© APA/AFP/ODD ANDERSEN

Aktien-Verkauf
11/08/2021

Milliardär Musk wird mit Twitter-Inszenierung zum Steuerzahler

Nach Abstimmung auf dem sozialen Netzwerk gibt Tesla-Gründer 10 Prozent seiner Anteile ab. Damit will er der US-Gesellschaft Gutes tun – und sich selbst.

von Robert Kleedorfer

Mit einem Vermögen von rund 338 Milliarden Dollar gilt Erfinder und Grenzgänger Elon Musk als reichster Mann der Welt. Des Öfteren bekam er bereits zu hören, er möge einen Teil seines immensen Vermögens zumindest spenden, wenn er schon keine Einkommenssteuern zahlt. Nun nahm sich Musk die ständige Kritik zu Herzen, aber auf seine typische Art und Weise. Auf Twitter ließ er seine 62,7 Millionen Follower darüber abstimmen, ob er 10 Prozent seines Aktienpakets verkaufen und damit Einkommenssteuer darauf zahlen soll.

Innerhalb einer Frist von 24 Stunden votierten 58 Prozent der 3,5 Mio. Teilnehmer für den Verkauf. Da Musk rund 20 Prozent an Tesla gehören, stößt er somit zwei Prozent ab. Das Paket hat einen Wert von rund 20 Mrd. Dollar, auf die Steuer zu zahlen sind. Wann der Verkauf erfolgt, ließ Musk bisher unerwähnt. Die Börsianer waren zunächst nicht entzückt – die Aktie gab im europäischen Handel bis zu 9 Prozent nach. Im Tagesverlauf grenzte sich der Verlust ein.

Höchstes Niveau

„Der Meister der One-Man-Show hat wieder zugeschlagen“, kommentiert Autoaktien-Analyst Frank Schwope von der deutschen NordLB die Aktion. „Elon Musk macht mit seiner Twitter-Inszenierung Marketing für Tesla auf höchstem Niveau.“ Doch steckt hinter der Inszenierung mehr als nur Marketing und soziales Engagement? Vielleicht sei die Bewertung von Tesla mit einer Billion Dollar selbst Musk schon zu hoch und er wolle einfach Gewinne mitnehmen, mutmaßt Schwope.

Er hält das durchschnittliche jährliche Wachstum von 50 Prozent über mehrere Jahre – wie es die Unternehmensführung plant – für unrealistisch, zumal die Konkurrenz die E-Mobilität hochfahre (siehe Zusatzbericht) und Tesla die Kapazitäten massiv ausbauen müsse. Die NordLB sieht die Aktie in einem Jahr bei nur 380 Dollar (aktuell 1.194 Dollar) stehen und rät zum Verkauf.

Börsenaufsicht

Indes könnte nach dem gestrigen Kursverlust die US-Börsenaufsicht SEC Musk in die Mangel nehmen. Vor drei Jahren war mit der Behörde vereinbart worden, dass seine Tweets, die Einfluss auf den Aktienkurs haben könnten, erst vom Unternehmen freigegeben werden müssen. Auslöser war seine später fallen gelassene Ankündigung, Tesla von der Börse nehmen zu wollen, bei der er laut SEC Investoren in die Irre führte.

Tesla-Konkurrent vor Börsegang

Indes gibt es große Nachfrage nach Aktien des US-Herstellers Rivian. Der 2009 gegründete kalifornische Elektroautobauer Rivian will noch diese Woche an der US-Technologiebörse Nasdaq debütieren. Das Interesse ist im Vorfeld riesengroß. Zuletzt wurde die Preisspanne für die  angebotenen Aktien auf 72 bis 74 Dollar (62 bis 64 Euro) angehoben. Zuvor hatte sie bei 57 bis 62 Dollar gelegen.

Damit erhöht sich das Emissionsvolumen auf bis zu 10 Mrd. Dollar. Sollten Investmentbanken ihre Bezugsrechte für Aktien ausüben, würde der Umfang weiter steigen. Rivians Bewertung könnte dann 65 Mrd. Dollar erreichen.

Investoren

Seit Anfang 2019 hat der Elektroautohersteller Kapital von insgesamt 10,5 Milliarden Dollar (8,64 Mrd. Euro) aufgestellt, darunter von klassischen Investoren wie Blackrock, Soros oder Fidelity, aber auch Ford und Amazon zählen zu den Geldgebern. Letzterer hält einen Anteil von 20 Prozent, Ford laut CNBC 12 Prozent. Im ersten Halbjahr 2021  weitete sich der Nettoverlust  bei Rivian von 377 Mio. Dollar  auf 994 Mio. Dollar (815 Mio. Euro) aus.

Das Unternehmen verfügt über eine Fabrik in Illinois (ein zweites Werk in England ist im Gespräch).  Dort werden seit Herbst zwei Modelle gefertigt, für die es tausende Vorbestellungen gibt: den R1T Truck sowie den Stadtgeländewagen R1S (ab je rund 70.000 Dollar und bis zu rund 500 km Reichweite). Zudem sollen laut CNBC nächstes Jahr  10.000 elektrische Lieferwagen für Amazon gebaut werden. 2030 sollen es 100.000 sein.

Rekordzahlen
Mit 1,6 Mrd. Dollar (1,4 Mrd. Euro) verdiente  Tesla im dritten Quartal fast fünfmal mehr als ein Jahr zuvor.  Der Umsatz wuchs um 57 Prozent auf den Rekordwert von 13,8 Mrd. Dollar

Auslieferungen
Tesla lieferte von Juli bis September 241.000 Fahrzeuge aus. Im Gesamtjahr könnten es 850.000 bis 900.000 Autos sein. Im gesamten Vorjahr waren es 481.000. Dank neuer Fabriken werden es 2022 mehr als eine Million sein

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