Erfolg für Finanz: 411 Scheinfirmen zerschlagen, 154 Millionen für Republik

Von Schwarzarbeit bis manipulierte Kassensoftware: 2025 war ein Erfolgsjahr in der Betrugsbekämpfung. Wie Ermittler Millionen lukrierten – und welche Fälle besonders brisant waren.
PK "BILANZ DES AMTS FÜR BETRUGSBEKÄMPFUNG 2025": MARTERBAUER

Hinter den Zahlen stehen aufwendige Ermittlungen durch des Amt für Betrugsbekämpfung (ABB) sowie einige drastische Betrugsfälle. Durch Verfahren mit besonders hohen Schadenssummen konnte das ABB im Vorjahr für die Republik Österreich und somit für alle ehrlichen Steuerzahler mehr als 154 Millionen Euro eintreiben - ein Plus von über 47 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. 

Die Auswertungen zeigen: 411 Scheinunternehmen konnte das Handwerk gelegt werden und 7.288 Finanzstrafverfahren wurden abgeschlossen. Insgesamt hat das ABB mehr als 51.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in 25.981 Betrieben kontrolliert, 128 Hausdurchsuchungen durchgeführt und 92,5 Terabyte Beweisdaten sichergestellt.  

Besonders die Schilderungen der einzelnen Fälle durch ABB-Chef Christian Ackerler bei der Präsentation des Jahresberichtes 2025 belegen einmal mehr die unglaubliche Kreativität der Steuerhinterzieher. Finanzminister Markus Marterbauer hob insbesondere den Ansatz hervor, durch erfolgreiche Betrugsbekämpfung einen wichtigen Beitrag für einen höhere Steuerehrlichkeit und -moral zu leisten. 

Die beispielhaften Fälle im Einzelnen:

Internationaler Vertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln – Verdacht auf systematische Abgabenverkürzung in Millionenhöhe

Das Amt für Betrugsbekämpfung ermittelt finanzstrafrechtlich gegen einen Unternehmer, der seit den 1990er-Jahren unter einer bekannten Marke Anti-Aging-Nahrungsergänzungsmittel international vertreibt, vor allem nach Deutschland, teils auch nach Österreich und in weitere EU-Staaten. Aus einem deutschen Verfahren ergab sich der Verdacht, dass Umsätze und Gewinne über Jahre weder ertrag- noch umsatzsteuerlich korrekt erklärt wurden. Nach bisherigem Stand soll der Vertrieb großteils außerhalb des regulären Abgabensystems gelaufen sein, wobei zur Verschleierung der Zahlungsströme ein komplexes internationales Firmengeflecht mit Gesellschaften u. a. in Österreich, Deutschland, Irland, Großbritannien und den USA eingesetzt wurde und über 40 dem Beschuldigten zuordenbare Unternehmen identifiziert werden konnten. Die vorläufige Schadenssumme beträgt rund 3,6 Mio. Euro (Einkommen-, Umsatz- und Körperschaftsteuer). In Österreich gab es u. a. Hausdurchsuchungen, Kontoöffnungen, Zeugenvernehmungen und eine umfassende Betriebsprüfung. Der Beschuldigte ist geständig und hat die Begleichung der offenen Abgaben angekündigt, das Strafverfahren ist noch anhängig.

Verdacht auf organisierte Schwarzarbeit und schweren Betrug mit Arbeitskräfteüberlassung

Das Amt für Betrugsbekämpfung (Finanzpolizei) hat einen schweren Fall mutmaßlich organisierter Schwarzarbeit und schweren Betrugs aufgedeckt: Ein österreichisches Unternehmen soll Arbeitskräfte aus dem Ausland illegal beschäftigt und Sozialversicherungsbeiträge hinterzogen haben. Die Schadenssumme wird noch ermittelt, dürfte aber im siebenstelligen Bereich liegen. Unter Leitung der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gab es in drei Bundesländern fünf gerichtlich bewilligte Hausdurchsuchungen und zwei Sozialbetrugskontrollen, wobei u. a. rund 660.000 Euro Bargeld sowie Luxusuhren/Schmuck (ca. 200.000 Euro) und Gold (ca. 230.000 Euro) sichergestellt wurden. Außerdem wurden zahlreiche Mobiltelefone, Computer und Datenträger mit rund 3 TB Daten beschlagnahmt.

Die Arbeitskräfte sollen formal bei sieben Firmen in Deutschland und Bulgarien angestellt und dort sozialversichert gewesen sein, tatsächlich aber dem österreichischen Unternehmen überlassen worden sein. In über 30 Fällen dürften Bestätigungen gefälscht gewesen sein, teils handelte es sich um Schein- bzw. Betrugsfirmen. Parallel wurden in Wien weitere Maßnahmen gesetzt und rund 80 Übertretungen nach dem Ausländerbeschäftigungsgesetz bzw. im Bereich Lohn- und Sozialdumping festgestellt. Zusätzliche Tatbestände (u. a. illegale Arbeitskräfteüberlassung, Scheinrechnungen, Abgabenbetrug/-hinterziehung und illegale Gewerbeausübung) werden noch geprüft.

