LGT-Chef: "Die Kapitalmärkte sind erstaunlich robust"
Das Börsenjahr ist vielerorts so gestartet, wie es geendet hat – mit Zugewinnen. Nur zahlreiche US-Aktien entwickeln sich bisher seitwärts. „Es war ein guter Start ins neue Jahr“, sagt Wolfgang Eisl, CEO der LGT Bank Österreich, im KURIER-Gespräch (wurde vor dem Angriff auf den Iran geführt, Anm.).
Das sei essenziell, denn der Jänner sei ein wichtiger Monat für institutionelle Anleger. „Die Kapitalmärkte sind erstaunlich robust und können mit der Gemengenlage umgehen.“ Die Politik von US-Präsident Donald Trump sei schon zur Routine geworden, die Aktienmärkte hätten sich davon schon ein bisschen „ausgeklinkt“. Gestützt werde die Entwicklung von guten Unternehmensergebnissen, aber auch relativ stabilen Konjunkturdaten. „Das überrascht viele – auch die, die nicht investiert sind.“
Auch wenn Eisl weiterhin leicht optimistisch für Aktien ist und mit moderaten Zugewinnen heuer rechnet, sollten Anleger ihre mittelfristige Strategie adaptieren, aber investiert bleiben. Vieles hänge nun von den künftigen Zinsentscheidungen in den USA ab. „Vielleicht gibt es eine Überraschung“, so Eisl. Es könnte heuer nicht nur zwei, sondern sogar drei oder vier Zinsschritte nach unten geben.
In Europa hingegen werde seitens der Zentralbanken nicht mehr viel passieren. Die Inflation sei nun in der Eurozone beim Zielwert von 2,0 Prozent. Auch der nun gegenüber dem US-Dollar etwas stärkere Euro werde daran nichts ändern. Eisl: „Wir sehen auch bis Jahresende mit 1,22 Dollar je Euro keine riesige Abschwächung.“ Das blinde Vertrauen der Anleger in die US-Notenbank habe infolge Trumps Interventionen etwas gelitten.
„Best-in-Class“-Ansatz
Laut Eisl profitieren aktienseitig vor allem die Emerging Markets vom aktuellen Zins- und Dollarumfeld, allen voran jene in Südostasien. Sonst verfolgt die LGT eher den „Best-in-Class“-Ansatz. „Es geht mehr ums Geschäftsmodell als um eine Region“, erklärt der Banker. Derzeit favorisiert er Aktien aus dem Gesundheitsbereich sowie Industrietitel. Bei Letzteren seien jene mit gut ausfinanzierten Geschäftsmodellen gefragt.
Zurückhaltender ist die Privatbank bei Finanz- und IT-Werten, die schon in den vergangenen Jahren gut gelaufen sind. „Bei Technologie machen jetzt viele ein Fragezeichen dahinter“, sagt Eisl. Künstliche Intelligenz etwa sei zweifellos ein Trend, der zu großen Veränderungen führen werde. „Aber was davon ist skalierbar?“, fragt sich der Experte. Zudem spüre er in den vergangenen drei bis vier Jahren bei Kunden eine gewisse Nachdenklichkeit, weil die große Abhängigkeit von US-Unternehmen evident geworden sei. Dennoch sei es wichtig gewesen, investiert zu sein, um die Inflation zu neutralisieren.
Realer Vermögensverlust
Generell sei es weiterhin wichtig, das Portfolio zu diversifizieren. Bezüglich Anleihen bleibt Eisl aber „etwas vorsichtiger“, vor allem was lange Laufzeiten betrifft, auch wenn diese in der Regel eine höhere Rendite abwerfen. Unterm Strich wären Anleihen aber in den vergangenen Jahren nicht geeignet gewesen, den Erhalt von Vermögen sicherzustellen. „Es kommt zu einem realen Vermögensverlust.“
Bei Gold wiederum sei die Nachfrage der Kunden das letzte Mal so hoch gewesen wie zu Zeiten der Finanz- bzw. Eurokrise, sagt Eisl. Und nun sei es wieder ein gefragter Bestandteil der Portfolioallokation.
Betuchtere bzw. institutionelle Kunden weist die LGT auch auf Investmentmöglichkeiten in Bezug auf Private Equity bzw. Private Markets hin. Auch große Infrastrukturfonds, die zwecks Risikostreuung in mehrere Projekte investieren, seien eine Alternative. Eisl: „Das ist kein alltägliches Produkt und für Privatanleger überhaupt nicht geeignet.“
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