Jobwechsel oder Firmen-Treue – welcher Weg zahlt sich aus?
Claudio Risser ist über Umwege auf seinem Karriereweg gelandet. Er studierte Wirtschaftsrecht an der WU Wien und arbeitete in einer Anwaltskanzlei, als er merkte: „Dieses Arbeitsleben ist nicht so, wie ich es gerne hätte.“ Außerdem galt sein Interesse einem anderen Bereich: der Markenvermarktung. „Ich habe mich in das Thema hineingefuchst und ein Praktikum in einem PR- und Marketing-Team absolviert“, erzählt Risser.
Dort begann seine eigentliche Karriere. Er schnupperte weiter in die Branche, unterstützte kleine Cafés, später Banken bei ihrem Online-Auftritt und war auch kurz im Sportbereich tätig: „Ich habe meine Leidenschaft für Basketball genutzt und war einige Monate im digitalen Management der easyCredit Basketball Bundesliga in Deutschland.“ Der darauffolgende Sprung lag für ihn somit auf der Hand: Er wollte ins Agenturgeschäft.
Was präzise Job-Sprünge bringen
Rissers erste Station war die Kobza Media Group, wo er als Projektmanager für Social Media und Influencer-Marketing tätig war. Während sich sein Karriereweg bis dahin, wie er sagt, eher ergeben habe, sei er später strategischer vorgegangen. Er war unter anderem bei Jung von Matt DONAU in einer Senior-Position tätig – ein Job mit Prestige, der sich auch im Lebenslauf gut macht. Und ihn später zu seinem aktuellen Arbeitgeber führte: marswalk.
Was ihn zum Job-Hoppen bewegt? „Man kann nicht ewig bleiben, wenn sich intern keine neuen Türen und Gegebenheiten öffnen“, sagt er. Sein Prinzip: Wenn man nichts mehr lernen und dem Unternehmen auch nichts mehr bieten kann, ist es Zeit zu gehen.
Der Vorteil der präzisen Sprünge, alle zwei bis fünf Jahre, liege seiner Meinung nach in der Vielfalt an Eindrücken und Erfahrungen, die man sammelt. Mit jedem Sprung nimmt Risser ein wachsendes Netzwerk, eine breite Palette an Wissen und neue Führungsqualitäten mit. Außerdem: „Der amerikanische Markt hat gezeigt, dass mit smarten Wechseln oft schnellere Aufstiegschancen und Gehaltssprünge einhergehen“, erklärt er. Stichwort sei hier das Wort „smart“.
Man müsse sich gut überlegen, ob der Jobwechsel einen weiterbringt oder aufhält. Deswegen achtet Risser darauf, dass gewisse Ansprüche immer erfüllt sind – dass er die Leiter weiter hinaufsteigt und Bewegung drinbleibt. „Die Möglichkeit, eine Firma mitzuentwickeln, ein dynamischer Alltag und Wachstumschancen sind mir wichtig“, sagt er.
Der Hopper-Lifestyle sei nicht für jeden das Richtige, merkt er an. Man müsse sich jedes Mal neu eingewöhnen: „Ich bin ein Mensch, der leicht mit Personen in Kontakt kommt. Ich stelle mich gerne Herausforderungen und sehe darin einen Mehrwert.“ Neue Chancen sind für Risser somit umso verlockender.
Anders sieht es bei Anja Schlesinger aus.
Anja Schlesinger schwimmt gegen den Jobwechsel-Strom. Seit 23 Jahren ist sie im selben Konzern tätig. Nach der Matura startete sie eine verkürzte Lehre und fing beim deutschen Logistiker Dachser im Customer Service an. Die Werte des Unternehmens hätten gut zu ihren eigenen gepasst, erzählt sie dem KURIER. „Ich habe immer gesagt: Ich bleibe so lange da, solange es mir gut geht.“
Wichtig war Schlesinger, dass man im Unternehmen wachsen und sich weiterentwickeln kann. Blickt man auf ihre Karriere, scheint genau das der Fall gewesen zu sein.
In Studien spricht man von „Job-Hoppern“ und „Job-Huggern“. Beides sind eher negativ konnotierte Begriffe. Hopper wechseln den Beruf, um mehr Sicherheit zu finden, Hugger bleiben trotz Unmut, weil sie Angst haben, keine neue Anstellung zu finden.
Die XING-Wechselwilligkeitsstudie 2026 zeigt: In Österreich steigt die Wechselbereitschaft sogar – trotz schwieriger Wirtschaftslage. Haupttreiber ist ein zu niedriges Gehalt (43 Prozent). Der wichtigste Grund zu bleiben sind die Kollegen (60 Prozent)
Warum man im Unternehmen bleiben sollte
Schlesinger verfolgte einen klaren Plan, wie sie verrät. „Ich habe schon im ersten Monat einen Drive gehabt, mich an den Menschen und ihren Positionen, um mich herum orientiert.“ Sie liebäugelte mit der Position der Speditionsleitung und fragte sich, welche Schritte sie dorthin führen würden. „Sachbearbeiter, Gruppenleiter, Abteilungsleiter, Speditionsleiter: Ich habe das in Jahre runtergebrochen und geschaut, welche Ausbildung es braucht.“ Daraus wurde ein Zwölfjahresplan, den sie in zehn Jahren erreicht hat. „Es war eine grobe Idee, um mich dahin zu denken und zu wissen, welche Möglichkeiten darauf einzahlen und welche nicht“, erklärt sie.
Heute verantwortet sie als Head of Customer Service funktional 39 Customer Service Teams in Deutschland – und führt diese remote von Wien aus. Ein weiterer Punkt, der sie zum Bleiben bewegt hat: Flexibilität. Sie konnte parallel zum Job Vollzeit studieren und nach Österreich ziehen. „Sicherheit ist ein Grundbedürfnis – aber auch der Reiz des Neuen. Ich habe sozusagen innerhalb des Konzerns Hopping betrieben und mich immer wieder neu orientiert.“ Mit einer finanziellen und auch einer Verantwortungsentwicklung. Ein Prozess, der jedoch nur ab einer gewissen Unternehmensgröße möglich sei, wie sie anmerkt.
Arbeitgeber würden ihrer Erfahrung nach die Vorteile langfristiger Mitarbeiter erkennen und sie entsprechend fördern: „Oft ist es sinnvoller, jemanden intern in diese Richtung weiterzuentwickeln, als jemanden komplett neu einzuschulen“, sagt sie. Sie hätten tiefere Kenntnisse, verstünden das Unternehmen und auch die Kultur. „Nach sechs Wochen in einer neuen Position habe ich bereits einen tiefen Einblick.“
Ihr Tipp, wie man nicht stagniert? Netzwerke mit relevanten Personen innerhalb des Unternehmens bilden, an mehreren Projekten arbeiten und: „Ins Gespräch gehen, sobald der Reiz nachlässt und es etwas Neues braucht.“ Man dürfe nicht warten, bis man gesehen wird. Was als Nächstes für sie ansteht, sei noch offen. „Einen weiteren Zwölfjahresplan gibt es erstmal nicht.“
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