Reich mit Ringana: Für viele bleibt der Traum unerfüllt

120.000 Selbstständige verkaufen im Multi-Level-Netzwerk, sie träumen vom großen Geld. Die Firma macht damit hunderte Millionen.
Eine Person mit blauen Handschuhen hält ein kleines Glasfläschchen an einem Fließband.

Die Konzernzentrale in  St. Johann ist modern und teuer.  70 Millionen Euro hat Ringana in den Standort investiert, man ist stolz, einer der größten Arbeitgeber der Gegend zu sein. Was klein begann, mit Kosmetik, die  auf dem Dachboden des Schwiegervaters hergestellt wurde, ist nach 30 Jahren zum Millionengeschäft geworden. Ein High-Tech-Unternehmen mit 900 Mitarbeitern am Standort, Wachstumsraten von 30 Prozent pro Jahr und einer stark expansiven Strategie  in Europa, nach Amerika und Asien.   

Und das alles quasi ohne eigene Vertriebsmannschaft. 

Denn Ringana ist ein Direktvertrieb. 120.000 vorwiegend weibliche Verkäuferinnen, bei Ringana „Frische-Partnerinnen“ genannt, laufen für die Marke, 40.000 sind derzeit provisionsaktiv. Ihr selbstständiges Einkommen berechnet sich aus eigenen Verkäufen und jenen, die von angeworbenen Partnerinnen unter ihnen erzielt werden. Ein weit verzweigtes Netzwerk. Hausfrauen-Business wie bei Tupperware, hätte man früher gesagt. Heute ist Ringana mit diesem, in der Fachsprache „Multi-Level-Marketing“ genannten Ansatz, eine der erfolgreichsten Gründergeschichten im Land.    

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Alles schön

Wir werden im St. Johanner Headquarter herzlich empfangen. Im noblen Foyer wartet der Kaffee an der Bar, die Mitarbeiterinnen wuseln,  servieren, strahlen. An diesem Tag sind Partnerinnen aus Spanien zu Besuch, beste Laune, Selfies, Smalltalk. Der Standort in St. Johann bzw. Hartberg ist Labor, Produktionsstätte, Logistik-Hub, Versandzentrum und Administration. Hier und nur hier wird produziert. Made in Austria. Qualität und Mitarbeiter-Zufriedenheit stehen an oberster Stelle: Selbstverständlich ist der Fuhrpark elektrisch, der kostenlose Mittagstisch vegetarisch, die Büros sind sonnendurchflutet und übergroß. Mehr Hotel als Firma. Frische, Natur, Schönheit  – alles hier drückt das aus.

Ein Familienbusiness

Warum der Kosmetik-Konzern auf Direktvertrieb und Multi-Level-Marketing setzt, ist leicht erklärt. Die Produkte sind frisch, ohne Konservierungsstoffe und somit nur kurz haltbar. „Mit diesen Attributen hat man uns in den Apotheken und Drogerien nicht einmal über die Türschwelle gelassen“, sagt Gründer und CEO Andreas Wilfinger. Aus der Not, kein Listing im Handel zu bekommen, wurde eine Tugend. Direktvertrieb, auch weil das  Internet damals noch nicht allgegenwärtig war. Und auch heute noch macht genau das den  Erfolg: Keine zehn Prozent der 2,7 Millionen Kunden bestellen online. Die 283 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften die Verkäuferinnen vor allem persönlich, im Auftrag von Ringana.

„Seit zehn Jahren verkaufe ich nebenbei“, erzählt eine Verkäuferin. „Es ist ein tolles System, an dem alle verdienen“, ist sie sicher. Sie selbst ist mit ihren Umsätzen in Zielstufe 4 (von 10), hat 40 bis 50 Verkäuferinnen unter sich. „Das sind 1.000 bis 1.500 Euro im Monat.“ Sie erklärt: „Hat man einmal ein Team aufgebaut, wirkt  das lange nach – weil man ja am Umsatz der anderen beteiligt ist.“ Sie kommt ins Schwärmen.  Es gebe Ur-Verkäuferinnen, die seien Millionärinnen. „Manche 10er-Partnerin macht  50.000 Euro im Monat“. Ein Wert, den Ringana nicht bestätigt.  Provisionen  liegen auf Stufe 8 bei 11.000 Euro, so die offizielle Auskunft. Wird Stufe 10 erreicht, wird vor der Zentrale  jedenfalls ein Baum samt  Namensschild  gepflanzt. Im Schnitt verdient eine Ringana-Partnerin 500 Euro im Monat. Ein Zuverdienst, kein Einkommen zum Leben. 

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Es sind genau diese großen Erfolgsgeschichten, die das Multi-Level-System lebendig machen. Das Versprechen, mit wenig Investition gutes Geld verdienen zu können. Tatsächlich gibt es kaum Einstiegshürden: Man lässt sich um 50 Euro für den Shop freischalten, bestellt ein 200-Euro-Paket für die erste Produkt-Party und ist dabei. „Das Risiko ist gleich Null“, sagen Verkäuferinnen. Sie sagen auch, dass sie gern in der Familie und bei Freunden ihre Produkte vertreten und verkaufen.   

Ringana ist ein Familienbusiness. 

Die Frische-Partnerinnen sind Teil der Community, nehmen an großen Kongressen in Messehallen teil, bekommen Prämien, wie einen Besuch in der Zentrale. Das schafft Zugehörigkeit bei gefühlter Unabhängigkeit. Die ist wiederum gut für den Konzern: keine Personalkosten im Vertrieb, keine Kosten für Geschäfte, ein Team, das sich selbst ständig erweitert, relativ einfaches Expandieren in neue Regionen. Die Partnerinnen verkaufen, Ringana versendet die Ware direkt aus der Steiermark – das geht mit der ganzen Welt und in die ganze Welt

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