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Wiens Skateszene ist zurück – und erfindet sich neu

Skateboards feiern in Wien ein Comeback: Neue Shops, junge Labels und Upcycling-Ideen bringen frischen Wind in die Szene.
Skateboarding - Men's Street Final

Man sieht sie wieder: junge Leute in weiten Jeans und übergroßen T-Shirts, das Skateboard unter den Arm geklemmt. Trotz Hitzewelle ziehen sie in die Parks, üben neue Tricks auf den Anlagen oder treffen sich zum Abkühlen in Skateshops, um an ihren Boards zu basteln. Dass sich in der Szene wieder etwas bewegt, merken auch Fabio und Luca Monnerjan. Die Brüder haben den Wiener Traditionsskateshop „Freedom“ in der Zieglergasse 28 übernommen und vor knapp zwei Wochen wiedereröffnet.

„Erst neulich waren einige Teenager bei uns. Einer hat sich ein Board gekauft, dann sind sie eine Stunde dagesessen und haben Grip-Tape zugeschnitten“, erzählt Luca, als der KURIER den Laden besucht. Genau das will das Duo stärker fördern. „Skateshops waren schon immer mehr als ein Verkaufsraum. Man kommt hierher, um sich zu treffen und auszutauschen. Wir wollen wieder zu einem Hotspot der Szene werden“, sagt Fabio. „Wir spüren eine kulturelle Verantwortung“, ergänzt Luca.

Zwei Männer vor dem Freedom-Skateshop, daneben Skateboards und Ladeninneneinrichtung.

Neuer Aufwind in der Skaterszene

Freedom gibt es bereits seit 2006, damals gehörte der Shop noch Markus Ostermann. „Vor einigen Monaten hat er ausgeschrieben, dass er Nachfolger sucht. Wir haben uns einfach gemeldet“, berichten die Brüder. Luca studierte Grafikdesign, Fabio internationales Business. Beide sind leidenschaftliche Skater – und beide wollten etwas Eigenes auf die Beine stellen. Der Schritt in die Szene lag also nahe – ganz ohne Zweifel waren sie dennoch nicht. „Wir haben mit Markus darüber gesprochen, wie viel Geld in dem Geschäft steckt“, erzählt Fabio. Seine Antwort: „Es kommt und geht in Wellen.“ Aktuell gehe es wieder bergauf.

Wer sich in der Skaterszene umhört, bekommt allerdings kein eindeutiges Bild. Hau Yin Fu, Gründer des jungen Labels „Paam, kennt die schwierige Seite des Geschäfts: „Skateboarding ist schon seit Langem ein hartes Business. Im Vergleich zu anderen Branchen war der Markt ehrlich gesagt nie besonders profitabel. Man macht das nicht, wenn man Skaten nicht wirklich liebt.“ Trotzdem bleibt er optimistisch: Neue Labels tauchen auf, treue Fans bleiben, die Community trägt vieles mit. Fu selbst ist erst seit 2024 dabei. „Wir stehen noch ziemlich am Anfang und lernen ständig dazu. Aber in der lokalen Szene werden wir schon gut wahrgenommen und bekommen viel Unterstützung.“

Genau das spürt auch das Freedom-Duo. „Die Community war von Tag eins an mega unterstützend, was uns riesig freut“, berichten die beiden. „Es kommen auch Leute, die vor Ewigkeiten hier ihr erstes Board gekauft haben und nostalgisch davon erzählen“, sagt Luca.

Ein paar Bezirke weiter greift ein weiterer Unternehmer genau diese Skate-Nostalgie auf – dreht sie aber in eine völlig andere Richtung.

Junger Mann mit Mütze und schwarzem T-Shirt in Skate-Branding.

Aus alten Skateboards wird Schmuck

Skateboards, die ausgedient haben, könnten früher oder später in der Schönbrunner Straße 74 im 5. Bezirk landen. Der Künstler und Designer Miguel Castillo arbeitet nämlich mit gebrauchten, kaputten oder weggeworfenen Boards und gibt ihnen ein zweites Leben – etwa als Designerstück, wie Schmuck oder einen Tisch (im Bild unten). Die Idee kam ihm, als er sich in der Skatekultur umschaute und beobachtete, wie viele Boards einfach weggeworfen werden. Geboren war das „SivarCraftsRebels“-Projekt.

„Anstatt diese Boards als Abfall zu betrachten, sehe ich sie als Rohmaterial mit einer eigenen Geschichte. Kratzer, Gebrauchsspuren, Farben, Grafiken und die verschiedenen Holzschichten gehören zur Identität jedes einzelnen Boards“, erzählt er dem KURIER. „Mein Ziel ist es, einen Teil dieser Geschichte zu erhalten und daraus etwas völlig Neues entstehen zu lassen.“ Die Idee kommt gut an – wobei die aktuelle wirtschaftliche Lage die Situation nicht unbedingt leicht macht.

Miguel Castillo präsentiert Schmuck und ein Möbelstück aus alten Skateboards in seinem Wiener Upcycling-Projekt SivarCraftsRebels.

Eine Konsumflaute - oder eher Kauflaune?

„Kunden sind bei ihren Ausgaben vorsichtiger und selektiver geworden – besonders bei Designprodukten“, berichtet Miguel Castillo. „Gleichzeitig sehe ich darin auch eine Chance für Upcycling.“  Menschen würden sich verstärkt für solche Produkte interessieren, „weil sie nicht einfach nur Konsumgegenstände sind, sondern eine Geschichte, einen handwerklichen Prozess und einen anderen Umgang mit Ressourcen verkörpern“.

Auch das Freedom-Duo bekommt die Krisenzeiten etwas zu spüren. Im Geschäft würden sie merken, dass sich die eine oder andere Person über steigende Preise aufregt. Einkaufen würden sie aber trotzdem. Knapp die Hälfte des Umsatzes generieren sie im Onlineshop.  „Das Gute am Skaten ist, dass es finanziell generell nur eine niedrige Einstiegsschwelle gibt“, sagt Luca. Man brauche immerhin nur Schuhe und ein Skateboard.

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