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Wirtschaft
05/29/2020

Verhandlungen gescheitert: Laudamotion fordert Kanzler-Hilfe

Verhandlungen scheiterten in der Nacht auf Freitag, das dürfte das Aus für Lauda in Wien samt 500 Mitarbeitern bedeuten. Der Konzern sucht nun Hilfe bei Kanzler Kurz.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag sind die Kollektivvertragsverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Vida und der Billigfluglinie Laudamotion gescheitert. Nach Marathon-Gesprächen von etwa 15 Stunden scheiterten die Gespräche gegen ein Uhr morgens - mit dem Ergebnis, dass die Gewerkschaft den von Unternehmen und Wirtschaftskammer vorgeschlagenen Kollektivvertrag weiter ablehnt.

Laudamotion habe zwar nachgebessert, die Gehälter für Vollzeitmitarbeiter dabei aber "nie über die Armutsschwelle von 1.300 Euro netto angehoben", sagt der Vida-Vorsitzende Roman Hebenstreit. Passagen des vorliegenden Vertrages seien nach wie vor "arbeitsrechtswidrig" gewesen, die Nachbesserungen nur im "kosmetischen Bereich" geblieben.

Zudem habe Laudamotion für eine Einigung die Bedingung gestellt, dass der Betriebsrat zurücktreten müsse. "Das ist so, als würde ich sagen, ich zahle meine Steuern nur, wenn der Finanzminister zurücktritt", so Hebenstreit. Trotzdem bleibe man bei der Gewerkschaft verhandlungsbereit: "Unsere Hände bleiben ausgestreckt". 

Hunderte Mitarbeiter verlieren ihren Job

Die Unternehmensseite spricht davon, dass man die garantierte Jahresauszahlungssumme für Einstiegsgehälter der Flugbegleiter zuletzt um mehr als 30 Prozent erhöht habe und "die große Mehrheit der Belegschaft den neuen KV auch ohne Nachbesserung angenommen hätte".

Sollte der irische Mutterkonzern RyanAir die mehrfach angekündigte Drohung nun wahrmachen, wird die Wien-Niederlassung von Laudamotion damit noch am Freitag geschlossen. Rund 500 Mitarbeiter dürften somit ihren Job verlieren, knapp 400 wurden bereits vorsorglich beim AMS angemeldet. RyanAir hat zudem angekündigt, die Lauda-Flüge am Standort Wien künftig selbst zu übernehmen.

Konzern fordert Eingreifen des Kanzlers

Laudamotion sieht in den gescheiterten KV-Verhandlungen einen "Skandal" der Gewerkschaft Vida und ruft nach einem Machtwort von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). "Lauda ruft Kanzler Kurz auf, in diesen vida-Skandal einzugreifen", hieß es am Freitag in einer englischsprachigen Aussendung. Bei der Schließung der Lauda-Basis in Wien ist das letzte Wort offenbar noch nicht gesprochen.

"Kanzler Kurz kann diese gut bezahlten Jobs in Wien noch retten, in dem er den unehrlichen Vida-Vorsitzenden Daniel Liebhart auffordert den Lauda-KV zu unterschreiben oder zurückzutreten", heißt es in der Pressemitteilung. vida-Chefverhandler Liebhart habe "illegalerweise" Mitarbeitern von AUA und Level erlaubt, an den Verhandlungen teilzunehmen.

Bei KV-Verhandlungen nehmen üblicherweise Funktionäre und Vertreter der betroffenen Branche teil. In der Luftfahrt gibt es - sehr zum Ärger der Gewerkschaft - aber keinen gemeinsamen Branchenkollektivvertrag.

Laudamotion habe bei dem nächtlichen Verhandlungsmarathon eine "Serie an dramatischen Last-Minute-Zugeständnissen gemacht und restriktive Klauseln entfernt", betonte die Billigfluglinie ihre Verhandlungsbereitschaft. Den Flugbegleitern hätte man ein Mindesteinkommen von 19.200 Euro brutto pro Jahr garantiert.

Laudamotion hat mehrmals angekündigt, die Basis in Wien per 29. Mai zu schließen. Daran soll sich nun auch nichts mehr ändern, die Schließung sei heute "fällig", wie es in der Aussendung heißt. "Die Basis wird heute im Laufe des Tages geschlossen", noch sei eine Unterschrift aber möglich, sagte die Lauda-Sprecherin am Freitag.

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