28.000 Euro Gehalt im Monat: "Ich finde selbst, das ist viel zu viel"

Der KURIER hat die Österreicher frech nach ihrem Gehalt gefragt. Und klare Antworten bekommen. Die Topverdienerin macht 28.000 Euro im Monat.
Fünf Personen mit Papiertüten über dem Kopf, auf denen verschiedene Berufe und Monatsgehälter geschrieben stehen.

83.000 US-Dollar im Jahr: So viel verdient ein U-Bahnfahrer in New York City. Seine Identität verrät das New York Magazine nicht. Nach dem Motto „So what‘s everyone making these days“, übersetzt: „Wie viel verdient ihr alle eigentlich?“, haben Journalisten des amerikanischen Mediums sich durch die Metropole gefragt. 57 New Yorker gaben ehrliche Antworten, darunter ein Manhattan-Dog-Walker (92.000 Dollar), ein Paparazzo (73.300 Dollar), eine Lehrerin (113.800 Dollar) und ein Risikokapitalinvestor (3,5 Millionen Dollar). Amerikaner sind bekanntlich sehr offen, was ihr Gehalt angeht – Österreicher sind da etwas schüchterner. Könnte man zumindest denken.

Das verdienen die Österreicher

Im Schnitt verdienen Vollzeitbeschäftigte in Österreich laut den aktuellsten Daten der Statistik Austria 55.678 Euro brutto pro Jahr. Mit einem Jahresbruttogehalt bis zu 42.837 Euro zählt man somit zum unteren Einkommensviertel, mit 76.544 Euro brutto hat man es in die oberen 25 Prozent geschafft und ist damit ein Topverdiener in Österreich. Doch das eigene Jahressalär haben nur die wenigsten Österreicher parat, wenn man sie auf ihr Einkommen anspricht. Hierzulande orientiert man sich lieber am Brutto-Monatsgehalt, wie sich unten ablesen lässt.

Denn der KURIER nahm sich den Artikel der US-amerikanischen Kollegen zum Vorbild, wagte sich auf Wiens Straßen, nahm zusätzlich den Hörer zur Hand, und fragte fast schon frech, was man in welchem Job verdient. Die Überraschung: Fast alle waren bereit, konkrete Zahlen zu nennen. Zumindest solange die vollständige Anonymität gewahrt ist. Weshalb auch die Bilder selbstverständlich im KURIER-Studio nachgestellt worden sind.

Drei Personen mit Papiertüten über dem Kopf, auf denen ihre Berufe und Jahresgehälter (Jazzsängerin, Zahnarzt, Lieferfahrer) stehen, symbolisieren anonyme Gehaltsangaben in New York.

28.000 € als Einkaufsleiterin

„Ihr wollt gar nicht wissen, wie viel ich verdiene“, warnt sie. Doch der KURIER will es wissen, und sie packt aus: „Ich bekomme 15.000 netto im Monat. Das sind 28.000 brutto. Es ist viel zu viel, aber für mich ist das angemessen, weil ich ja auch viel Verantwortung trage.“ Was sie genau macht? Sie ist Einkaufsleitung in einem internationalen Konzern. Einkaufen ist aber auch privat ihre Leidenschaft, denn ihr Geld fließt in keinen Anlagesparplan, sondern in Immobilien und Shopping.

3.055 € als Installateur

Rauchend lehnt er an einer Wand und kann nur den Kopf schütteln. „Es wird immer schlimmer. Alles wird teurer. Die Arbeit von einem Monat musst du in zwei Wochen schaffen.“ Seit dreißig Jahren ist er als Installateur tätig. Netto verdient er 2.200 Euro im Monat – brutto also knapp 3.000 Euro. Mehr wird es nicht, meint er nüchtern. Arbeiten bis zum Umfallen tut er jetzt schon und auch mit seinen Preisen kann er nicht hochgehen. „Es gibt immer jemanden, der es billiger macht.“

2.600 € als Kosmetikerin

Als ausgebildete Kosmetikerin mit ein paar Jahren Erfahrung bekommt sie 2.600 Euro brutto pro Monat. Dazu kommt noch eine Verkaufsprämie, die ist jedoch nicht fix. „Man kann aber mit circa 300 bis 500 Euro brutto im Monat zusätzlich rechnen.“ Hinzu kommt das Trinkgeld, und das kann großzügig ausfallen – Vollzeitbeschäftigte kommen in dem Studio auf bis zu 500 Euro netto. Was sie an ihrem Job am meisten liebt: die Vorher-Nachher-Effekte. „Es ist einfach schön mitanzusehen, wie sich die Haut sichtbar verbessert.“

9.000 € als Anwalt

„Ich bin absolut zufrieden mit meinem Einkommen. Es ist mehr als genug“, sagt ein junger selbstständiger Anwalt. 9.000 Euro brutto verdient er im Monat. Für diese hat er einen genauen Finanzplan erstellt. Nicht zuletzt, weil die Preise aktuell davongaloppieren. „Alles ist doppelt so teuer geworden, aber die Gehälter sind nicht um das Doppelte gestiegen. Auch wenn uns das gesagt wird. Hier werden wir angelogen.“ Er zahlt sich selbst monatlich nur einen Bruchteil als quasi „fixes Gehalt“ aus. Der Rest fließt in Sparpläne und Aktien.

