Zukunftsforscher Franz Kühmayer: "Stabilität ist eine Illusion"

Zwei Personen im Anzug sitzen an einem Tisch mit Papieren und Wasser und führen ein Gespräch.
Warum bisher aufgebautes Wissen und Fähigkeiten in der Arbeitswelt nahezu wertlos werden.

„In Zukunft werden wir dafür bezahlt, zu lernen, nicht um Aufgaben abzuarbeiten“, sagte Zukunftsforscher Franz Kühmayer am vergangenen Dienstag. Er präsentierte gemeinsam mit Victoria Schmied, Initiatorin des HR Inside Summits, die Ergebnisse des aktuellen „HR Inside Trendreports“.

Seine erste Einschätzung: Veränderung wird Teil des Arbeitsalltags. „Stabilität ist eine Illusion, und das bisher aufgebaute Wissen wird erodieren“, erklärt der Forscher. Fähigkeiten, die früher vier bis sechs Jahre gültig waren, würden sich heute bereits innerhalb von zwölf bis achtzehn Monaten verändern. Dabei bezieht er sich auf Prognosen des World Economic Forums. Bis 2030 würden demnach rund 39 Prozent der aktuellen Kompetenzen obsolet oder grundlegend transformiert sein. Was das für die Arbeitswelt bedeutet, wird im Trendreport genauer erläutert.

Die Zukunft der Arbeitswelt: Ständiges (Mit-)Lernen

„Die Gewinner dieser permanenten Transformation sind jene Unternehmen, die am schnellsten lernen“, sagt Kühmayer. „Es zählt immer weniger: Wer hat das größere Budget? Wer hat mehr Spezialisten? Sondern: Wer kann besser lernen?“ Dafür müsse unter anderem Human Resources (HR) den Rahmen vorgeben. „Die Aufgabe der HR ist es, dafür zu sorgen, dass Lernen automatisch vorangeht und die Menge zumutbar sowie verdaubar bleibt – obwohl die Geschwindigkeit der Veränderung stetig steigt“, erklärt Kühmayer.

„Die Zukunft von Arbeit wird daran gemessen, wie mutig wir Transformation gestalten und wie lernfähig Organisationen sind“, ergänzt Victoria Schmied. Die Führung würde sich entsprechend anpassen. Zum einen muss sie laut den Experten mehr denn je Orientierung und Struktur vorgeben, zum anderen aber auch Kontrolle dort abgeben, „wo Expertise liegt“. Es braucht also ein Umdenken in der Arbeitsverteilung. Kühmayer spricht von einem „Übergang von klassischen Jobprofilen hin zu kompetenzbasierten Modellen“. Mitarbeitende werden flexibel dort eingesetzt, wo sie strategisch gebraucht werden.

Was künftig eine besonders große Rolle spielen wird

Bei all diesen Veränderungen dürfen Firmen laut Franz Kühmayer eines nicht aus den Augen lassen: „Werte sind Anker“, sagt er. Sie stiften Orientierung und schaffen psychologische Sicherheit, was in Zeiten der Unsicherheit einige Vorteile bringt. Laut dem Trendreport reagieren Teams mit einem hohen Zugehörigkeitsgefühl und Vertrauen etwa schneller auf Veränderungen. Außerdem verfügen sie über eine höhere kollektive Problemlösungsfähigkeit.

So lassen sich die jüngeren Generationen gezielt ansprechen. Insbesondere Angehörige der Generationen Z und Alpha wählen ihre Arbeitgeber laut dem Report nach der eigenen Werteorientierung aus. Fast die Hälfte (48 Prozent) würde ein Jobangebot ablehnen, wenn die sozialen und ökologischen Werte eines Unternehmens nicht mit den eigenen übereinstimmen.

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