FH als Sprungbrett: Wie Michael Hurnaus einen Weltmarktführer aufbaute
Michael Hurnaus wollte kein Gründer werden. „Ich wollte ein Studium abschließen und einen coolen Job finden“, sagt er. Dass er einmal einen Weltmarktführer mitgründen würde, hätte er nicht gedacht. Und doch: Heute ist er CEO von „Tractive“, einem GPS- und Gesundheitstracking-Unternehmen für Hunde und Katzen. Die Firma hat rund 300 Mitarbeiter, einen Hauptstandort in Pasching (Oberösterreich), je ein Büro in Seattle und Düsseldorf sowie über 1,7 Millionen zahlende Kunden.
Was hier der entscheidende Erfolgsfaktor war, lässt sich nur vermuten. Sein Ausbildungsweg dürfte aber eine Rolle gespielt haben.
Persönlichkeitstyp: FH
Vor über 20 Jahren inskribierte Michael Hurnaus an der Fachhochschule Oberösterreich: „Ich habe am Tag der offenen Tür schon gesehen, dass es sehr praxisnah ist und sich weniger theoretisch angefühlt hat als Universitäten.“ Als einer der ersten Studierenden absolvierte er den Bachelor Medientechnik und -design und schloss einen Master in Digitale Medien an. „Wir haben viele Projektarbeiten gemacht, die Start-ups ähneln. Am Ende musste man ein Produkt haben, das man präsentieren konnte“, sagt er.
Besonders geschätzt habe er die Lehrkräfte: „Sie kamen aus der Wirtschaft und wussten, was und wie man in der Praxis anwendet.“ Für ihn ist das ein Grund, warum „so viele gute Leute aus Fachhochschulen hervorgehen“.
Unternehmen hätten das längst erkannt und würden immer wieder Absolventen direkt aus dem Studium rekrutieren, bestätigt Hurnaus – auch aus Arbeitgeberperspektive. „Über die vergangenen 13 Jahre haben wir etliche Mitarbeiter eingestellt, die in Hagenberg studiert haben.“ FH-Alumni brächten eine Praxisnähe mit, von der schnell wachsende Start-ups profitieren. „Sie denken ergebnisorientiert.“
Die verpflichtenden Berufspraktika der FHs seien dabei ein nützliches Vehikel für Unternehmen: „Man lernt Studierende kennen und kann als Arbeitgeber früh das eigene Unternehmen vorstellen.“ Gleichzeitig betont er, dass weder der Titel noch die Hochschule bei einer Bewerbung entscheidend seien: „Was zählt, ist die Person.“
Klassische Gründer-Story
Michael Hurnaus selbst zog es direkt nach dem Studium in die USA, wo er einige Jahre für Microsoft arbeitete und später bei Amazon in einer leitenden Position tätig war. Dort kamen auch die ersten Gründungsgedanken auf.
„Einem Freund ist der Hund ausgebüchst. Wir haben stundenlang nach ihm gesucht, bis wir ihn endlich gefunden haben“, erzählt er. Die Freundesgruppe, allesamt Techniker, fragte sich, warum es für solche Fälle keine Haustier-Tracker gibt, die sich über das Smartphone verfolgen lassen. Eine logische Schlussfolgerung: Einfach selbst einen bauen. Den finalen Anstoß gab Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner, als er Hurnaus in den USA besuchte. „Ich habe ihm von der Idee erzählt. Er meinte: Mach dich selbstständig.“ Und genau das tat er.
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