Zwei Personen – eine in einem bodenlangen Glitzerkleid, die andere in zerrissenen Jeans und einem Pelzmantel – tragen Papiersackerl über dem Kopf, auf denen ihr Monatsgehalt steht.

4.000 € + ein Zuverdienst von bis zu 3.000 € als Opernsängerin

Sie hat geschafft, was viele wollen: ein fixes Engagement als Solistin. Mit 4.000 Euro brutto im Monat ist alles abgedeckt – auch die Nachtzuschläge. „Damit bin ich aber gut eingestuft.“ Sie schätzt, im oberen Zwanzigstel zu sein. In ihrer Branche wird über Gehälter allerdings noch nicht lange so offen gesprochen. Früher gab es sogar eine Klausel, die das unterbunden hat. „Es war im Vertrag drinnen, dass du nicht darüber sprechen darfst.“ Zusätzlich zu ihrer fixen Anstellung übernimmt sie zehn bis 15 weitere Engagements im Jahr. Für einen Operneinspringer gibt es häufig zwischen 1.000 und 3.000 Euro brutto. „Da kommt aber noch viel weg.“ Denn Kosten wie Anreise und Agentur müssen selbst getragen werden.

3.800 € als Texterin

„Ich muss ehrlich sagen: Ich bin froh, dass ich in der Branche überhaupt eine Stelle gefunden habe“, sagt sie. Seit rund fünf Jahren arbeitet sie als Texterin für eine Firma und verdient 3.800 Euro brutto. Trotzdem: „Mit der aktuellen Lage wird es knapp. Das meiste fließt in meine Fixkosten, und zum Zurücklegen bleibt nicht viel über.“ Auch weil sie ihren bisherigen Lebensstandard nicht aufgeben will. Nagelstudio, Restaurantbesuche, Urlaube und neue Outfits müssen drin sein. Deshalb plant sie, sich jetzt einen Nebenverdienst aufzubauen. Am liebsten als Film-Statistin.

500 –? € als Taxifahrer 

„Man kann es nicht sagen, man kann es wirklich überhaupt nicht sagen“, erklärt der Taxifahrer kopfschüttelnd, während er ein Weckerl isst und vor einem Nobelhotel auf den nächsten Passagier wartet. „Schauen Sie, es kommt auf den Tag an. Gestern habe ich nichts verdient – gar nichts. Bin ewig nur herumgestanden. Aber an Tagen wie heute können schon 500 Euro herausspringen.“ Seit 2010 ist er bereits als Taxifahrer tätig. Wie viel er im Monat verdient? „Kann man wirklich nicht sagen“, wiederholt er, steigt so schnell es geht in sein Taxi ein, rückt einige Meter vor und hält dann wieder an.

5.802,75 € als Internal Consultant

Mit Zahlen nimmt sie es ganz genau. Ihre Firma auch. Denn das Gehalt der Beraterin besteht aus vielen Bestandteilen – manche fix, manche variabel. Auf jeden Fall springen zwischen 5.600 und 5.800 Euro brutto im Monat auf Vollzeitbasis raus. Zuletzt waren es 5.802,75 Euro. An sich ein gutes Gehalt, aber es könnte mehr sein, weiß sie: „Wenn ich nicht in Karenz gewesen wäre, wäre ich bestimmt auf einem höheren Niveau.“ Ihr Marktwert ist hoch, bei einem Jobwechsel könnte sie deutlich mehr verdienen. „Aber ich bin sehr zufrieden. Wir bekommen viele Benefits.“ Zusätzliche Untersuchungen in der Schwangerschaft hat die Firma übernommen. „Das weiß ich sehr zu schätzen.“ Auf die nächste Gehaltsverhandlung bereitet sie sich trotzdem schon wieder vor.

2.026 € als Gepäckträger

Sein Vorgesetzter hält einem ankommenden Gast gerade die Autotür auf und geleitet diesen ins Nobelhotel. „Ich bin neu dabei“, sagt der Gepäckträger leise. Sein Gehalt ist kein Geheimnis, er wird genau nach Kollektivvertrag bezahlt. „Da können Sie nachschauen.“ Zwischen 1.700 und 2.100 Euro verdient man in Österreich in seiner Position, schätzt er. Tatsächlich sind es 2.026 Euro brutto, die der Kollektivvertrag für Gastronomie und Hotellerie in der niedrigsten Beschäftigungsgruppe vorsieht. Das Gespräch ist schnell wieder beendet. Der nächste Gast kommt an. Sein Vorgesetzter ruft ihn schnell wieder zu sich.

