Lehrlingsmonitor zeigt Probleme: Ein Drittel leidet unter Mobbing
von Jasmin Sharma
In der Vorwoche wurde bekannt, dass es im Luxushotel Interalpen im Tiroler Telfs zu sexueller Belästigung, rassistischer Beleidigung und körperlichen Verletzungen gegenüber Lehrlingen gekommen sein soll. Der aktuelle Lehrlingsmonitor von Gewerkschaftsbund und Arbeiterkammer zeigt, dass das keine Einzelfälle sind. Ein Drittel der Lehrlinge berichtet, im Laufe der Lehre zumindest einmal Mobbing erlebt zu haben.
Die Befragten erzählen von Erfahrungen mit Schreien und Schimpfen und ungerechtfertigter Kritik. Häufig betroffen sind Lehrlinge in Gesundheitsberufen und dem Tourismus- und Gastgewerbe sowie Elektrotechnik. Lehrlinge erfahren während ihrer Ausbildung auch „Lächerlichmachen“, zum Beispiel ihr Aussehen. Sexuelle Belästigung und die Androhung von Gewalt sowie körperliche Misshandlung kämen auch vor. „Das ist kein rauer Ton mehr“, sagt Laura Zandonella, Bundesjugendvorsitzende der Produktionsgewerkschaft, zu diesen Erfahrungen.
Im Rahmen des bereits sechsten Lehrlingsmonitors wurden 6.000 Lehrlinge im letzten Lehrjahr über ihre Erfahrungen befragt. Es zeigten sich neben den erwähnten Vorkommnissen weitere Schwachpunkte.
Große Lehrstellenlücke
Im Jahr 2025 haben die heimischen Unternehmen einen historischen Tiefstand bei der Lehrausbildung erreicht. 10.000 Lehrlinge weniger als vor 20 Jahren werden ausgebildet. Zwar suchen aktuell knapp 24.500 Jugendliche eine Lehrstelle, dem entgegen stehen allerdings nur rund offene 6.000 Lehrstellen.
Dass viele Betriebe bereit sind, gute Ausbildungen anzubieten, zweifelt die Arbeiterkammer (AK) an. „Wir sehen seit Jahren, dass immer weniger Betriebe jungen Menschen eine Chance für eine gute Lehre geben“, sagt AK-Präsidentin Renate Anderl bei der Pressekonferenz am Montag. Für ein Drittel der Lehrlinge muss es deutliche Verbesserungen bei der Ausbildung geben. Im Monitor zeigt sich auch die starke Auswirkung der Unzufriedenheit: Je schlechter die Lehrlinge die Rahmenbedingungen der Ausbildung empfunden haben, desto eher möchten sie den Beruf wechseln. Anderl appelliert deshalb an die Betriebe, Lehrlinge „gut“ auszubilden. Es sind die „Fachkräfte von morgen“, so die Präsidentin.
Schuhe putzen statt Ausbildung
Auch zeigt die Studie das Ausmaß an ausbildungsfremden Tätigkeiten, die von den Lehrlingen erledigt werden müssen. Schuhe putzen, Pakete zur Post bringen und am Heimweg eine Jause holen. 20 Prozent geben an, häufig Aufgaben erledigen zu müssen, die nichts mit ihrer Ausbildung zu tun haben.
24 Prozent der Lehrlinge leisten Überstunden. Und nicht alle, die Überstunden machen müssen, sollen die Überstunden auch voll bezahlt bekommen. Besonders viele unbezahlte Überstunden müssen die Lehrlinge in den Berufsgruppen Körperpflege/Schönheit, Tourismus/Gastgewerbe/Hotellerie, Lebensmittel und Genussmittel/Ernährung und Informatik/EDV/Kommunikationstechnik leisten.
Auch berichten mehr als zwei Drittel von Problemen bei der Ausbildung, Frauen mehr als Männer. Hauptursachen sind persönliche Konflikte mit Mitarbeitern oder Vorgesetzten. 18 Prozent der Lehrlinge, die von Problemen sprechen, fühlen sich auch ausgenutzt durch ihren Betrieb. ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian will klarstellen, dass „niemand eine Lehrzeit erleiden soll“.
Unzureichende Vorbereitung und wenig Digitalisierung
Neun von zehn Befragten antworteten, dass ihrem Betrieb ihr Antritt zur Lehrabschlussprüfung wichtig sei. Aber nur sechs von zehn werden tatsächlich bei der Vorbereitung auf die Prüfung vom Betrieb unterstützt. Kritisiert wird von Katzian auch die „nicht vorhandene digitale Ausbildung“. Zwar kommt fast die Hälfte der Befragten in Berührung mit Digitalisierung, aber nur 14 Prozent mit Künstlicher Intelligenz. Es braucht laut dem ÖBG-Präsidenten eine "Synchronisierung mit der technischen Realität".
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