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Wirtschaft
06/04/2020

Laudamotion: Sozialpartner einig, jetzt muss Belegschaft abstimmen

Fliegendes Personal soll mehr Geld bekommen. Ryanair kritisiert die Sozialpartner und will die Bord-Crews abstimmen lassen.

von Josef Siffert, Andrea Hodoschek

Beim Kollektivvertrag (KV) für die Ryanair-Tochter Laudamotion ist zwischen den  Sozialpartnern nach einem harten zehnstündigen Verhandlungsmarathon eine Einigung für die 500 in Wien stationierten Laudamotion-Beschäftigten erzielt worden.

"Nach langwierigen und schwierigen Verhandlungen und den wiederholten Versuchen der WKÖ, einen Kompromiss herbeizuführen, konnte Mittwochnacht nun eine Lösung für den Kollektivvertrag der Fluglinie erzielt werden", hieß es in einer Aussendung der Wirtschaftskammer.

Die Zustimmung des Airline-Managements und seiner Konzernmutter ist allerdings noch ausständig: "Jetzt liegt es an Laudamotion und Ryanair den KV-Abschluss der österreichischen Sozialpartner zu akzeptieren und damit die Arbeitsplätze seiner Beschäftigten und den Standort am Flughafen Wien zu retten", so Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft vida.

Eine für Donnerstag vormittag angesetzte Pressekonferenz der Ryanair wurde abgesagt und auf nächste Woche verschoben. Kein gutes Zeichen, befürchten die Experten des Luftfahrtportals austrianaviationnet.

Kritik an Sozialpartnern

Die irische Ryanair war im nächtlichen Finale der Verhandlungen zwischen Wirtschaftskammer (WKÖ) und Gewerkschaft vida nicht mehr am dabei. Am Donnerstag morgen überraschte die Laudamotion-Geschäftsführung mit der Mitteilung, die Sozialpartner hätten keinen neuen Kollektivvertrag unterschrieben, sondern nur ein Blatt Papier, das unklar sei und nicht mit Laudamotion oder den Mitarbeitern der Basis Wien abgestimmt sei.

Die Geschäftsführer Andreas  Gruber und David O'Brien kritisieren am Donnerstag  in einem Schreiben an die Mitarbeiter, Piloten und Flugbegleiter seien sehr unsanft aus den Verhandlungen ausgeschlossen worden und hätten den gesamten Abend in einem gesonderten Raum verbringen müssen. Weder das Management noch Crew-Vertreter seien beim Meeting präsent gewesen.

Abstimmung am Wochenende

Am Donnerstag stimmte  das Unternehmen dann auch dem letzten offenen Punkt zu, den Auszahlungsmodalitäten für das Mindestgehalt der Flugbegleiter. Die Gewerkschaft wollte eine monatliche Auszahlung, Laudamotion wollte erst am Jahresende den Rest nachzahlen, sollte das Mindestgehalt unterschritten worden sein.Jetzt werde, so Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber, die Grundvergütung monatlich bezahlt.

Am Wochenende sollen die Piloten und Flugbegleiter abstimmen.Vorausgesetzt, Gewerkschaft und Sozialpartner unterschreiben noch im Lauf des Donnerstag den adaptieren, neuen KV.  Die Kapitäne sollen, so das Verhandlungsergebnis der Sozialpartner, auf 300 Euro monatlich zugunsten einer Gehaltserhöhung der Co-Piloten verzichten.

Alles wie immer begleitet von der Drohung, die Basis Wien zuzusperren.

Im Detail

Mit 1.440 Euro 14 Mal pro Jahr steigt das monatlich garantierte Bruttoeinkommen für Flugbegleiter um 44 Prozent im Vergleich zum Erstangebot (1.000 Euro brutto).

Für Copiloten konnte außerdem im Vergleich zum Erstangebot (1.700 Euro brutto) eine Steigerung von 18 Prozent auf 2.000 Euro monatlich garantiertes Bruttoeinkommen erzielt werden. 

Auch wurde die vida-Forderung, sämtliche von Laudamotion und Ryanair vorgeschlagenen rechtswidrigen KV-Vertragsklauseln vollständig zu streichen, seitens der Wirtschaftskammer akzeptiert. Der Krisen-KV wurde zwischen den Sozialpartnern bis 2023 abgeschlossen.

Die Corona-Krise und ihre Auswirkungen trifft die gesamte Luftfahrtbranche und ihre Beschäftigten besonders hart, da sich laut aktuellen Prognosen das Luftverkehrsaufkommen in den kommenden Jahren nur langsam erholen soll: "Wenn wir nicht wollen, dass in ein paar Monaten jeder von uns jemand kennt, der aufgrund der Corona-Krise von seinem Einkommen nicht leben kann, dann braucht es jetzt dringend einen Kraftakt der Regierung. In der Luftfahrt braucht es neben einem Branchenkollektivvertrag unter anderem Mindesttickettarife, da ansonsten der Preiskampf zu Lasten der Beschäftigten ausgetragen wird“, fordert vida-Vorsitzender Hebenstreit.

Gewerkschaft: Vernunft muss siegen

"Die Gewerkschaft vida erwartet sich, dass endlich die Vernunft über die Ryanair-Ultimaten siegt", sagte Daniel Liebhart, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Luftfahrt im Vorfeld der Verhandlungen. 

Eine Zustimmung zu den garantierten 1.000 Euro brutto im Monat bei den Verhandlungen würde "in anderen Branchen bei den Arbeitgeberforderungen eine fatale Sogwirkung nach unten auslösen", warnte vida. "Wir wollen nicht, dass die WKÖ damit ein Exempel für einen neuen Leitkollektivvertrag für eine nach unten offene Dumpingspirale statuieren kann. Davon wären mittelfristig dann tausende Beschäftigte in Österreich betroffen. So etwas kann und wird eine Gewerkschaft nicht akzeptieren."