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In Österreich noch zu modern: Diese App macht nun im Ausland Umsatz

Eine Wiener Scanner-App soll Secondhand-Ware schneller online bringen – und macht bereits in England, Irland und Australien Umsatz.
Interior Of Charity Shop Or Thrift Store Selling Used And Sustainable Clothing And Household Goods

Secondhand-Ware soll einfacher und schneller verkauft werden. Mit dieser Idee baut Gründerin Anna Greil ihr neues Start-up Minimist auf. Entscheidend sei dafür nicht nur eine klare Vision, sondern vor allem ein Team, das diese Vision teilt, sagt sie dem KURIER. Genau das scheint Greil mit Minimist gefunden zu haben. Gegründet wurde das Start-up 2024 von Stephan Hofmann. 2025 kamen Greil und Robert Damian dazu. 

Neben AINOVO und constrct ist Minimist bereits das dritte Investment von WU Ignite Ventures – Beteiligungsgesellschaft. „Was uns besonders freut, ist, dass alles in Rekordzeit über die Bühne gegangen ist: Vom Erstkontakt bis zur Vertragsunterschrift hat es gerade einmal zweieinhalb Wochen gedauert“, sagt Rudolf Dömötör, Direktor des WU Entrepreneurship Centers.

Eine lächelnde Frau mit Brille und dunklem T-Shirt steht vor einer hellen Wand.

KURIER: Minimist ist nicht Ihr erstes Start-up. Sie haben bereits die Kleidertausch-Plattform „Uptraded“ gegründet – wie kam es dazu?

Anna Greil: Durch Zufall. Ich bin in einem kleinen Dorf in Tirol aufgewachsen, und meine Eltern hatten ganz normale Jobs. Mir war das Gründen also nicht in die Wiege gelegt. Ich dachte immer, dass ich Wirtschaft studieren und danach als Buchhalterin arbeiten werde. Während eines Auslandssemesters hatte ein Freund die Idee für Uptraded und wollte mich dabei haben. Dann ist es irgendwie passiert und ist viel größer geworden, als wir anfänglich gedacht haben.

Fünf Jahre waren Sie bei Uptraded dabei – woran ist die Firma letztlich gescheitert?

Ich dachte immer, Start-ups müssen ganz dramatisch scheitern. Das war bei uns anders. Wir haben ziemlich früh erkannt, dass es immer schwieriger wird. Deshalb haben wir mit allen offen kommuniziert, auch mit den Investoren und ihnen einen Teil ihres Investments zurückgezahlt.

Was würden Sie rückblickend anders machen?

Ich glaube, ich hätte damals nicht viel anders machen können. Oft versteht man es erst, wenn man es falsch gemacht hat. Das gehört dazu und ist auch völlig okay. Ich bin froh, dass ich all diese Fehler gemacht habe, weil das jetzt so tief in mir verankert ist, dass ich sie nicht noch einmal machen werde. Rückblickend würde ich aber mehr auf mein Bauchgefühl hören.

Wie schafft man es, nach einem Rückschlag wieder aufzustehen?

Man muss ultraleidenschaftlich und ehrlich mit sich selbst sein. Und man braucht ein Unterstützungsnetzwerk. Wären meine Familie und Freunde nicht da gewesen, hätte ich schon oft aufgegeben. Mir persönlich ist es nicht gut gegangen. Impact-Investor Charly Kleissner hat damals zu mir gesagt, dass ich mir Zeit nehmen und überlegen soll, was ich machen will. Und ich habe gemerkt, dass ich in diesem Bereich bleiben will, dass ich daran glaube. Er hat mich dann mit meinen aktuellen Co-Foundern verbunden.

Und es hat geklickt.

Sie kamen aus dem Tech-Bereich, und ihnen haben die Soft Skills und das Marktverständnis gefehlt. Die Chance, dass so etwas passiert, ist sehr gering. Man fühlt sich als Gründer oft allein. Aber aktuell merke ich, dass wir eine Vision teilen und den Rucksack gemeinsam tragen.

Auch Minimist ist in der Secondhand-Branche tätig – worum geht es genau?

Unser Ziel ist es, Secondhand zur Standardware zu machen. Wir arbeiten mit gemeinnützigen Organisationen zusammen, damit sie viel mehr online stellen können. Mit unserer Scanner-App wird das Hochladen von Waren vereinfacht. Man macht ein Foto vom Produkt und bekommt innerhalb von zehn Sekunden Titel, Beschreibung, Produktdaten, einen Preisvorschlag und weitere Optimierungen, um die Ware möglichst schnell zu verkaufen.

Ihr Sitz ist in Wien, aber Ihre Kunden kommen aus dem englischsprachigen Raum.

Wir wollten in Österreich starten, aber leider ist der Markt noch nicht bereit. Deswegen arbeiten wir in England, Irland und Australien. Dort ist der Zugang ein anderer. Viele Hospize betreiben dort Secondhand-Läden und stellen die Artikel manuell online – manche sogar 70.000 bis 100.000 Artikel im Monat. Langsam merken wir aber ein Umdenken in Österreich – wir haben ein Auge darauf.

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