Abschluss der Ermittlungen wegen des Verdachts auf systematischen Lohnbetrug und Abgabenhinterziehung bei Personalbereitstellungsunternehmen

Aus einer routinemäßigen ÖGK-Prüfung bei einem österreichischen Personalbereitstellungsunternehmen ergaben sich schwerwiegende Verdachtsmomente, die nach einer Meldung an die Steuerfahndung zu umfassenden Ermittlungen führten: Demnach sollen 2020 bis 2021 systematisch Nettolohnvereinbarungen mit überwiegend ausländischen Arbeitskräften getroffen worden sein, die vorab Blanko-Kassabelege unterschreiben mussten. In der Lohnabrechnung wurden ihnen anschließend angebliche Vorschüsse („Akontozahlungen“) zu Unrecht abgezogen, was auch durch zwei arbeitsgerichtliche Urteile gestützt wird. Die Untersuchungen deuten auf ein betrügerisches System der Geschäftsführung hin, mit dem Umsatz- und Ertragsteuern verkürzt wurden: offiziell wurden kollektivvertragliche Bruttolöhne gemeldet, tatsächlich aber niedrigere Nettolöhne ausbezahlt, wobei die Differenz mutmaßlich über fingierte Barabflüsse und die Blankobelege abgeschöpft und teilweise in den persönlichen Verfügungsbereich der Unternehmensleitung geleitet wurde; zudem erhielten Beschäftigte keine Lohnzettel, was Kontrollen erschwerte. Die vorläufige Steuerschädigung beträgt rund 2,2 Mio. Euro.

Erfolgreicher Zugriff auf illegale Glücksspielgeräte in Wels

Die Finanzpolizei im Amt für Betrugsbekämpfung hat nach einer Anzeige in Wels einen besonders dreisten Fall illegalen Glücksspiels aufgedeckt: Der Betreiber einer Tankstelle soll im Hinterhof in einem versperrten Wellblechverschlag zwei Glücksspielautomaten betrieben und damit zusätzliche Einnahmen erzielt haben. Bei einer Kontrolle bestätigte sich der Verdacht rasch, zumal vor den Geräten sogar typische Barhocker für Spieler standen. Beide Automaten wurden beschlagnahmt und der Betreiber angezeigt. Die Strafverfolgung erfolgt nach dem Glücksspielgesetz, es drohen Geldstrafen von bis zu 20.000 Euro.

Spektakulärer Fall von Beitragstäterschaft in 24 Fällen mit hohen finanziellen Auswirkungen in ganz Österreich

Ein in Ostösterreich ansässiger Softwarevertreiber verkaufte drei Kassensoftwareprogramme an Restaurants in ganz Österreich und warb u. a. mit selbst verfassten Produktbeschreibungen auf Deutsch sowie in mehreren asiatischen Sprachen. Im Zuge einer gerichtlich bewilligten Hausdurchsuchung in Wien stellte die Steuerfahndung umfangreiches Kunden- und Backup-Material sicher, dessen IT-Auswertung durch Spezialisten die Identifikation der Kunden und die Verifizierung von Abgabenverkürzungen ermöglichte. Bei zwei Programmen konnte nachgewiesen werden, dass Umsätze nachträglich gelöscht und durch eine Reorganisation fortlaufender Nummern selbst bei Prüfungen unauffällig gemacht werden konnten. Beim dritten Programm wurden Umsätze über die „Trinkgeld“-Funktion verschleiert, indem nur 10 % in die Verkaufstabelle übernommen wurden. In der Folge unterstützte die Steuerfahndung Prüfungen in 24 Großfällen, erstellte in Zusammenarbeit mit IT-Experten, Finanzstrafbehörde und Juristen einen Abschlussbericht für die WKStA, forderte rund 12,6 Mio. Euro nach und erreichte Verurteilungen: Die meisten unmittelbaren Täter sind rechtskräftig verurteilt, der Softwarevertreiber wurde Ende März 2025 am Landesgericht Wien rechtskräftig zu 2 Mio. Euro Geldstrafe und zwei Jahren bedingter Freiheitsstrafe verurteilt – ein Ergebnis der engen Kooperation von Finanzverwaltung, WKStA und Staatsanwaltschaften.

Durchsuchungen wegen Abgabenhinterziehung im Taxigewerbe

Das Amt für Betrugsbekämpfung (Steuerfahndung und Strafsachen) führte im September 2025 in den frühen Morgenstunden eine groß angelegte Durchsuchungsaktion an sieben Orten in Wien und dem Wiener Umland durch, die sich gegen eine Unternehmerfamilie mit mehreren Taxiunternehmen richtete. Mehrere Branchenmitglieder stehen im Verdacht, über Jahre systematisch Umsätze verschleiert und dadurch Steuern und Abgaben in Millionenhöhe hinterzogen zu haben. Der mutmaßliche Schaden liegt im siebenstelligen Bereich. Bei den Durchsuchungen wurden umfangreiche Beweismittel und Vermögenswerte sichergestellt, darunter Geschäftsunterlagen, Datenträger und Smartphones sowie hochpreisige Fahrzeuge, Bargeld und teure Uhren, auch zur Sicherung möglicher Strafzahlungen. Das Zollamt Österreich unterstützte den Einsatz maßgeblich, unter anderem mit einem auf Bargeld spezialisierten Spürhund. Dabei wurden 60.000 Euro Bargeld sichergestellt.

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