Vöslauer-Chef über teures Pfand und nervige Verschlüsse
Seit Februar 2024 leitet Herbert Schlossnikl Vöslauer. Der studierte Lebensmittel- und Biotechnologe ist seit 2000 im Betrieb.
KURIER: Ihre Quelle sprudelt in Bad Vöslau. Eine Standortdiskussion ist für Sie faktisch ausgeschlossen. Ein Vor- oder Nachteil?
Herbert Schlossnikl: Es ist für uns natürlich nicht anders vorstellbar als an der Quelle zu bleiben. Das hat sicher beides – Vor- und Nachteile.
Ihre Bilanzen zeigen Beständigkeit. Was behindert aber ein markantes Umsatzplus?
Wir haben einen Marktanteil von 40 Prozent und sind Marktführer in Österreich, auch im Near-Water-Bereich sind wir Marktführer. Das schafft eine stabile Situation. Der Umsatz geht aus zwei Faktoren nicht nach oben: im vergangenen Jahr wegen des Pfands und weil Deutschland als Turbo erst jetzt zündet.
Sie sagen es selbst: Das Pfand ist ein Umsatzdämpfer. Wie viel hat es gekostet?
Wir haben in der gesamten Branche minus zwölf Prozent bei Mineralwasser. Das ist sehr viel. Vöslauer konnte das mit der Exportquote von 23 Prozent nach Deutschland etwas abfangen.
Wie können Sie den Umsatzrückgang so klar auf das Einwegpfand zurückführen? Vielleicht sparen die Menschen einfach nur.
Das spielt mit, da haben Sie recht. Das Pfand hat aber einen bedeutenden Beitrag dazu geleistet. Es gibt eine Kaufzurückhaltung und es hilft auch nichts, wenn die Politik ständig über Lebensmittelpreise spricht und der Meinung ist, dass Industrie und Handel so viel verdienen. Auch die Wassersprudler zu Hause sind eine Konkurrenz. Das ist alles in allem nicht zuträglich. Aber ich bleibe dabei: 75 Prozent des Rückgangs kommt aus der Einwegpfandthematik. Wir sehen aber jetzt, dass es einen Gewöhnungseffekt gibt und wieder mehr gekauft wird.
Es dauert ein Jahr, um sich an ein Pfand zu gewöhnen?
Ja, das ist auch nicht ungewöhnlich. Das Einführungsjahr bringt ein Minus, die Folgejahre wieder Plus.
Wirkt das Einwegpfand positiv auf die Glasflaschen, weil man ohnehin jetzt alles zurückbringen muss?
Diesen Effekt gibt es. Wir merken mehr Umsatz bei Mehrweg-PET und Glas.
Wasserland Österreich: Wie schwierig ist der Markt?
Wir kennen die Situation nicht anders. Die gute Wasserqualität in Österreich zeigt sich generell am niedrigen Pro-Kopf-Verbrauch von Mineralwasser. Der ist ein Drittel weniger als in Deutschland. (Anm.: dort ca. 120 Liter/Jahr)
Herbert Schlossnikl, Geschäftsführer von Vöslauer.
Sie investieren in den Standort: 15 Millionen Euro für eine neue Anlage zur Desinfektion und weitere vier Millionen für den Umbau.
Die brauchen wir, um Produkte mit Geschmack aber ohne Kohlensäure zu produzieren. Wir verzichten auf Konservierungsmittel, wollen das Sortiment auf stille Produkte mit Geschmack ausdehnen. Das ist auch wichtig für den deutschen Markt.
Deutschland als Wachstumsmarkt: Das hört man seit ein paar Jahren. Ist es schwierig, dort zu reüssieren?
Die Schwierigkeit ist die Größe und der Handel dort. Die Marke Vöslauer ist in Österreich gut aufgebaut. Diese Bekanntheit haben wir in Deutschland aber noch nicht.
Was mögen die Deutschen an Vöslauer-Wasser?
Es spielt die Assoziation „Urlaub-Österreich“ mit. Wir haben mehr Lifestyle, sind kreativer, kreieren schneller. Und wir haben wenig Eigengeschmack, das schmeckt.
70 Prozent des Vöslauer-Exports gehen nach Deutschland. Ihr Marktanteil dort?
Der ist noch kein Prozent. Gerolsteiner ist Platzhirsch, aber generell ist der Markt stark fragmentiert. Es gibt viel regionale Brunnenbetriebe.
Sind andere Länder für Sie auch spannend?
Ungarn läuft schon lange mit stabilem Geschäft, wir sind auch in Tschechien, Slowenien, Norditalien.
Sie bleiben offensichtlich im Radius um Österreich.
Das ist bei uns so definiert. Wir expandieren rund um Österreich, nicht weiter.
- Das Unternehmen: Seit 1822 gibt es die Badeanstalt in Bad Vöslau, 1936 gründete die damalige Zentralsparkasse die Mineralwasserabfüllung.
- Vöslauer gehört heute zur Ottakringer Getränke AG. Umsatz: 124 Mio. Euro, Gewinn: 11 Mio. Euro. Mitarbeiter: 200.
- Der Geschäftsführer: Herbert Schlossnikl ist seit 2000 bei Vöslauer (als technischer Geschäftsführer), seit Februar 2024 ist er alleiniger Geschäftsführer.
Wasser aus Fidschi oder Norwegen lehnen Sie also ab?
Das ist skurril. Wir sagen, man muss Wasser nicht um die Welt karren. Wir haben eine Nachhaltigkeitsagenda, da ist das verankert. Und viele andere Nachhaltigkeitswerte, nach denen wir wirtschaften.
Zum Wasser mit Geschmack: Ist der Near-Water-Trend nicht schon wieder out?
Der Trend ist nicht vorbei, aber man muss differenzieren. Es gibt Produkte unter 20 Kalorien mit Fruchtsaftanteil – die sind rückläufig. Aber der Markt ohne Kalorien, nur mit Aromen, der ist steigend.
Muss man auf diesem Sektor wirklich jedes Jahr etwas Neues bringen?
Der Konsument möchte die Abwechslung, wir würden gerne die Range erweitern, weil wir aber im Regal begrenzten Platz haben, müssen wir uns von Geschmäckern trennen. Die Renner bleiben aber Zitrone, Orange, Himbeere, Johannisbeere.
Merken Sie, dass Junge weniger Alkohol trinken und gesundheitsbewusster sind?
Ja, wir merken’s, aber wir haben aktuell überlagernde Faktoren, durch die es in Summe nicht durchschlägt.
Stichwort „Angebundene Verschlüsse“. Wir haben seit einiger Zeit die Kappe beim Trinken an der Nase stecken.
Ja. Das wird so bleiben. Die EU hat uns das vorgegeben. Es ist ein Ärgernis, mit dem wir leben müssen. Wir haben versucht, das Beste daraus zu machen und im Zuge der Umstellung 450 Tonnen Material pro Jahr eingespart.
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