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Trennen, ohne Scheidung: Da geht es um viel Geld

Getrennt leben, aber offiziell verheiratet bleiben: Für manche Paare ist das emotional und finanziell sinnvoll. Doch das Modell birgt auch Risiken.
Zwei Strichfiguren ziehen an einem eingerissenen Haus mit orangefarbener Mitte.

Wer die Scheidung einreicht, macht einen bewussten Schritt. Setzt ein Zeichen, auch nach außen. „Manchmal gibt es keine Rettung mehr und man macht einen Punkt. Damit geht auch eine Klarheit einher“, sagt Psychologin Martina Rammer-Gmeiner.

Im Vorjahr zogen 14.895 Paare in Österreich diesen offiziellen Schlussstrich. Sie scheinen in der Scheidungsstatistik 2025 auf. Doch nicht jede Trennung endet auch gleich vor Gericht. Manche Paare wählen einen anderen Weg: Die Trennung ohne Scheidung. Ein Partner zieht aus, beide führen fortan ihr eigenes Leben – rechtlich bleibt die Ehe bestehen, faktisch ist man aber getrennt.

„Der Trend kommt aus der Zeit, in der wir sind“, sagt Rammer-Gmeiner. „Wir sind eine Gesellschaft, die sich gerne eine Hintertür offenlässt. Man will sich nicht festlegen.“ Eine Trennung ohne Scheidung komme da gelegen. „Es ist ein Tod auf Raten, Scheidung light sozusagen“, so die Expertin. Aber auch wirtschaftliche Gründe spielen oft eine zentrale Rolle, wenn dieses „Modell“ gewählt wird. Denn eine Scheidung bedeutet auch: Aufteilung des Vermögens, des Heimes, Klärung der Unterhaltspflichten und der Obsorge für die Kinder. Damit kommen die Beteiligten oft nicht nur seelisch, sondern auch finanziell an ihre Grenzen.

Schuldenfalle: Scheidung

Laut Scheidungsanwältin Christine Kolbitsch könne man bei der sogenannten „einvernehmlichen Trennung“ noch nicht von einem Trend reden. Aber sie merkt, dass sich die Fälle häufen. Warum man sich für die Trennung ohne Scheidung entscheidet? Es sei wirtschaftlich einfacher, gleichzeitig fühle man sich weiterhin abgesichert. Die Ehe lässt viele finanziell besser dastehen, weil sich Ausgaben zu zweit besser stemmen lassen. Genau das sei dann auch eine der größten Herausforderungen nach einer Trennung, erklärt wiederum Gudrun Steinmann, Finanzexpertin im Fonds Soziales Wien. „Wir erleben oft, dass Betroffene sagen: Alleine kann ich mir die Wohnung nicht leisten. Ich habe in der Beratung Männer, die mit 50 Jahren zurück zu den Eltern ins Kinderzimmer ziehen. Das macht was mit einem.“

In manchen Fällen kann eine Trennung finanziell so tief einschneiden, dass sie sogar zur Verschuldung führt – häufiger, als man vermuten würde. „Wir fragen immer nach der Ursache der Verschuldung. Am häufigsten sind Arbeitslosigkeit und der Verlust des Arbeitsplatzes die Gründe. Großes Thema ist aber auch die Scheidung“, erklärt Finanzexpertin Steinmann. Jede achte Person verschuldet sich deswegen – weil ein Partner quasi wieder von vorne anfängt, für eine neue Wohnung ein Kredit aufgenommen wird oder es gemeinsame Schulden mit dem Partner gab. Beide Seiten spüren zudem: Mit dem neuen „Singleleben“ steigen die Fixkosten beachtlich.

Vor- und Nachteile

Viele negative Scheidungsfaktoren werden also bei der Trennung ohne Scheidung umgangen. Rechtsanwältin Christine Kolbitsch sagt sogar, dass eine Scheidung gegenüber der Ehe nur selten finanzielle Vorteile bringt.

Bleibt man verheiratet, hat man Unterhaltsansprüche, gegenseitige Pensionsansprüche und ein gesetzliches Erbrecht. Es kommt (noch) nicht zur Gütertrennung. Hinzu kommen sozialversicherungsrechtliche Vorteile, wie die Krankenversicherung, denn: „Solange man verheiratet ist, ist man auch mitversichert, so man das braucht“, erklärt Kolbitsch. All das kann gegen eine offizielle Scheidung sprechen.

Aber: Die Trennung ohne Scheidung hat auch Nachteile. „Solange man verheiratet ist, wird das bestehende eheliche Vermögen, etwa Zugewinn, Sparbücher oder eine Eigentumswohnung, nicht aufgeteilt“, sagt Kolbitsch. Heißt: Sitzt einer auf Ersparnissen, besteht erst bei einer Scheidung ein Anspruch auf die Aufteilung des gemeinsamen Vermögens. Das Problem: Sobald ein Partner auszieht, hat der andere keinen Anspruch mehr auf das nach der Trennung hinzuverdiente Vermögen. Aber: „Je länger die Trennung zurückliegt, desto schwieriger ist es festzuhalten, welches Vermögen zum Zeitpunkt der Trennung vorhanden war“, so die Rechtsanwältin. Wenn ein Partner nach der Trennung weiteres Vermögen aufbaut, wird die Vermögensbewertung erst recht schwierig und zum Streitpunkt.

Trotz Trennung (ohne Scheidung) muss man den ehelichen Unterhaltsverpflichtungen weiterhin nachkommen – es fallen in der Regel die eheliche Treuepflicht und die Fürsorgepflicht weg. Man muss etwa gegenüber dem schlechter verdienenden Partner eine Unterhaltspflicht aufrechterhalten – auch wenn er oder sie bereits in einer neuen Beziehung ist. Deswegen rät Kolbitsch zur sogenannten Trennungsvereinbarung. „Damit werden alle finanziellen und weiteren Themen geregelt. Einfach auszuziehen, ohne diese Fragen zu klären, wäre schlecht.“

Drei porträtierte Expertinnen, darunter Martina Rammer-Gmeiner und Christine Kolbitsch, zum Thema Trennung ohne Scheidung.

Ein Dauermodell?

Psychologin Martina Rammer-Gmeiner hinterfragt, wie nachhaltig eine Trennung ohne Scheidung sein kann. „Die Situation kippt oft, wenn ein Partner jemand anderen kennenlernt und die Situation für die dritte Person völlig bizarr wird.“ Ähnliche Erfahrungen hat auch Christine Kolbitsch gemacht. Das Aufschieben der Scheidung hat meist ein Ablaufdatum. „Rechtlich gesehen kann eine Scheidung drei Jahre aufgeschoben werden, wenn die Trennung nicht einvernehmlich ist. Danach muss auch der schuldlose Partner einer Scheidung zustimmen.“ 

Trotzdem bezeichnet sich die Rechtsanwältin als „Fan“ der Trennung ohne Scheidung – zumindest vorerst: „Ich empfehle der einen oder anderen Klientin sogar, sich nicht sofort scheiden zu lassen. Es verbessert sich kaum jemand die Situation durch die Scheidung, zumindest bei langen Ehen.“ Manche Klienten müssten sich zunächst neu orientieren, über den Schock hinwegkommen, sich sammeln, auch eine Wohnung oder einen Job finden – und die Trennung verarbeiten. „Nach einem Jahr sagen auch sie meist, dass sie bereit für eine Scheidung sind.“

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