Auftakt der Frühjahrslohnrunde von Warnstreiks überschattet
Die Herbstlohnrunde aus dem Vorjahr ist zwar noch nicht abgeschlossen - in der IT-Branche hakt es noch - doch schon am Donnerstag startet offiziell die Frühjahrslohnrunde mit den 60.000 Beschäftigten der Elektro- und Elektronindustrie. In den nächsten Wochen folgen die Textil-, Papier- und chemische Industrie. Insgesamt geht es um die Gehälter von rund 130.000 Beschäftigten.
Warnstreiks in der IT-Branche
In der IT-Branche ist die Lage festgefahren. Nach sechs Verhandlungsrunden um einen neuen Kollektivvertrag (KV) für die 90.000 Beschäftigten erhöht die Angestelltengewerkschaft GPA nun den Druck auf die Arbeitgeber. Heute, Dienstag, fanden in ausgewählten Betrieben erste Warnstreiks statt.
Für morgen, Mittwoch, ruft die GPA zu einer Kundgebung vor dem Erste-Campus beim Wiener Hauptbahnhof auf. Die Arbeitnehmer fordern eine Erhöhung der Mindest- und Ist-Gehälter um 3,5 Prozent, für die Mindestgehälter boten die Arbeitgeber laut GPA zuletzt ein Gehaltsplus von 2,5 Prozent. Am 10. März wird weiterverhandelt.
"Es geht um Wertschätzung"
Was die Frühjahrslohnrunde anbelangt, fordern die beiden Gewerkschaften Pro-Ge und GPA ein Verhandeln "auf Augenhöhe" und schließen Null-Lohn-Runden kategorisch aus. "Es geht um Wertschätzung", so deren Spitzenvertreter. Sie fordern KV-Verhandlungen "auf Augenhöhe".
"Der Fokus bei den Kollektivvertragsverhandlungen liegt beim Geld. Es geht vor allem um dauerhafte Lohn- und Gehaltserhöhungen. Denn die Inflationsbelastung geht zwar zurück, aber nach wie vor ist die Stärkung der Kaufkraft wichtig - vor allem für niedrige Einkommen, die besonders stark unter der hohen Teuerung der letzten Jahre leiden", sagten Pro-Ge-Bundesvorsitzender Reinhold Binder und GPA-Bundesgeschäftsführer Mario Ferrari im Gespräch mit der APA.
Sie verweisen auf den Wirtschaftsaufschwung, der zu mehr Investitionen und Kapazitätsausbau führen werde. "Es geht aufwärts. Das bestätigen die Zahlen. Sie sind spürbar besser und deutlich erfreulicher als die ständigen Stimmungsumfragen suggerieren", betonten die beiden Spitzengewerkschafter.
Lohnabschlüsse keine Preistreiber
Für Binder ist jedenfalls klar: Die Lohnabschlüsse der vergangenen Jahre waren kein Preistreiber. Er sah kürzlich im Gespräch mit den OÖ Nachrichten unter anderem die "rotzfreche Preistreiberei etwa im Handel" als Inflationsturbo. "Wir werden nie ein Billiglohnland werden. Also muss man mit Qualifikation zu Innovation und Technologievorsprung finden, um höhere Preise zu rechtfertigen", sagte Binder. Allerdings stimme ihn nachdenklich, dass in Österreich die Zahl der Lehrbetriebe und der Lehrstellen sinke.
Die fünf Industriesparten Elektro, Chemie, Papier, Glas und Textil beschäftigen zusammen rund 130.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als 50 Mrd. Euro erwirtschaftet haben. Das sind rund 25 Prozent des Produktionswertes der gesamten heimischen Industrie, mit Ausnahme der Bauindustrie.
Gastro-KV noch offen, Finanz-KV in erster Runde
Noch immer keinen Verhandlungstermin gibt es im Tourismus. Die KV-Gespräche für die Gastronomie hätten eigentlich schon beginnen sollen, allerdings stößt sich die Arbeitgeberseite an dem Tonfall der Arbeitnehmer. Deren Vertreter hatten im Vorfeld der Gespräche auf zahlreiche Skandale in der Gastrobranche in den Bereichen Bezahlung und Steuerabgaben hingewiesen, was die Arbeitgeber als pauschale Verunglimpfung sehen.
Die erste Verhandlungsrunde für die rund 68.000 Angestellten des Finanzsektors ging am 24. Februar nach fünf Stunden ergebnislos zu Ende. Seitens der Arbeitgeber wurde noch kein Angebot vorgelegt.
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