Katharina Hauke, Chefin von Lieferando Deutschland und Österreich

© Lieferando

Frauentag
03/08/2022

Lieferando-Chefin: „Mehr als 1.000 neue Arbeitsplätze geschaffen“

Nach dem Corona-Hoch versucht der Essenslieferdienst mit neuen Services und Lebensmittel-Zustellung zu punkten.

von Anita Staudacher

Sie sind aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken: Die Corona-Pandemie, vor allem geschlossene Restaurants und Homeoffice, bescherte den Essenszustellern eine noch nie da gewesene Nachfrage. „Wir konnten im Vorjahr die Anzahl der Bestellungen um 50 Prozent steigern und vermitteln jetzt mehr als eine Million Bestellungen pro Monat“, berichtet Katharina Hauke, Geschäftsführerin von Lieferando Deutschland und Österreich dem KURIER.

4.000 Restaurant-Partner hat Lieferando inzwischen in Österreich, wobei die meisten Lokale ihre Bestellungen selbst ausliefern. In sieben Städten unterhält die Tochter des niederländischen Konzerns Just Eat Takeaway eine eigene Zustellflotte mit auffällig orange bekleideten Fahrradboten.

Die Zahl der Fahrradboten habe sich in Österreich seit Corona-Ausbruch auf 2.000 mehr als verdoppelt. „Wir haben mehr als 1.000 Arbeitsplätze geschaffen“, so Hauke, eine gebürtige Wienerin. Der Job wird vor allem von Studierenden oder geringfügig Beschäftigten ausgeübt, die Fluktuation ist naturgemäß hoch.

Das jüngste Auslaufen der meisten Corona-Maßnahmen werde das Wachstum nicht bremsen, ist sie überzeugt, Personalabbau sei deshalb keiner geplant, im Gegenteil: „Wir suchen händeringend Personal. Corona war mit Sicherheit ein Boost über die letzten zwei Jahre, aber der Trend zur digitalen Essensbestellung wird weitergehen.“ Das Potenzial in Österreich sei noch lange nicht erschöpft. Zwar würden schon 80 Prozent der Haushalte Essen bestellen, aber erst 19 Prozent täten dies über Lieferando.

Lebensmittel-Zustellung

Heuer will Lieferando Österreich vor allem durch neue Services und Kooperationen im Lebensmittelhandel wachsen. Eine erste Kooperation mit Interspar gibt es bereits. „Lebensmittellieferungen sind ein wichtiges Thema in diesem Jahr“, sagt Hauke. Bei den Services sollen vor allem Firmenkunden gewonnen werden, die ihren Mitarbeitern als Kantinenersatz eine Lieferando Pay-Karte anbieten.

Mit einem täglichen oder monatlichen Guthaben können die Mitarbeiter dann bei den Partner-Restaurants ihr Mittagessen bestellen. Rund 100 Firmenkunden gebe es bereits. „Die digitale Kantine vereinfacht Mitarbeitenden den Arbeitsalltag, nicht nur im Homeoffice. Der Trend wird anhalten“, ist Hauke überzeugt.

Kritik an den teils prekären Arbeitsbedingungen von Fahrradboten lässt Hauke nicht zu. „Wir stellen alle unsere Fahrradbotinnen und -boten direkt an und zahlen über den Kollektivvertrag“, betont sie. Die hohe Fluktuation ergebe sich häufig durch den Arbeitnehmerwunsch, etwa weil viele nur im Sommer fahren wollen, nicht aber im Winter. „Es ist in unserem eigenen Interesse, dass das Personal länger bleibt. Und wir haben auch viele Vollzeitkräfte.“

Befristete Verträge

Die Gewerkschaft vida übt vor allem Kritik an den Befristungen von Verträgen. Entgegen der konzernweiten Ankündigung vom Sommer des Vorjahres, nur noch unbefristete Verträge anzubieten, sei die Befristung in Österreich nach wie vor Usus, heißt es auf Anfrage. Dem Unternehmen müsse klar sein, dass befristete Dienstverhältnisse nicht ewig verlängerbar seien. Die Gewerkschaft bietet Betroffenen die Prüfung ihrer Verträge an.

Milliardenverlust

Wegen hoher Investitionen auch in schwächeren Märkten und einer Übernahme in den USA schloss Konzernmutter Just Eat Takeway das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Verlust von knapp einer Milliarde Euro ab. Das Minus war damit fast siebenmal höher als im Jahr 2020. Laut Konzernchef habe man den „Höhepunkt der Verluste“ aber überschritten und strebe heuer wieder ein besseres Ergebnis an. In Russland und der Ukraine ist Lieferando nicht tätig.

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