Neue Lehrberufe im Überblick: Vom Klimagärtner bis zum Chocolatier

Anforderungen ändern sich ständig und die Lehre reagiert darauf, schafft Angebote: Das sind die jüngsten Neuzugänge.
Collage mit Szenen aus verschiedenen neuen Lehrberufen, darunter Technik, Gastronomie und Gartenbau.

„Wir brauchen Lehrlinge, gut ausgebildete Fachkräfte“, sagte Peter Merten, Wiener Innungsmeister der Mechatronik, vergangene Woche beim Event „Techniker:innen von morgen“ im Donauzentrum. Vier Tage lang trafen dort Betriebe auf potenzielle Lehrlinge. Um für den Beruf zu begeistern, wurden Maschinen, Fahrzeuge, Experimente und Roboter präsentiert. Die Botschaft: Technik ist eine Zukunftsbranche.

„Wir passen die Ausbildung laufend an die Anforderungen von Industrie und Wirtschaft an“, so Merten. Lehrberufe werden regelmäßig überprüft und weiterentwickelt, erklärt auch die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Nicht nur die Bezeichnungen werden angepasst – 2025 wurde etwa aus dem Medienfachmann bzw. der Medienfachfrau die Medienfachkraft – auch inhaltlich wird nachjustiert. Es entstehen neue Schwerpunkte – und mitunter ganz neue Lehrberufe. In der Technik wurde vor Kurzem etwa der Modullehrberuf Metalltechnik weiterentwickelt.

Die neuen Lehrberufe: Diese acht sind dazugekommen

Eine Kombination aus klassischer Metalltechnik und moderner Sicherheitsanlagentechnik sei aktuell gefragt. Fachkräfte mit Know-how in Einbruchschutz, Brandschutz und Fluchtwegtüren. Es brauchte einen neuen Lehrberuf. „Angesichts der Entwicklung haben wir das Modul Sicherheitstechnik ergänzt“, sagt Christian Adamovic, Wiener Innungsmeister der Metalltechnik. „Man hat Zutrittskarten – und trotzdem wird die Tür zusätzlich mit einem Schloss verriegelt“, erklärt er. Der erste Lehrling im Bereich Sicherheitstechnik hat seine dreijährige Ausbildung bereits abgeschlossen und wird im März zur Prüfung antreten.

Nicht nur die Sicherheitstechnik ist neu im Lehrlingsportfolio. Auch folgende Lehrberufe sind in den vergangenen Jahren dazugekommen:

Der Fahrradmechatroniker zählt zu den „wiederbelebten“ Lehrberufen und feierte 2019 sein Comeback. Grund ist der gestiegene Bedarf, u. a. durch den E-Bike-Boom. Die Anforderungen sind heute allerdings komplexer als bei der früheren Ausbildung zum Fahrradmechaniker, die in den 1970er-Jahren eingestellt wurde. Zur Ausbildung gehören das Instandhalten und Warten von Fahrrädern und ähnlichen Fahrzeugen, wie E-Bikes.

Einen Vorgänger hat auch der Chocolatier: Der Lehrberuf „Bonbon- und Konfektmacher“ entsprach nicht mehr den modernen Schokolade-Anforderungen, weswegen die Inhalte 2021 angepasst wurden – mit Fokus auf Bean-to-Bar-Verarbeitung und modernem Marketing. Laut WKÖ geht es nun um die handwerkliche und maschinelle Herstellung von Schokolade und Schokoladeprodukten wie Pralinen und Bonbons, Figuren und Ähnlichem.

Um neuen Ansprüchen zu entsprechen, wurde 2025 auch die Lehre für Fachkräfte für vegetarische Kulinarik gestartet. Der Lehrberuf ist vorerst als Ausbildungsversuch angelegt und spezialisiert sich auf vegetarische und vegane Küche. Laut Fachverband Gastronomie der WKÖ haben im Vorjahr 19 Betriebe einen Antrag als vegetarischer Lehrbetrieb gestellt (der KURIER hat berichtet). Aktuell gibt es sechs Lehrlinge (Stand: November 2025).

Seit 2022 kann man den Lehrberuf Bahnreise- und Mobilitätsservice erlernen. Ein bekannter Ausbildungsbetrieb sind die ÖBB, die aktuell rund 170 Lehrlinge ausbilden. Zu den Aufgaben einer Fachkraft zählen Kontrolle und Verkauf von Fahrkarten, Auskünfte zu Fahrplänen und Ticketpreisen sowie das Planen und Erstellen von Reiserouten.

Den Lehrberuf Kosmetik/Fußpflege gibt es seit 2023. Fachkräfte führen pflegende, gesundheitsfördernde und „dekorative Behandlungen“ durch – etwa Haarentfernung, Nageldesign sowie Brauen- und Wimpernbehandlungen. Österreich ist in diesem Beruf sogar Europameister: In der Kategorie Schönheitspflege holte Lara Tynnauer 2023 bei den EuroSkills in Danzig Gold.

Der Lehrberuf Faserverbundtechniker kann seit 2024 erlernt werden. Aktuell gilt er ebenfalls noch als Ausbildungsversuch. Ein Einstieg ist bis Ende 2030 möglich. Sogenannte Faserverbundwerkstoffe werden zunehmend als Alternative zu Metall eingesetzt – und brauchen deswegen Experten. Fachkräfte beschäftigen sich mit der „Herstellung, Veredelung und Nachbearbeitung von Faserverbundprodukten“, so die WKÖ.

Die ersten Fernwärmetechnik-Lehrlinge starteten 2024 ihre Ausbildung. Laut dem Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen (FGW) braucht es dringend Experten, um die steigende Fernwärme-Nachfrage zu decken. Was man konkret lernt? Fernwärme- und Installationstechnik, Fernwärmeerzeugung und -verteilung sowie von Anlagen.

Seit 2025 gibt es die Klimagärtner-Lehre. „Mit dem Klimawandel, den Hitzewellen und dem Hochwasser kommen neue Forschungen und Entwicklungen. Für diese Konzepte braucht es speziell ausgebildete Personen“, sagt Mario Steininger, Direktor der Berufsschule für Gartenbau und Floristik. Die Aufgaben? Fassaden- und Dachbegrünung, Bewässerungsanlagen, bessere Versickerung von Oberflächen und Maßnahmen zur Abkühlung der Stadt.

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