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Wirtschaft
08/29/2019

Millionenpleite des börsenotierten Autoindustrie-Zulieferers HTI

Das Unternehmen erhielt 2015 eine "islamische Finanzierung" in Höhe von 40 Millionen Euro. Diese wurde mittlerweile nachrangig gestellt.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Diese Pleite hatte sich bereits angekündigt: "Entgegen den bisherigen Erwartungen vor dem Hintergrund einer zunächst zunehmenden Verbesserung der Auftragslage in der operativen Konzerngesellschaft und trotz intensiver Bemühungen konnten die Gespräche der HTI und der Gruber & Kaja GmbH mit neuen potentiellen Investoren bisher nicht erfolgreich beendet werden und es konnte zum heutigen Tag noch keine verbindliche Vereinbarung mit einem neuen Investor geschlossen werden“, teilt das Unternehmen dem Gericht mit. „Auch eine Zwischenfinanzierung durch den langjährigen Hauptinvestor der HTI bis eine neue Investorenvereinbarung getroffen werden kann, konnte entgegen den Erwartungen zum heutigen Tage nicht sichergestellt werden.“

Über das Vermögen der HTI High Tech Industries AG wurde heute, Donnerstag, am Landesgericht Linz aufgrund eines Eigenantrages ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände AKV, Creditreform und KSV1870 dem KURIER.

"Das Unternehmen wurde 1998 gegründet und ist als Holdinggesellschaft tätig. Die Insolvenzursachen liegen darin, dass Verhandlungen mit potentiellen Investoren noch nicht abgeschlossen werden konnten", heißt es dazu von Creditreform. Das Unternehmen soll fortgeführt werden. 2017 beschäftigte der HTI-Konzern noch 838 Mitarbeiter.

Schulden und Vermögen

Es sind rund 30 Gläubiger betroffen. Die Schulden werden mit 20,678 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 17,339 Millionen auf Haftungen für die Tochter Gruber & Kaja. Die restlichen drei Millionen Euro Schulden setzen sich aus Intercompany-Finanzierungen (1,744 Millionen Euro), aus 465.000 Euro Forderungen aus Intercompany-Lieferungen und Leistungen sowie aus 547.000 Euro Lieferverbindlichkeiten zusammen.

Das freie Vermögen wird mit 1,137 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 826.000 Euro auf Lieferungen, 155.000 Euro auf Finanzierungen und 85.000 Euro auf liquide Mittel.

Im Jahr 2015 wurde dem Unternehmen im Rahmen einer "islamischen Finanzierung" 40 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Diese Finanzierung über den Finanzierungspartner QAlloy Sarl soll aun Staatsfonds aus Katar übernommen haben. Diese Finanzierung wurde mit Juli 2017 nachrangig gestellt. Die Beteiligungen (Buchwert: zehn Millionen Euro) wurden zur Gänze wertberichtigt.

Den Gläubigern wird eine Quote in Höhe von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren angeboten.

Früher 1.500 Mitarbeiter an 15 Standorten

Zuvor musste schon die Tochterfirma Gruber & Kaja Insolvenz anmelden.

Die HTI AG hat ihren Sitz in St. Marien bei Neuhofen, Oberösterreich. Laut eigenen Angaben "entwickelt, produziert und vertreibt High-Tech-Produkte, die Mobilität sicherstellen sowie funktionierende Infrastrukturen und verlässliche Energieversorgung gewährleisten. Ökologie, Ökonomie und Ergonomie bilden die Basis für innovative Produkte." Die HTI war früher weltweit mit rund 1.500 Mitarbeitern an 15 Unternehmensstandorten tätig.

Die HTI notiert im Standard Market Auction-Segment der Wiener Börse, zuletzt hat der Kurs 24,46 Prozent verloren. Innerhalb eines Jahres betrug der Kursverlust sogar mehr als 71 Prozent. derzeit grundelt die Aktie bei 21 Cent.

 

Inhaber- und Namensaktien

3.038.929 Stück der ausgegebenen 19.038.929 Aktien lauten auf den Inhaber und sind zum Handel an der Wiener Börse zugelassen. Die ISIN dieser HTI-Inhaberaktien lautet
AT0000764626.

Und weiter heißt es: "Die übrigen 16.000.000 Aktien sind vinkulierte Namensaktien und werden ausschließlich von der High Tech Industries Investment GmbH, Berlin, gehalten; sie sind nicht zum Handel an der Wiener Börse zugelassen; die ISIN dieser Namensaktien lautet AT0000A1GVD5. Nach Kenntnis der Gesellschaft verfügt die High Tech Industries Investment GmbH, Berlin, eine Finanzierungstreuhandgesellschaft, über rund 90,2 Prozent der Anteile (einschließlich der 16.000.000 vinkulierten Namensaktien), die sie im eigenen Namen aber wirtschaftlich zu Gunsten des Aktionärs MCP A Holding S.ä.r.l., einem Investmentvehikel eines britischen Private-Equity-Fonds hält." Der Rest ist im Streubesitz.