Steuerexpertin: "Es gibt 3 Fehlertypen, die zu viele Steuern zahlen"

Österreich ist für Jael Loutati ein Steuerparadies – zumindest für jene, die wissen, wie das System funktioniert.
Ein Taschenrechner und eine Brille liegen auf ausgefüllten Steuerformularen vor einem roten Ordner mit der Aufschrift „Steuern“.

„Ich weiß, das sind viele Informationen – aber bitte bleibt dran“, sagt Jael Loutati gleich zu Beginn ihres Club-alpha-Vortrags am Montag. Der Inhalt: Steuern, Steuerrecht und Buchhaltung für Unternehmerinnen. Themen, die viele am liebsten möglichst weit von sich schieben würden.

Dabei braucht es gerade dort mehr Basiswissen, wie Loutati betont. Durch mangelndes Verständnis werden Vorteile übersehen, ist sie sicher. Als sogenannte Steuercoachin sieht sie immer wieder, dass Gründerinnen mit ähnlichen Umsätzen zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Wo die Wissenslücken liegen und wie sie sich auswirken, erklärt sie dem KURIER.

KURIER: Frau Loutati, Sie sagen, dass nicht Leistung, sondern gute Steuer-Kenntnisse darüber entscheiden, wie viel vom eigenen unternehmerischen Erfolg bleibt. Wie viel Grundwissen im Steuerrecht muss man als angehender Gründer mitbringen?

Jael Loutati: Laut Gesetz muss man null Steuerrechtswissen haben. Es gibt auch keine Steuerberaterpflicht. Und genau mit diesem mangelnden Verständnis bin ich in meinem beruflichen Alltag oft konfrontiert. Grundkenntnisse sind aber dringend notwendig. Jeder sollte zumindest in der Lage sein, seine Buchhaltung auf Plausibilität zu prüfen. Wenn man nicht weiß, was Soll und Haben ist und was die Zahlen bedeuten, kann man sie nicht lesen und auch nicht als Steuerungsinstrument nutzen.

Man könnte jetzt sagen: Dafür gibt es Steuerberater.

Das Grundwissen braucht es trotzdem. Man kann Beratern nur die richtigen Fragen stellen, wenn man sich auskennt. Berater wissen oft auch gar nicht, wo sie mit der Beratung anfangen sollen. Viele wollen gründen und können zum Beispiel eine Kapitalgesellschaft nicht von einem Einzelunternehmen unterscheiden. Außerdem: Auch Berater machen Fehler, die man, wenn man sich nicht auskennt, übersieht. Je mehr Wissen man hat, desto geringer ist auch die Angst vor dem Thema. Man gewinnt Selbstsicherheit, Rechtssicherheit und Vertrauen in den Staat.

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Welche Bereiche sollte man sich als Einsteiger konkret anschauen?

Jeder Unternehmer hat ein Gefühl für sein Business. Man weiß, ob es gut oder schlecht läuft. Wenn ich mir die Buchhaltung anschaue, kann ich abgleichen, ob mein Gefühl mit den Zahlen übereinstimmt. Wenn das nicht der Fall ist, muss man sich anschauen, woran das liegt. Ist die Buchhaltung unvollständig, hat sie inhaltliche Fehler? Damit man das Problem an der Ursache bekämpfen kann, muss man das Symptom identifizieren. Deswegen halte ich es für unerlässlich, dass jeder zumindest ein Grundverständnis davon hat, was Umsatzsteuer und Einkommensteuer sind, wie besteuert wird und wie der Gewinn ermittelt wird.

Welche Fehler machen Unternehmer Ihrer Erfahrung nach besonders häufig?

Ich erkenne vier Fehlertypen, die sich über zu hohe Steuern beschweren. Typ eins zahlt keine Steuern, beschwert sich aber trotzdem. Typ zwei wendet eine falsche Gewinnermittlung an. Typ drei arbeitet mit der falschen Rechtsform. Typ vier macht inhaltliche Fehler und verliert beispielsweise Rechnungen.

Sie haben Österreich in Ihrem Vortrag als Steuerparadies bezeichnet – warum?

Ich liebe Steuern und finde, dass es hier ein Umdenken braucht. Die Frage ist, was man für sein Geld bekommt. Was ist die Gegenleistung? In Österreich gibt es strukturelle Vorteile, die aus Steuergeldern finanziert werden: Bildung, soziale Sicherheit, Gesundheit, Verkehr.

Was raten Sie angehenden Unternehmern?

Mein Tipp ist, sich erst beraten zu lassen und dann zu gründen. Niemals andersherum, sonst verliert man viel Geld und viele Möglichkeiten.

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