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Mehr Belastbarkeit? Warum Firmen jetzt mehr Resilienz fordern

Unternehmerin Nina Kraft erklärt, was Beschäftigte stärkt – und warum auch Unternehmen Verantwortung übernehmen müssen.
Eine Frau hält ein Schild mit Smiley-Gesicht hoch.

Fragt man Arbeitgeber, welche Fähigkeiten sie sich von ihren Mitarbeitern wünschen, fallen schnell Begriffe wie Anpassungsfähigkeit und Lernbereitschaft – aber auch Resilienz. Warum es ausgerechnet jetzt mehr Widerstandskraft im Beruf braucht und wann aus Belastbarkeit ein Risiko für die eigene Gesundheit wird, erklärt Moderatorin, Unternehmerin und Gründerin Nina Kraft.

KURIER: Arbeitgeber wünschen sich anpassungsfähige und resiliente Mitarbeiter – was bedeutet das konkret im Berufsalltag?

Nina Kraft: Viele haben eine andere Vorstellung vom Begriff Resilienz: dass es heißt, einen Schutzschild aufzuziehen, der einen unverwundbar macht. Ich vergleiche das aber bildlich ganz gern mit einem guten Fahrwerk. Man bemerkt die Schlaglöcher auf der Straße trotzdem, aber man kommt nicht ins Schleudern. Beruflich heißt das, Rückschläge, Kritik und Drucksituationen nicht einfach wegzulächeln, sondern sie zu spüren, wahrzunehmen, zu verarbeiten und dennoch handlungsfähig zu bleiben.

Warum ist das Thema aktuell so zentral?

Wir leben in einer Zeit, in der sich die Spielregeln monatlich, wenn nicht sogar täglich ändern. Auf diesen Wandel reagieren viele sehr sensibel, weil sie eben nicht die richtigen Werkzeuge für den Umgang damit haben. Da kommt einiges zusammen, und mir kommt es so vor, als ob man sich hinter einem Begriff (Anm.: Resilienz) versteckt.

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Inwiefern?

Dieses „Geweint wird bitte auf der Toilette“ ist in Unternehmen noch immer stark verbreitet. Und die Gefahr, die ich sehe, ist, dass Resilienz zur Ausrede werden kann. Dass Unternehmen strukturelle Probleme auf einzelne Personen abwälzen, nach dem Motto: „Sei doch resilienter, dann hältst du unser Chaos besser aus.“ Wenn ein System krank macht, ist die Lösung nicht, die Menschen widerstandsfähiger zu machen, sondern ein gesünderes System zu etablieren.

Was wird von Arbeitgebern bzw. Arbeitnehmern nun erwartet?

Resilienz ist keine Einbahnstraße, sondern ein Zusammenspiel. Das Unternehmen baut das Sicherheitsnetz, Mitarbeiter lernen, es zu nutzen. Psychologische Sicherheit wird deswegen das wahre Schlagwort der kommenden Jahre sein. Wir sitzen alle im selben Boot. Arbeitgeber stehen unter wirtschaftlichem Druck, Mitarbeiter stehen unter dem Druck, dass KI alles umkrempelt und sie haben Angst vor Jobverlust.

Was können Führungskräfte tun, damit die Resilienz gestärkt wird?

Der größte Hebel ist es, die Fehlerkultur ernst zu nehmen und nicht als Modewort zu verstehen. Teams, die Angst haben, Schwäche zu zeigen, werden nicht resilienter, sondern einfach besser im Verstecken. Führungskräfte sollten Räume schaffen, in denen Unsicherheit auch ausgesprochen werden kann, bevor sie zur Krise wird.

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