Indien-Abkommen vor Abschluss, viele weitere Deals in der Pipeline

Ein Mann mit Turban und Gesichtsbemalung raucht eine Pfeife.
EU für Partnerschaft statt Isolation, also regelbasiertes Handelssystemgegen Trumps „Recht des Stärkeren“.

Der Rückschlag bei Mercosur bedeutet keineswegs das Ende für die Suche der EU nach neuen Handelspartnern. Schon beim Gipfeltreffen der EU mit Indien ab Sonntag in Neu-Delhi soll ein seit 2022 verhandelter Handelspakt mit dem bevölkerungsreichsten Land der Erde unterschrieben werden.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte beim Weltwirtschaftsforum in Davos in Richtung von US-Präsident Trump: „Wir entscheiden uns für fairen Handel statt für Zölle. Für Partnerschaft statt Isolation.“

Warum gibt es so viel Kritik an Mercosur und vergleichsweise keinen Widerstand gegen den Deal mit Indien? Wahrscheinlich, weil der Agrar- und Milchsektor ausgeklammert und insgesamt ein nicht so weitreichendes Abkommen verhandelt wurde, meint dazu WU- und WIFO-Handelsexperte Harald Oberhofer. Und sagt: „Indien hat für Europa mittelfristig großes Potenzial. Je früher man den Fuß in der Tür hat, desto besser – auch angesichts der aktuellen Nähe Indiens zu Russland.“

Mit dem EU-Indien-Abkommen entsteht ein Markt mit rund zwei Milliarden Menschen. Schon jetzt ist die EU der größte Handelspartner für Indien. Europäische Unternehmen bekommen geringere Zölle für Autos, Wein oder Spirituosen. Indische Anbieter erhalten leichteren Marktzugang in Europa für Textilien oder Pharmaprodukte.

Hiermit endet die angestrebte Diversifizierung der EU-Lieferketten noch lange nicht. Ein Handelsabkommen mit dem wirtschaftlich aufstrebenden Indonesien wurde im September abgeschlossen und harrt der Ratifizierung. Ein breiterer Aufschrei blieb trotz der Palmöl-Problematik aus.

Fortschritte gebe es auch in den Gesprächen mit Philippinen, Thailand, Malaysia und den Vereinigten Arabischen Emiraten, heißt es in Brüssel. Etliche andere Abkommen liegen momentan zwar auf Eis, die Gespräche könnten aber je nach Großwetterlage mit den USA wieder aufgenommen werden – etwa mit Australien.

Oberhofer sagt: „Europa punktet mit seinem regelbasierten System der Kooperation. Das wird noch bedeutsamer in einer Welt, in der China und die USA mit der Macht des Stärkeren versuchen, nur noch eigene Interessen durchzusetzen.“

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