Ein-Personen-Unternehmen in Österreich auf Wachstumskurs

Warum die Zahl der Einzelunternehmer in Österreich steigt und wo die Solo-Selbstständigkeit einen regelrechten Boom erlebt.
Happy young businesswoman speaking on the phone in a warehouse

Über 60 Prozent der Unternehmen in Österreich bestehen aus einer Person. Die Anzahl der Kleinstunternehmer steigt jährlich, wie eine neue Auswertung der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) zeigt. Diese zählt für 2025 insgesamt 376.112 Ein-Personen-Unternehmen (EPU). 2016 waren es noch 70.000 weniger, konkret 305.603. Warum die Selbstständigkeit in kleinem Rahmen so hoch im Kurs liegt?

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Wunsch: Mehr Unabhängigkeit, Selbstentwicklung, flexible Zeiteinteilung

Der EPU-Monitoringbericht, der dem KURIER vorab vorliegt, erhebt die Top-Drei-Gründungsmotive. Mit 83 Prozent steht die Unabhängigkeit für Gründerinnen und Gründer an erster Stelle. Es ist der bislang höchste gemessene Wert, teilt die WKÖ mit. An zweiter Stelle folgt der Wunsch nach Selbstentwicklung (77 Prozent) und flexibler Zeiteinteilung (71 Prozent). Auch das Erkennen einer Marktchance soll gegenüber der vorhergehenden Erhebung deutlich gestiegen sein – von 42 auf 49 Prozent. Doch es gibt noch ein weiteres bemerkenswertes Detail, bei dem eine rasante Steigerung registriert wurde.

Boom bei Silverpreneuren

33 Prozent geben an, selbstständig geworden zu sein, um auch in der Pension einen Zuverdienst erzielen zu können. Zuvor waren es 21 Prozent. Die Selbstständigkeit in der Pension gewinnt somit an Bedeutung, das schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Sogenannte „Silverpreneure“, die neben ihrer selbstständigen Tätigkeit bereits eine Pension beziehen, machen fast ein Fünftel (19 Prozent) der EPU aus. 2016 waren es noch sechs Prozent. 

Insgesamt liegt das Durchschnittsalter von Ein-Personen-Unternehmern bei 47,4 Jahren, der Frauenanteil liegt bei 51,6 Prozent. 74 Prozent der EPU sind hauptberuflich selbstständig, die weiteren 26 Prozent führen ihr Unternehmen nebenbei. In welchen Bereichen die meisten Einzelunternehmer sich selbstständig machen? Hier zeigt sich eine klare Tendenz.

Beratung und Betreuung: Top-Branchen für EPU

In einer Branche dominieren EPU deutlich: In der Personenberatung und -betreuung sind 98 Prozent Einzelunternehmer. Sehr präsent sind sie auch im Direktvertrieb (93,2 Prozent) sowie im Kunsthandwerk (89,5 Prozent). Blickt man auf die einzelnen Sparten, ist der EPU-Anteil im Gewerbe und Handwerk mit knapp 70 Prozent besonders hoch, gefolgt von Information und Consulting (60,5 Prozent) und Handel (51,6 Prozent).

Wirtschaftlich performen Österreichs EPU laut Monitoringbericht mit einer leicht verbesserten Umsatzentwicklung: Drei Viertel verzeichnen stabile, beziehungsweise nominell wachsende Umsätze. Ein Viertel der EPU erzielte 2025 einen Jahresumsatz von mehr als 100.000 Euro. Im Export ist bereits jedes vierte EPU aktiv. Der wichtigste Auslandsmarkt ist Deutschland (80 Prozent), gefolgt von der Schweiz (35 Prozent) und Italien (27 Prozent).

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