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Wirtschaft
02/04/2021

Messegeschäft fast vollständig zum Erliegen gekommen

Im Vorjahr sank die Zahl der Besucher um 70 Prozent, heuer dürfte nicht viel besser werden.

von Thomas Pressberger

Das Corona-Jahr 2020 war für die heimischen Messeveranstalter ein Debakel, 2021 soll auch nicht viel besser werden. „Das Messegeschäft ist so gut wie zum Erliegen gekommen“, sagt Sabine Tichy-Treimel, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Messen-Austria und Geschäftsführerin der Messe Dornbirn. Der Verband zählte 2020 nur 38 Messeveranstaltungen, das sind um 68 Prozent weniger als im Jahr davor. Der Besucherrückgang lag mit 70 Prozent sogar darüber.

Volkswirtschaftlicher Schaden

Betroffen von den Rückgängen war in Österreich praktisch jeder Messestandort. Einige konnten im Frühling noch zwei bis drei Veranstaltungen durchführen. Im Sommer ist im Messegeschäft traditionell Pause und im Herbst kam die Ampel-Regelung, spätestens mit dem zweiten Lockdown war das Jahr für die Veranstalter vorbei, erzählt Tichy-Treimel.

Die dramatischen Rückgänge im Messegeschäft haben auch eine große volkswirtschaftliche Auswirkung, so die Expertin, denn Messen sind nicht nur in ihrer Region wichtige Wirtschaftsfaktoren. Die Aussteller wollen ihr Geschäft mit den Kunden machen, diese wiederum suchen Angebote, und nicht zuletzt entsteht eine große Umwegrentabilität. Hotellerie, Gastronomie, Messebau, Reinigung, Techniker, Druckereien, Medien, Taxifahrer, etc. – die Liste der durch die Ausfälle betroffenen Branchen ist lang.

Zukunft offen

Wie es weiter geht, ist offen. „Wir hängen noch in der Luft“, sagt Tichy-Treimel. Bis Juni werden nicht viele Veranstaltungen stattfinden, nach der Sommerpause könnte sich die Lage wieder normalisieren – vorausgesetzt die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie lässt es zu.

2021 wird sich wahrscheinlich wirtschaftlich nicht besser als 2020 entwickeln. Tichy-Treimel hofft, dass eine aktuelle Corona-Regel auch nach dem derzeitigen Lockdown aufrecht erhalten bleibt: dass Messen wie Einkaufszentren behandelt werden und öffnen dürfen.

Zyklisches Geschäft

Relativ glimpflich davon gekommen ist Österreichs größter Veranstalter, die Reed Exhibitions Österreich. „Unser Vorteil war, dass wir ein paar große Veranstaltungen im ersten Quartal hatten“, sagt Benedikt Binder-Krieglstein, Vorsitzender der Geschäftsführung von Reed Exhibitions Österreich.

Dass das Messegeschäft in normalen Jahren nach wie vor funktioniert, zeigen die Zahlen. „Wir sind in den vergangenen fünf Jahren in Österreich stark gewachsen“, sagt Binder-Krieglstein. Das Wachstum lag zwischen sechs und acht Prozent.

Auch global habe es starke Steigerungsraten gegeben. Das Messegeschäft sei ein zyklisches. Früher habe es die großen Herbstmessen gegeben, dann seien Fachmessen gekommen. Heute müssten die Veranstaltungen emotionsgeladen sein und Festivalcharakter haben.

Positive Veränderung

Markus Grießler, geschäftsführender Gesellschafter des neuen Messeveranstalters Austrian Exhibition Experts (AEE), ortet eine entscheidende Veränderung, die die Corona-Pandemie der Messe-Branche gebracht hat. „Die Pandemie war ein Brandbeschleuniger für die Digitalisierung“, sagt Grießler.

Eine digitalere Welt werde das Messegeschehen aber nicht verdrängen, sondern ergänzen. Es gebe einige Tools, die sich für Messeveranstalter gut einsetzen ließen. „Das ist ein positiver Nebeneffekt“, so Grießler. Durch Meeting-Tools könne man sich nun bei Konferenzen digital und analog treffen oder mittels Avataren kommunizieren.

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