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Wirtschaft
09/09/2019

Millionenpleite eines Krankenbeförderers

Das Unternehmen beschäftigte zuletzt 50 Mitarbeiter, Gesetzesnovelle soll angeblich zu massivem Umsatzeinbruch geführt haben.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Im Jahr 2016 wurde der Fuhrpark aufgestockt, um das gewünschte Transportaufkommen laut Firmenangaben seitens der Wiener Gebietskrankenkasse abdecken zu können. Dazu sollen neue Spezialfahrzeuge bestellt worden sein. Im Frühjahr 2017 sollen dann die Fahrzeuge vom Autohändler übergeben worden sein. Dazu kam eine Aufstockung des Personals auf 50 Mitarbeiter. Das führte zu einer erheblichen Kostensteigerung.

Als Insolvenzursache wird laut Creditreform und AKV die Gesetzesnovelle zum Wiener Rettungs- und Krankentransportgesetz im November 2018 angeführt. Mit dieser soll ab April 2019 privaten Anbietern der Patiententransport mittels Tragesessel und per Liegendtransport untersagt worden sein. Damit soll dem Unternehmen aber 70 Prozent des Umsatzes weggebrochen sein. Dazu kommt, dass das Unternehmen nach einen Betriebsprüfung 160.000 Euro an die Finanz abstottern musste und der Umbau der Spezialfahrzeuge 150.000 Euro verschlungen haben soll.

 

Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof

Jetzt musste die GWS Krankenbeförderung GmbH mit Sitz in der Wiener Perfektastraße die Reißleine ziehen und Insolvenz anmelden. „Der Geschäftsführer Walter Stefka hat bereits die Zustimmung zur Betriebsschließung und Liquidation der Gesellschaft erteilt“, heißt es weiter.

Ein Unternehmensberater hat zuvor die mögliche Sanierung des Unternehmens als "nicht darstellbar" eingestuft. Bis März 2019 beschäftigte GWS 50 Mitarbeiter. Sie mussten kurzfristig gekündigt werden. Hinsichtlich dieser Gesetzesnovelle zum Wiener Rettungs- und Krankentransportgesetz sei eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof anhängig.

Grünes Kreuz angeblich massiv geschädigt

Die Schulden werden mit 1,386 Millionen Euro beziffert, das Vermögen mit 40.000 Euro. Über etwaige Fahrzeuge werden ans Gericht keineAngaben gemacht. Laut GWS-Chef Walter Stefka wurden die 17 geleasten Spezialfahrzeuge "zurückgegeben".

Dem Vernehmen nach soll das Unternehmen aber monatelange vor der Gesetzesnovelle bei Subauftragnehmern wie dem "Grünen Kreuz" Zahlungen schuldig geblieben sein. Die Rede ist von rund 130.000 Euro, davon sollen 100.000 Euro Forderungen auf das Jahr 2018 entfallen. Das Grüne Kreuz soll für GWS Fahrten durchgeführt haben, weil GWS gar nicht die entsprechenden Kapazitäten gehabt haben soll. 2017 soll GWS noch alle Rechnungen beglichen haben.

GWS-Chef Walter Stefka sieht das etwas anders. Er behauptet, dass die Außenstände beim Grünen Kreuz lediglich 115.000 Euro betragen und eine Ratenvereinbarung mit dem Anwalt des Grünen Kreuzes verhandelt wurde. Diese soll aber am Ende geplatzt sein. Laut Grünem Kreuz sei keine annehmbare Ratenvereinbarung angeboten worden.

GWS-Prokuristin gründete neue Firma

Indes hat die GWS-Prokuristin Tatjana Stefka, anscheinend die Tochter von GWS-Chef Walter Stefka, laut Firmencompass bereits am 10. Juli 2019 in Niederösterreich die Fahrtendienst Stefka GmbH ins Firmenbuch eintragen lassen. Sie ist Geschäftsführerin und Alleingesellschafterin. Geschäftsgegenstand: Behindertentransporte, Fahrtendienste und Krankentransporte. Es gibt zwar schon ein Logo: FS, aber noch keine Homepage.

 

Verlust in den Vorjahren

Indes ist die Homepage der GWS offenbar abgeschaltet worden. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten dürften aber schon früher begonnen haben. Bereits im Geschäftsjahr 2017 wies das Unternehmen GWS einen Bilanzverlust in Höhe von 260.700 Euro aus, einen Verlustvortrag in Höhe von 122.500 Euro und das negative Eigenkapital wurde mit 235.900 Euro abeziffert. Die Verbindlichkeiten wurden damals mit 746.500 Euro beziffert. 2017 soll der Betrieb laut Firmencompass sogar 53 Mitarbeiter gehabt haben.

"Eine Überschulung im Sinne des Insolvenzrechtes liegt nicht vor. Die Gesellschafter haben verbindlich erklärt, jederzeit dafür Sorge zu tragen, die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft aufrecht zu erhalten", heißt es dazu im Bilanzanhang.

Das wurde auch bereits 2016 angeführt. Im Jahr 2015 betrugen die Verbindlichkeiten bereits 460.300 Euro, der Bilanzverlust 21.800 Euro. Und 2014 betrugen die Verbindlichkeiten 399.986 Euro, der Bilanzgewinn 54.052,14 Euro, obwohl der Gewinnvortrag aus dem Vorjahr 73.318,08 Euro ausmachte. Das bedeutet, dass 2014 ein operativer Verlust in Höhe von 19.265,94 Euro geschrieben wurde.