5.341,39 € als Justizwachebeamter

„Ich verdiene nach Gehaltsschema E2a. Das ist immer unterschiedlich, vergangenes Monat waren es 5.341,39 Euro brutto.“ Er arbeitet im Exekutivdienst als Justizwachebeamter. Ob ihm das Geld ausreicht? „Natürlich nicht.“ 15.000 Euro mindestens würde er sich erwarten, sagt er scherzhaft. Tatsächlich würde er sich auch mit 6.000 Euro brutto zufriedengeben, am liebsten aber mit 4.500 Euro netto. Seit alles teurer wurde, will er auch mehr Geld machen. Nicht mit Überstunden, sondern mit selbstständigen Nebenjobs, die unter Verschluss bleiben. Einen fixen Sparplan hat er nicht. „Sparen ist dumm, weil das Geld weniger wird.“ Wer klug ist, der investiert, sagt er. „Das Geld kann sehr viel mehr werden, aber auch komplett weg sein. No risk, no fun.“

288 € als Eisverkäuferin: 

Seit drei Wochen steht sie schon in der kleinen Eisdiele im ersten Bezirk. Zwölf Euro bekommt sie pro Stunde. Sechs Stunden arbeitet sie in der Woche. Macht 288 Euro netto im Monat. „Es ist okay für das, was ich mache“, sagt sie. „Das ist mein Nebenjob neben der Uni. Bis zum Sommer mache ich das. Nächste Saison komme ich vielleicht wieder.“

Drei Personen - eine mit Anzug, eine mit elegantem schwarzem Outfit und einer mit Rohrzange in der Hand: tragen Papiersackerl über dem Kopf, auf denen ihr Monatsgehalt steht.

7.500 € als Humanenergetiker

Rund 7.500 Euro brutto Umsatz macht der Humanenergetiker pro Monat, indem er Körper, Geist und Seele seiner Kunden in Einklang bringt. Netto übers Jahr gerechnet, bleiben ihm 50.000 Euro. „Das spiegelt aber nur fünf Prozent der praktizierenden Humanenergetiker wider“, sagt er. Denn in seiner Branche wäre ein solcher Verdienst höchst ungewöhnlich. Im Schnitt kämen Fachkollegen auf 12.000 Euro netto pro Jahr, sagt er. Wer höher hinaus will, braucht einen langen Atem und einen großen Kundenstock.

700 € als Nanny und Pilatestrainerin 

„Stundenweise verdiene ich als Pilatestrainerin mehr“, verrät sie. 500 Euro im Monat lukriert sie durch die Sporteinheiten. In Wien bekommt man in fast allen Studios rund 45 Euro pro Stunde, erzählt sie. Als Babysitterin springen maximal 25 Euro die Stunde raus, je nachdem, wie viele Kinder sie gleichzeitig betreut. Insgesamt kommt sie auf 700, manchmal sogar 800 Euro netto im Monat, die sie mit beiden Jobs einnimmt. „Das ist aber nur ein Zusatzeinkommen für mich. Das ist nicht das Geld, das ich für meine Miete oder meinen Lebensunterhalt brauche, sondern für Urlaube oder andere nette Dinge.“ Ihre Teilzeitanstellung bleibt aus Anonymitätsgründen geheim.

5.084 € + ein Zuverdienst von 1.200 € als Restaurantleiter

„Man ist nie zufrieden mit seinem Gehalt. Aber im Vergleich zu anderen in der Branche weiß ich, dass ich viel verdiene.“ Er ist Restaurantleiter einer angesagten Adresse und hält seinem Arbeitgeber seit Jahren die Treue. Sonst wäre ein Gehalt von 5.084 Euro brutto im Monat nicht möglich, ist er überzeugt. Netto sind das 3.250 Euro. Hinzu kommen rund 300 Euro Trinkgeld in der Woche, sprich 1.200 Euro im Monat. Von fixen Sparplänen hält er wenig, aber dafür vergleicht er beim Lebensmitteleinkauf immer die Preise.

5.000 € + ein Zuverdienst von 3.000 € als Pressesprecher

„Es ist eine Arbeit mit Sinn“, schwärmt er. Er ist auf dem Weg zu seinem nächsten Termin, unter seinem Arm hat er einige Unterlagen geklemmt. Er ist für die Kommunikation einer bekannten Hilfsorganisation zuständig. 5.000 Euro brutto gibt es dafür im Monat. Zusätzlich hat er sich ein ordentliches Standbein mit Nebenverdiensten aufgebaut. 3.000 Euro netto sind es sicher monatlich. Was sein Nebenjob ist, verrät er nicht.

Kommentare