© Casinos Austria/CHRISTOF WAGNER

Wirtschaft
08/20/2019

Nach Skandal: Erstmals spricht der beschuldigte Casinos-Vorstand Peter Sidlo

Der FPÖ-Manager und Casinos-Vorstand meldet sich nach den Vorwürfen nun zu Wort.

von Andrea Hodoschek

Dass Peter Sidlo, Finanzvorstand des teilstaatlichen Glücksspielkonzerns Casinos Austria (Casag), stark unter Druck steht, merkt man ihm an. Seine größte Sorge ist derzeit, für den Rest seines Berufslebens als fachlich unfähiger Günstling der FPÖ da zu stehen.

Seit die Wirtschaft- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Sidlos Vorstandsbestellung untersucht, darf sich der 45-Jährige über die zweifelhafte Ehre freuen, einer der bekanntesten Manager dieses Landes zu sein. Der seinen Job nur einem unsauberen Deal zwischen FPÖ und dem Gaming-Konzern Novomatic verdankt. Als er sich zum Gespräch mit dem KURIER trifft, ist sein Strafverteidiger Gerald Ruhri dabei.

Beitragstäterschaft zur Bestechlichkeit, lautet der Vorwurf. Sidlo habe gewusst, dass die FPÖ Novomatic Lizenzen versprochen habe, sich in Kenntnis dieser Absprache in den Casag-Vorstand wählen lassen und dadurch einen Vorteil erlangt.

Sidlo weist diese Vorwürfe natürlich zurück. Er will sich auch nicht für die Dauer der Ermittlungen beurlauben lassen: „Das könnte als Schuldeingeständnis gesehen werden. Ich habe keine Schuld auf meine Schultern geladen.“

Aktionärs-Fehde

„Der Streit unter den Aktionären der Casinos kommt der Staatsanwaltschaft sehr gelegen und wird auf dem Rücken von Sidlo ausgetragen“, legt Anwalt Ruhri nach. Er bezieht sich auf den erbitterten Kampf zwischen Novomatic (17 Prozent) und Sazka. Die Tschechen sind mit mehr als 38 Prozent der größte Aktionär. Ein Drittel hält die Republik Österreich.

Sidlo als Bauernopfer für eine Fehde zwischen Glücksspielkonzernen?

Es gibt tatsächlich einige Ungereimtheiten.

Der Personalberater Egon Zehnder monierte in seinem Zwischenbericht, Sidlo würde wegen mangelnder Konzernerfahrung nicht in die engere Auswahl als Casinos-Vorstand kommen.

Vorstandsbestellungen obliegen dem Personalausschuss des Aufsichtsrates, der auch das Präsidium darstellt: Die Raiffeisen-Granden Walter Rothensteiner und Josef Pröll (für die Staatsholding), Novomatic-Chef Harald Neumann und Sazka-Boss Robert Chvatal.

Am 19. März präsentierten sich alle drei Kandidaten – Sidlo, Bettina Glatz-Kremsner und Ex-Banker Martin Skopek – vor dem gesamten Aufsichtsrat. Die Sazka-Vertreter verlangten den Zwischenbericht über Sidlo. Daraufhin wurden zwei Rechtsgutachten eingeholt. Die Kanzlei CMS schlug eine Abstimmung vor, ob der Bericht dem gesamten Aufsichtsrat vorzulegen sei. Rothensteiner ließ abstimmen. Nur die fünf Sazka-Aufsichtsräte votierten dafür, der Zwischenbericht blieb also im Präsidium.

Als es am 28. März zur Entscheidung über den neuen Vorstand kam, enthielten sich die Sazka-Vertreter der Stimme. Sidlo schaffte die Mehrheit. Nicht nur Novomatic, auch die Vertreter der Staatsholding (Rothensteiner, Pröll) sowie der Kleinaktionäre und die Betriebsräte votierten für ihn.

Sidlo ist von seiner Qualifikation überzeugt, klar. Er habe nicht nur Erfahrung in den Bereichen Kapitalmarkt, Investor Relations, Compliance, Corporate Governance und Regulatorik. Als ehemalige rechte Hand des conwert-Chefs kenne er auch „die Situation mit zerstrittenen Aktionären“.

Konzessionen

In der anonymen Anzeige an die Staatsanwaltschaft geht es um Online-Lizenzen für Novomatic und die Wiederauferstehung des Automatenspiels in Wien. Derzeit hat nur die Casag eine Online-Lizenz, diese läuft bis 2027.

„Zu behaupten, ich wurde 2019 bestellt, damit die FPÖ Novomatic 2027 zu einer Online-Lizenz verhilft, ist sehr weit hergeholt“, sagt Sidlo. Dafür brauche es eine Gesetzesänderung, eine internationale Ausschreibung und eine unabhängige Vergabekommission.

Bis 30. Juni war Gudenus-Freund Sidlo FPÖ-Bezirkspolitiker in Wien-Alsergrund. In einer Bezirks-Sitzung brachte die SPÖ wenige Tage zuvor eine Resolution für die Aufrechterhaltung des Verbots des kleinen Glücksspiels ein. Sidlo: „Ich habe mich ebenfalls für diese Resolution ausgesprochen, das ist protokolliert.“

„Auffällige Zeitreihe“

Auch Sidlos Anwalt ist überzeugt, dass die Staatsanwaltschaft nur an das Handy von Ex-Parteichef Strache kommen wollte. Mit dem Ibiza-Video sei die Suppe zu dünn gewesen. „Die Zeitreihe ist sehr auffällig. Welche Motivation hat die Staatsanwaltschaft zur Aufklärung einer Vorstandsbestellung vom März, die Rufdatenauswertung bis 17. Mai anzuordnen, den Tag der Veröffentlichung des Ibiza-Videos?“

Casag-Chefin Glatz-Kremsner bedauert inzwischen in einem Rundmail an alle Mitarbeiter, dass durch den öffentlichen Wirbel die Reputation des Unternehmens Schaden nehme. Mit Sidlo habe sie in den vergangenen Monaten „gut zusammengearbeitet und wir können daher davon ausgehen, dass auch weiterhin das Wohl des Unternehmens in unser aller Fokus liegen wird“.

Ex-Casinos-Vorstand Dietmar Hoscher (SPÖ) klagt übrigens den designierten FPÖ-Chef Norbert Hofer. Dieser deutete im ORF-Sommergespräch an, Hoscher habe die anonyme Anzeige verfasst. Da dürfte Hofer auf der falschen Fährte sein. Die Spuren weisen viel eher nach Prag, wiewohl Sazka eine Involvierung in die Anzeige bereits dementierte.