Musk gegen Altman: Mega-Prozess um Seele und Zukunft von OpenAI
Sam Altman und Elon Musk (re.)
Es geht um Macht, viel Geld und riesige Egos. Sie gehören zu den bekanntesten Aushängeschildern der US-Tech-Szene und gelten mittlerweile als die Intimfeinde im Silicon Valley.
Die Rede ist von Tesla- und SpaceX-Boss Elon Musk, dem nach der Forbes-Liste mit einem Vermögen von 778 Milliarden US-Dollar (662 Mrd. Euro) reichsten Menschen der Welt. Und von Sam Altman, dem Chef von OpenAI, dem mit einer Bewertung von rund 850 Mrd. Dollar wertvollsten Start-up der Welt.
Altman selbst hält zwar laut Forbes keine Anteile an dem ChatGPT-Entwickler, kommt aber dennoch auf ein Vermögen von 3,5 Milliarden Dollar und damit auf Platz 1.229 der weltweit Reichsten. Und zwar aufgrund seiner Anteile an Stripe, Reddit oder der US-Kernfusionsfirma Helion.
Am Montag startete in Kalifornien mit der Auswahl der Geschworenen ein viel beachteter Prozess. Schon heute folgen die Eröffnungsplädoyers, Ende Mai will Richterin Yvonne Gonzalez Rogers ihr Urteil fällen. Das US-Techmagazin Wired schrieb von einem „Kampf um die Seele von OpenAI“.
Worum geht es genau?
Musk, 2015 Mitbegründer von OpenAI, will vor Gericht nicht weniger erreichen, als dass Altman und OpenAI-Präsident Greg Brockman entlassen werden. Sie hätten ihn systematisch getäuscht, als sie das Software-Unternehmen mit Unterstützung von Hauptfinancier Microsoft von einer Art Non-Profit-Organisation in ein gewinnorientiertes Unternehmen verwandelten. Musk will das Unternehmen zurück in die Vergangenheit drängen. Der KI-Alltagshelfer ChatGPT soll als frei zugängliche Software der Menschheit dienen, OpenAI dürfe zu keiner „Geldmaschine“ werden.
„Du hast ein gemeinnütziges Unternehmen gestohlen“, wirft Musk Altman vor, nennt ihn einen „Schwindler“ und fordert Schadenersatz zwischen 130 und 150 Milliarden Dollar.
Altman kontert, er habe ein Projekt, dass Musk „zum Sterben zurückgelassen“ hat, zur größten KI-Firma der Welt gemacht. Musk habe bei OpenAI die operative Führung übernehmen wollen und habe, als ihm das nicht gelang, 2018 im Streit den Verwaltungsrat verlassen. Und überhaupt wolle der Tesla-Boss doch nur dem eigenen KI-Unternehmen „xAI“ einen Konkurrenten vom Hals schaffen. Musk sei bestimmt von seiner Unsicherheit, ätzt Altman und meint: „Ich denke nicht, dass er ein glücklicher Mensch ist.“
Promis vor Gericht
Beim Prozess aussagen sollen Altman, Brockman, Musk sowie weitere Promis wie Microsoft-Chef Satya Nadella. Der Prozess gilt als Präzedenzfall für die Tech-Branche und welche Rechte frühere Geldgeber bei Start-ups haben.
Aber schon vor dem Urteilsspruch wird dem Verfahren viel Bedeutung zugemessen, weil OpenAI in der zweiten Jahreshälfte an die Börse will. Altman strebt dafür eine Bewertung von einer Billion Dollar an. Open AI wäre damit hinter Musks SpaceX, das heuer ebenso an die Börse will und eine Bewertung von 1,75 Billionen Dollar anpeilt, der zweitgrößte Börsengang. Weit dahinter folgt die KI-Firma Anthropic mit ihren Börsenplänen. Der Claude-Entwickler kommt auf 380 Milliarden Dollar.
Eine Parallele: Auch Anthropic-Chef Dario Amodei, der früher bei OpenAI werkte, und Sam Altman sind nicht gut aufeinander zu sprechen. Und: Allen drei Unternehmen – SpaceX, OpenAI und Anthropic – ist gemein, dass sie gigantische Versprechen über die Zukunft von Rechenzentren im Weltraum bzw. dem Siegeszug der Künstlichen Intelligenz abgeben, aber noch keinen Gewinn schreiben.
Kommentare