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Wirtschaft
10/21/2021

Kein Ergebnis bei Metaller-KV: Jetzt droht Arbeitskampf

Auch die dritte Verhandlungsrunde bei den Metallern ohne Ergebnis. Erste Verhandlungsrunde bei Handels-KV ohne Ergebnis.

Die dritte Runde der Kollektivvertragsverhandlungen der Metalltechnischen Industrie (FMTI) wurde ergebnislos unterbrochen. Die Arbeitnehmer hatten zuletzt ein Plus für Löhne und Gehälter von 4,5 Prozent gefordert, das Angebot der Arbeitgeber lag vor Verhandlungsbeginn bei 2,2 Prozent. Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA gaben sich nach den vorerst gescheiterten Gesprächen kämpferisch, die Arbeitgeber wiederum verständnislos über die nicht erfolgte Einigung.

Von PRO-GE und GPA hieß es heute nach Verhandlungsabbruch, dass nun "die Schlagzahl erhöht wird". "Ein Arbeitskampf steht bevor", so die beiden Chefverhandler Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA). "Das beschämende Angebot für Lohn- und Gehaltserhöhungen ist eine Verhöhnung der ArbeitnehmerInnen und angesichts ihrer Leistungen unter aller Kritik", bemängelten sie.

"Die Beschäftigten sind jedenfalls zornig und kampfbereit", versicherten Wimmer und Dürtscher. Sie sehen nun die Arbeitgeber in der Pflicht. Die wiederum orten "kein Interesse an einem Abschluss" von Seiten der Gewerkschaften.

"Das Verhandlungsangebot der Metalltechnischen Industrie beinhaltete zuletzt eine Erhöhung der Löhne und Gehälter, Zulagen sowie Lehrlingsentschädigungen um 2,1 Prozent, das ist über der zugrunde liegenden Inflation, sowie eine Steigerung der Zulagen für die zweite Schicht um 44 Prozent. Das ergibt zusammen ein Paket von knapp 2,3 Prozent Lohn- und Gehaltserhöhung", rechneten die Arbeitgeber vor.

Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI), betonte Donnerstagnacht: "Nun werden sogar Warnstreiks angekündigt, auch in Branchen, für die wir gar nicht verhandeln. Es geht heuer offenbar nicht um vernünftige Ergebnisse, sondern Säbelrasseln und Propaganda."

Handels-KV

Am Donnerstag ist außerdem nach fünf Stunden die erste Runde der Kollektivvertragsverhandlungen für die rund 415.000 Angestellten und 15.000 Lehrlinge im Handel zu Ende gegangen. Die Gewerkschaft fordert angesichts der hohen Teuerung einen kräftigen Gehaltsabschluss. Die Arbeitgeber verweisen auf die coronabedingt schwierige Lage für viele Handelsbetriebe. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 3. November angesetzt.

Außer Streit gestellt haben die Sozialpartner die Inflationsrate mit einem Wert von 2,1 Prozent für die vergangenen 12 Monate von Oktober 2020 bis September 2021. Die Gewerkschaft zeigte sich "enttäuscht und verärgert" über die erste Verhandlungsrunde. "Es gibt keine Bereitschaft, auf unser Forderungsprogramm einzugehen. Die berechtigten Forderungen, welche insbesondere die Bedürfnisse weiblicher Beschäftigter berücksichtigen, wurden einfach mit dem lapidaren Hinweis abgetan, KV-Politik sei keine Frauenpolitik", so die gewerkschaftliche Chefverhandlerin Anita Palkovich von der GPA in einer Aussendung. "Es ist bislang keinerlei Wertschätzung gegenüber den Leistungen der Handelsangestellten im vergangenen Jahr spürbar", sagte der Vorsitzende des Wirtschaftsbereichs Handels in der Gewerkschaft GPA, Martin Müllauer. Wenn man nicht über "spürbare Verbesserungen und Zukunftsfragen" verhandeln könne, werde jedenfalls nicht die Attraktivität der Branche verbessert.

Die GPA fordert bei den diesjährigen KV-Verhandlungen für die Handelsangestellten - wie schon in den Vorjahren - eine leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche. Neu sind die Forderungen nach einer besseren Abgeltung bei Mehr- und Nachtarbeit, unter anderem ein Nachtzuschlag von 50 Prozent zwischen 21.00 und 6.00 Uhr, Zuschläge ab der ersten Stunde Mehrarbeit und die Fälligkeit des Mehrarbeitszuschlages schon im Folgemonat in Zeit oder Geld. Nachtarbeit nimmt laut den Gewerkschaftsvertretern vor allem im Lebensmittelhandel immer mehr zu.

"Äußerst schwierig"

WKÖ-Handelsobmann und Arbeitgeber-Chefverhandler Rainer Trefelik sprach nach der ersten KV-Runde von "äußerst schwierigen" Verhandlungen. "Seitens der Gewerkschaft liegen derzeit aber noch keine konkreten Gehaltsforderungen auf dem Tisch. Gefordert wird jedenfalls ein dickes Gehaltsplus und ein Zukunftsdeal mit rahmenrechtlichen Änderungen", sagte Trefelik. Die Forderungen nach zusätzlichen Zulagen und Zuschlägen könne "aber nur im Gesamtkontext beurteilt werden". Der WKÖ-Vertreter verwies auf die "sehr volatile wirtschaftlichen Situation" des Handels. "Die Infektionszahlen steigen derzeit dramatisch. Wichtige Umsatzbringer wie ausländische Touristen fehlen nach wie vor und große Veranstaltungen stehen auf der Kippe", so der Handelsobmann. Der Großhandel sehe sich mit hohen Rohstoff- und Logistikpreisen konfrontiert, die er gegenüber seinen Kunden nicht einpreisen könne. "Jetzt gilt es, mit Bedacht an die weiteren Verhandlungen heranzugehen und einen Abschluss mit Weitblick zu finden", sagte der Arbeitgebervertreter.

Wie im Vorjahr kann sich der WKÖ-Handelsobmann einen freiwilligen Corona-Bonus vorstellen, den wirtschaftlich erfolgreiche Händler ausschütten. Dies sei "ein Erfolgsmodell" gewesen. Die Gewerkschaft hat im Vorfeld der Verhandlungen einen freiwilligen Bonus abgelehnt und Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen gefordert. Letztes Jahr habe es "einen Krisendeal" gegeben, heuer fordere man "einen Zukunftsdeal mit einer nachhaltigen Gehaltserhöhung", so die gewerkschaftliche Chefverhandlerin.

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