Warum die Lehrlingsausbildung für Betriebe eine Herausforderung ist

Ein Koch richtet konzentriert mit einer Kelle Gemüse aus einer Pfanne auf einem Teller an.
Lehre in Österreich: Warum Unterrichtszeit auch Arbeitszeit ist und was das für Betriebe bedeutet.

Die duale Ausbildung in Österreich ist international bekannt. Das Besondere an ihr ist die Kombination aus Praxis und Theorie. Die Ausbildung findet nämlich an zwei Lernorten statt: Betrieb und Berufsschule. „Der Lehrling steht in einem Ausbildungsverhältnis mit seinem Lehrbetrieb und ist gleichzeitig Schüler einer Berufsschule“, heißt es in der Ausbildungsmappe für Lehrbetriebe der Wirtschaftskammer (WKO).

Wer die Lehre mit einer Lehrabschlussprüfung (LAP) absolviert, hat eine „qualifizierte und vollständige Berufsausbildung erworben“, was die duale Ausbildung laut der WKO zu einem essenziellen Bestandteil der Fachkräftesicherung in Unternehmen macht. In Zeiten des Fachkräftemangels also wichtiger denn je – aber was müssen Lehrbetriebe bedenken?

Was Betriebe bei der Lehrlingsausbildung beachten müssen

Seitens der Lehrlinge gibt es klare Pflichten, etwa dass der Besuch der Berufsschule verpflichtend ist. Die Unterrichtszeit ist auf die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit anzurechnen. Einfach ausgedrückt: Unterrichtszeit ist Arbeitszeit.

Lehrlinge verbringen in der Regel 80 Prozent ihrer Lehrzeit im Lehrbetrieb, 20 Prozent in der Berufsschule. Wie das geregelt ist, hängt unter anderem von der Berufsschule ab. Es wird zwischen ganzjährig, lehrgangsmäßig und saisonal geführten Schulen unterschieden. Je nach Organisation reicht die Unterrichtszeit von ein- bis zweimal pro Woche oder bis zu zwölf Wochen am Stück. Lehrbetriebe müssen ihre Lehrlinge für die Berufsschule freistellen, das Lehrlingseinkommen wird in dieser Zeit weiter gezahlt.

Wie genau Lehrlinge im Betrieb eingesetzt werden dürfen, ist komplex: Figlmüller darf seine Lehrlinge beispielsweise nur 18 Sonntage pro Jahr arbeiten lassen. „In den ersten acht Wochen der Lehre darf man Lehrlinge am Wochenende gar nicht einteilen“, sagt Figlmüller-Geschäftsführer Harald Prochazka. Die ersten drei Monate der Lehrzeit gelten laut Berufsausbildungsgesetz (BAG) als Probezeit. „Drei Monate klingen zwar lange, sind aber notwendig, um zu sehen, ob ein junger Mensch diesen Weg gehen kann und will“, sagt Prochazka.

Das Problem: Es komme vor, dass Lehrlinge genau in diesen ersten drei Monaten in die Berufsschule gehen müssen. „Dann fehlen schon einmal fünf Wochen, um den Lehrling kennenzulernen, und aus drei Monaten werden ein Monat und drei Wochen, wo vielleicht noch eine Abwesenheit durch Krankheit dazukommt. Daher betrachten wir diese Zeit als wirklich kurz“, sagt der Gastronom.

Welche Lehrberufe beliebt sind und wie viel man verdient

In Österreich stehen über 200 Lehrberufe zur Auswahl. Lehrlinge in der Gastronomie bewegen sich in der Sparte Tourismus- und Freizeitwirtschaft. Darunter fallen etwa Restaurantfachmann, Gastronomiefachfrau und Köchin. Österreichweit gibt es in der Tourismus-Sparte 7.471 Lehrlinge, wie die WKO-Lehrlingsstatistik vom Dezember 2025 zeigt. In Wien sind es 1.457 Lehrlinge.

Wie beliebt der Lehrberuf ist? Der Kochberuf zählt zu den zehn häufigsten Lehrberufen. In Wien liegt er bei Mädchen auf Platz acht, bei Burschen sogar auf Platz sechs. Auch der Beruf Hotel- und Gastgewerbeassistentin ist gefragt und belegt bei Mädchen in Wien den siebenten Platz. Restaurantfachmann bzw. -frau ist in Wien nicht unter den Top-10.

Das Lehrlingseinkommen liegt gemäß dem Kollektivvertrag für Hotel- und Gastgewerbe im ersten Lehrjahr bei 1.050 Euro brutto und im vierten Lehrjahr bei 1.500 Euro brutto pro Monat.

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