Wirtschaftsausblick 2026: Zinsen, Jobs und viele Milliarden
Die einen haben mit Immobilien viele Milliarden Euro versenkt, die anderen dürften mit Elektro-Autos und Raketen in absehbarer Zeit 1.000 Milliarden Dollar besitzen. Zum Vergleich: Die gesamte Wirtschaftsleistung Österreichs betrug im abgelaufenen Jahr mit rund 494 Milliarden Euro nur die Hälfte.
Wer diese, unsere Wirtschaftswelt für verrückt hält, steht nicht allein da. Vor allem die Börsen haben sich von der Realwirtschaft entkoppelt, sprich trotz anhaltender Flaute hohe Kursgewinne eingefahren. Ob das 2026 so weitergeht, steht in den Sternen. Seit Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump in den USA sind Vorhersagen unsicherer denn je.
Elon Musk
Der reichste Mensch der Welt könnte heuer noch viel reicher werden. Elon Musk bereitet mit seiner Weltraumfirma SpaceX den größten Börsengang aller Zeiten vor. Die Pläne wurden kürzlich bestätigt. SpaceX ist nicht nur eine Raumfahrtgröße, sondern auch ein globaler Internet-Anbieter mit 9.000 Satelliten in der Umlaufbahn um die Erde. Klappt der Börsengang wie erhofft, könnte Gründer und CEO Musk der erste Dollar-Billionär der Welt werden. Aktuell wird sein Vermögen auf 750 Milliarden Dollar geschätzt.
Weniger gut läuft es dagegen bei Musks Elektroauto-Firma Tesla, die 2025 bei den Verkaufszahlen vom chinesischen Rivalen BYD abgehängt wurde. Imageprobleme durch das politische Engagement Musks und fehlende Innovationen sorgten für eine Absatzkrise, die heuer mit neuen Modellen wettgemacht werden soll.
Christine Lagarde
Für die EZB-Präsidentin wird 2026 ein spannendes Jahr, und das nicht nur weil bereits über ihre möglichen Nachfolger spekuliert wird. Unternehmen wie Konsumenten in ganz Europa schauen nach Frankfurt und fragen sich, ob die Zinsen im Euroraum wohl weiter sinken werden, um die weiterhin recht lahme Konjunktur – vor allem in Österreich und Deutschland – ein wenig anzukurbeln.
Lagarde lässt sich bisher nicht in die Karten schauen. Sie will zusammen mit den Notenbank-Gouverneuren von Sitzung zu Sitzung nach den jeweils aktuellen Inflationsdaten entscheiden. Und weil die Teuerung in der Euro-Zone heuer unter die Zielmarke von zwei Prozent rutschen könnte, spekuliert der eine oder andere Beobachter schon damit, dass die Leitzinsen 2026 sogar wieder steigen könnten.
Michael Höllerer
Der Generaldirektor sowohl der Raiffeisenlandesbank wie auch der Raiffeisenholding Niederösterreich-Wien steht vor seinem nächsten Karriere-Schritt. Michael Höllerer (47) wird mit 1. Juli 2026 Johann Strobl (66) als Vorstandschef (CEO) der Raiffeisen Bank International (RBI) nachfolgen. Für Strobl, der die Bank seit 2017 leitet, entwickelte sich das umstrittene Russland-Geschäft sowie ein möglicher Ausstieg zur dominierenden Aufgabe.
Doch mittlerweile ist klar: Selbst ein Totalverlust in Russland würde die börsenotierte Großbank verkraften. Die Kapitalausstattung ist komfortabel, die Anleger haben 2025 kräftig bei RBI-Papieren zugegriffen. An der Wiener Börse schaffte die RBI ein Kursplus von 94 Prozent.
René Benko
Für Benko dürften sich die Türen der Innsbrucker Justizanstalt (umgangssprachlich Ziegelstadl genannt) auch im neuen Jahr nicht so schnell öffnen. Denn das Straflandesgericht Wien hat die U-Haft bis 23. Februar 2026 verlängert. Es ist auch bei den künftigen Haftverhandlungen eher unwahrscheinlich, dass die zuständige Haft- und Rechtsschutzrichterin, die ihn bereits elf Mal mit Enthaftungsanträgen abblitzen ließ, von ihrer Einschätzung abrücken wird. Denn die Richterin geht von Tatbegehungsgefahr und einem dringenden Tatverdacht aus.
Das heißt, es wird nach wie vor angenommen, dass Benko in Freiheit weitere Straftaten begehen werden wird. Die U-Haft darf in Österreich nur zwei Jahre dauern. Da Benko am 24. Jänner 2025 in U-Haft genommen wurde, kann er bis längstens 23. Jänner 2027 im Gefängnis sein Dasein fristen. Es sei denn, er legt ein umfangreiches Geständnis ab. Aber damit ist auch heuer nicht zu rechnen. In der Zwischenzeit arbeitet die Staatsanwaltschaft an weiteren Anklagen gegen den tief gefallenen Immobilien-Jongleur.
Börsenhändler
Die Märkte haben der Wirtschaftsflaute getrotzt. An den Aktienmärkten dominiert die Frage, ob die im Vorjahr diskutierten Risiken – von der Ukraine bis zur Tech-Blase – heuer schlagend werden oder ob die Party weitergeht. Die Wiener Börse schaffte mit einem Plus von 45 Prozent den höchsten Jahresgewinn seit 2005, die Frankfurter Börse mit einem Plus von 23 Prozent immerhin den höchsten Jahresgewinn seit 2019.
Eine Portion Skepsis scheint also durchaus angebracht, ob 2025 wiederholbar sein wird. Nicht wenige Experten erwarten eine Art normale und durchaus gesunde Marktkorrektur. Am langfristigen Siegeszug der Aktienmärkte dürften die erwartbaren Rücksetzer aber nichts ändern.
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