Experte über Medikamenten-Engpass: "Einlagerung keine Lösung"
Derzeit gibt es bei 1.300 Medikamenten Probleme mit dem Nachschub. Das berichtete der Arzneimittel-Vollgroßhändler Phago am Montag in einer Aussendung.
In der ZIB 2 am 19. Februar nahm Alexander Herzog, Generalsekretär des Verbands der pharmazeutischen Industrie Pharmig, dazu Stellung und beantwortete die Fragen von Margit Laufer.
Die Lage in Österreich: Kein flächendeckender Versorgungsnotstand
Ein Lieferproblem sei kein Versorgungsproblem, betont Herzog. "Etwa 98 bis 99 Prozent aller am Markt erhältlichen Präparate sind tatsächlich sofort und gut verfügbar." Nur rund ein Prozent der Medikamente sei von Lieferengpässen betroffen. Selbst dann seien häufig noch Restbestände bei Großhändlern oder Apotheken verfügbar.
Warum greifen die Maßnahmen nicht?
Bereits vor eineinhalb Jahren hatte der damalige Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) die verpflichtende Einlagerung von Medikamenten durch die Pharmaindustrie angekündigt, um Engpässen vorzubeugen. Doch die erhoffte Wirkung blieb aus. Laut Herzog sei dies keine Überraschung, da die Wurzel des Problems nicht angegangen werde: "Eine einfache Einlagerung von Medikamenten wird das Problem nicht lösen. Der Grund des Problems ist der enorme Preisdruck, den das Gesundheitssystem auf die pharmazeutische Industrie, speziell in diesem Segment der patentfreien, aber rezeptpflichtigen Präparate ausübt."
Ein weiteres Hindernis sei die Verlagerung der Produktion in den asiatischen Raum, die sich über Jahrzehnte hinweg vollzogen habe. Die Einlagerung von Medikamenten sei zwar gesetzlich geregelt und seit April 2025 verpflichtend, doch Herzog weist darauf hin: "Man kann ja nur die Produkte einlagern, die auch tatsächlich da sind." Globale Lieferkettenprobleme führten dazu, dass bestimmte Medikamente schlichtweg nicht verfügbar seien.
Die Pharmig spricht sich für eine europäische Koordination der Medikamentenvorratshaltung aus, so Herzog. Zudem könnten regulatorische Erleichterungen, wie der Einsatz elektronischer Beipackzettel, die Verteilung innerhalb der EU erleichtern.
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