Wenn die KI zum Wirtschaftsprüfer wird
Künstliche Intelligenz kann Wahnvorstellungen verstärken.
Künstliche Intelligenz wird nun auch Wirtschaftsprüfer. Das Beratungsunternehmen EY setzt aktuell auf KI-gestützte Prüfungssysteme. „Die Technologie verändert die Abschlussprüfung fundamental“, heißt es von EY. Dabei soll es jedoch nicht um den Ersatz von Prüfern gehen, sondern um eine Verschiebung ihrer Rolle. Was das konkret bedeutet, erklärt Stefan Uher, Leiter der Wirtschaftsprüfung bei EY Österreich.
KURIER: EY setzt nun auf Künstliche Intelligenz – wo genau wird sie eingesetzt?
Stefan Uher: Die Wirtschaftsprüfung ist ein komplexer, langfristiger Prozess. Künstliche Intelligenz wird uns künftig stark dabei unterstützen, diesen Prozess stringenter, schlüssiger und effektiver zu durchlaufen. Wir gehen davon aus, dass damit nicht nur die Prüfungseffizienz, sondern auch die Qualität steigen wird. Man wird dadurch Erkenntnisse bekommen, die man davor nicht hatte – etwa zu eventuellen Auffälligkeiten.
Wie sieht das in der Praxis konkret aus – und welche Aufgaben bleiben weiterhin beim Menschen?
Die Prüfungsteams werden zwar stark von der KI unterstützt, aber die Einschätzung und Entscheidung bleibt immer bei den Menschen. Die KI gibt nur Vorschläge. Es soll dazu führen, dass sich unsere Prüfungsteams noch stärker auf wesentlichere Dinge konzentrieren können, weil sie von den Routinetätigkeiten freigespielt sind. Man kann sich also in zusätzliche Bereiche vorantasten, die man zuvor nicht so genau unter die Lupe genommen hat.
Es sollen – wie Sie sagen – also keine Jobs bzw. Kollegen obsolet werden.
Davon gehen wir aus. Wir haben natürlich keine Glaskugel, um die Zukunft vorherzusehen. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass es nicht zur Reduktion von Mitarbeiterzahlen führen wird. Aber es werden sich neue, geänderte Aufgaben ergeben. Man muss den Prozess überwachen und im Griff halten. Die Qualitätssicherung ist hier eine wichtige Aufgabe.
Was heißt das für Mitarbeiter – welche Fähigkeiten werden nun gefragt?
Alle unsere Mitarbeiter haben Schulungsprogramme durchgemacht, um sie auf die neuen Werkzeuge vorzubereiten. Aber: Offenheit für Veränderungen, Affinität zu digitalen Tools sowie die Bereitschaft, sich laufend weiterzuentwickeln und nicht veränderungsresistent zu sein, werden bei neuen Talenten zentral sein.
Machen solche Tools den Job attraktiver?
Dem Beruf des Wirtschaftsprüfers haftet ein wenig das Image an, dass man wahnsinnig viel arbeiten muss und gerade am Anfang viele eher stupide Tätigkeiten erledigt. Das macht den Beruf nicht unbedingt besonders attraktiv. Ich denke aber, dass die neuen Möglichkeiten den Prüferberuf deutlich spannender und interessanter machen werden.
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