App, Lehre, Beratung: So sollen Fachkräfte nach Österreich geholt werden

Mehrere Kundendienstmitarbeiter arbeiten mit Headsets an Computern.
Alleine in Oberösterreich werden 2040 rund 150.000 Fachkräfte fehlen. Maßnahmen sollen dieser Entwicklung gegensteuern.

Es ist das wichtigste Standortthema der kommenden Jahre und Jahrzehnte: Obwohl Österreich wirtschaftlich derzeit in einer schwierigen Lage ist, dürfe die Suche und Anwerbung internationaler Fachkräfte nicht aufhören, im Gegenteil, sie müsse intensiviert werden, fordert Oberösterreichs Wirtschaftslandesrat Markus Achleiter, ÖVP, am Montag. 

Die Zahlen verheißen nichts Gutes: Mangelte es 2024 an rund 40.000 Fachkräften in Oberösterreichs Unternehmen, dürfte sich die Situation bis 2040 eklatant zuspitzen. Berechnungen der oö. Wirtschaftsagentur Business Upper Austria zeigen, dass in knapp 15 Jahren mehr als 150.000 Fachkräfte fehlen werden, sollten die geplanten Strategien nicht greifen.

Die Suche soll nicht nur auf bereits fertig ausgebildete Menschen, sondern auch auf Lehrlinge und Studierende ausgedehnt werden: Noch heuer soll österreichweit ein Pilotprojekt starten: die Rot-Weiß-Rot-Karte für volljährige Lehrlinge.

Lehrlinge dringend gesucht

Denn nach wie vor übersteigt die Nachfrage nach Lehrlingen das Angebot: Auf 1450 offene Lehrstellen im Jahresschnitt 2025 kamen etwa 900 Lehrstellensuchende.

Ein weiterer Punkt, bei dem angesetzt werden soll, sind internationale Studierende: "Sie kommen nach Österreich, absolvieren an den Unis und FHs tolle, meist kostenlose Ausbildungen und 75 Prozent verlassen nach Abschluss des Studiums wieder das Land", sagt die Präsidentin der Wirtschaftskammer OÖ, Doris Hummer. "Es muss uns gelingen, diese Menschen im Land zu behalten."

Zwei Frauen und ein Mann halten Handys in die Kamera

Margit Klima-Bencic (Personalleiterin MIC Datenverarbeitung), WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer und Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner präsentieren die Come2Austria-App (v. li.)

Und weiter: Man konkurriere bei der Suche nach hochqualifizierten Fachkräften mit der ganzen Welt, "deswegen muss sich in Österreich in Bezug auf Mehrsprachigkeit noch einiges tun." Noch immer sei es in heimischen Unternehmen keine Selbstverständlichkeit, zweisprachig oder vorrangig Englisch zu agieren.

Das bestätigt auch Margit Klima-Bencic vom oö. Unternehmen MIC Datenverarbeitung, das globale Zoll- und Exportkontrollsoftware-Lösungen anbietet. 26 Prozent der in Österreich Beschäftigen sind Internationals. "Wir haben zum Glück schon lange auf Englisch als Unternehmenssprache umgestellt, das hat uns die Suche vereinfacht", so Klima-Bencic.

Wo bekomme ich ein Konto und einen Handyvertrag?

Bei der Eingliederung gehe es aber um wesentlich mehr als die berufliche Ebene. "Die Menschen wollen wissen: Wo bekomme ich ein Bankkonto, einen Handyvertrag, eine Wohnung, einen Schulplatz für meine Kinder?" Um möglichst viele Fragen im Vorfeld abzudecken, wurde deshalb in der Zusammenarbeit mit 50 Unternehmen die neue App "Come2Austria" entwickelt - ein oberösterreichisches Projekt, das ab sofort auf ganz Österreich ausgerollt wird. In ihrer Muttersprache bekommen Interessierte jede Menge Infos zu Job-Markt, Stellenanzeigen, Einreisebedingungen, Versicherungen, aber auch zum sozialen Leben, Deutschkursen und Ausflugszielen.

Rund 153.000 der in etwa 690.000 unselbstständig Beschäftigen in OÖ stammen derzeit aus anderen EU-Staaten, Drittländern oder Asien. Geht es nach der Wirtschaft, soll sich dieser Anteil stark heben. "Wir wollen, dass unsere Betriebe auch in Zukunft jene Fachkräfte zur Verfügung haben, die benötigen. Damit das gelingt, müssen wir nun alle Kräfte bündeln", schließt Wirtschaftslandesrat Achleitner.

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