre.

Fragt sich, ob Novomatic auch aus der Casinos-Beteiligung aussteigen würde, der Konzern ist mit 17,2 Prozent der drittgrößte Aktionär. In diesem Fall würde sich allerdings das Problem stellen, dass der Erzfeind, die tschechische Sazka-Group, die Mehrheit der Stimmrechte bekäme.

Denn unter den Aktionären der Casinos gibt es Aufgriffsrechte und Optionen. Novomatic müsste die Anteile der Staatsholding ÖBAG und Sazka anbieten. Die Tschechen sind mit 38,29 Prozent der größte Aktionär und versuchten von Beginn an, die Casag zu beherrschen, was freilich immer dementiert wurde.

Marktführer 1980 von Johann F. Graf gegründet, ist Novomatic heute einer der weltweit führenden Hersteller von Glücksspielequipment, Systemlösungen, Lotteriesystemlösungen und Dienstleistungen. Der Konzern mit Headquarter in Gumpoldskirchen, NÖ, spielte 2018 mit mehr als 30.000 Mitarbeitern weltweit rund 4,8  Milliarden Euro Umsatz ein und betreibt 14 Produktionsstandorte in 11 Ländern sowie 25 Technologiezentren in 16 Staaten. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag bei 556 Millionen.

Sazka würde anteilig die Novomatic-Aktien aufgreifen. Zudem haben die Tschechen ein Stimmrechtsabkommen mit dem Bankhaus Schelhammer & Schattera. Die ehemalige Kirchenbank gehört zur Grazer Wechselseitigen und hält noch 5,31 Prozent an den Casinos. Einem Verkauf dieser Anteile an Sazka schob Ex-Finanzminister Hartwig Löger durch ein Aufgriffsrecht der Republik den Riegel vor.

Doch das Stimmrechtsabkommen genügt. Sazka hätte bei einem Ausstieg von Novomatic hauchdünn die Mehrheit und die Republik nichts mehr zu reden. Kaum anzunehmen, dass der Novomatic-Eigentümer, der Industrielle Johann F. Graf, ausgerechnet jetzt w.o. geben würde.

In der Branche wird auch in die andere Richtung spekuliert. Trennt sich Novomatic tatsächlich vom Inlandsgeschäft, könnte der Konzern erneut versuchen, die Mehrheit bei den Casinos zu erreichen. Novomatic war schon einmal knapp dran, als die Bundeswettbewerbsbehörde einen Strich durch die Rechnung machte. Wettbewerbsexperten meinen, ein solcher Deal könnte durchgewunken werden, wenn Novomatic dann nicht mehr als 30 Prozent Marktanteil hätte.

Headquarters bleibt

Die Konzernzentrale würde auf alle Fälle in Gumpoldskirchen bleiben. Ebenso die Produktion, in der rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Graf liebe Österreich und würde Niederösterreich mit dem Standort weiterhin "die Treue halten", wird im Unternehmen kolportiert.

Bei der Hausdurchsuchung hatte Graf erklärt, dass er nur fünf Prozent seines Umsatzes in Österreich mache, aber 100 Prozent seiner Steuern zahle und dafür 80 Prozent der ,Sch ...’ hier habe. Im Vorjahr spielte die Gruppe 4,8 Milliarden Euro an Umsatz ein, der Österreich-Anteil wäre 240 Millionen Euro. Anzunehmen, dass das internationale Geschäft rentabler ist.

An einem Gerücht über Telekom-Chef Thomas Arnoldner, das in der ÖVP die Runde macht, scheint nichts dran zu sein. Parteichef Sebastian Kurz wolle Arnoldner in den Vorstand der Staatsholding ÖBAG holen, wird kolportiert. ÖBAG-Chef Thomas Schmid wird bei den Casinos-Ermittlungen als einer der elf Beschuldigten geführt. "Ausgeschlossen. Personalgerüchte kommentieren wir nicht", erklärt die Telekom dazu.