#gerneperdu? Ab wann das Du-Wort zum Problem wird
#gerneperdu liest man neuerdings in E-Mail-Signaturen. Manche fordern es im Kontakt sogar mit Nachdruck ein. Das Du wird einem förmlich aufgezwungen. Warum? „Mit einem Du ist man näher beim Wir“, heißt es. Man will Barrieren abbauen und eine moderne Arbeitsatmosphäre vermitteln. Ähnlich erklärt auch Benimmexperte Thomas Schäfer-Elmayer den Du-Trend: „Man fühlt sich wohler, näher, glaubt sich manchmal irrtümlich auf der gleichen Ebene und überwindet eine gewisse Anfangsdistanz.“ Wie viel Nähe schafft das Du aber wirklich und wann geht es zu weit?
Darf ich Du sagen?
„Als ich noch in der Industrie gearbeitet habe, ist man sich 40 Jahre im gleichen Büro gegenübergesessen und war immer noch per Sie. Das war nichts Ungewöhnliches“, berichtet Schäfer-Elmayer dem KURIER. Das Du angeboten zu bekommen, wurde lange Zeit als Ehre oder Lob wahrgenommen. „Bietet eine Dame einem Herrn das Du an, so könnte manchmal ein Du-Kuss sogar eine romantische Bedeutung bekommen“, erzählt er. In den beruflichen Kontext lässt sich das natürlich nicht übertragen. Was man aber mitnehmen kann: Ein Du muss man sich verdienen, sagt Daniela Popp, Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Knigge-Gesellschaft (ÖKG).
Allgemein ist bekannt: Zuerst siezt, dann duzt man. Von Anfang an familiär und auf Bussi–Bussi zu sein, empfindet Popp als kritisch. „Mit einem Sie wahrt man eine Distanz und Professionalität, die im Berufsleben vor allem jungen Menschen Orientierung gibt.“ Wenn man aber nach einer gewissen Zeit das Du als angebracht empfindet, sei dagegen nichts einzuwenden - solange man es höflich einholt. Ob eine simple E-Mail-Signatur ausreicht, wagt sie zu hinterfragen.
Bitte nicht per Du
„Die Du-Signatur ist ein Hype, mit dem man versucht, starre hierarchische Strukturen aufzubrechen. Was viele dabei vergessen: Man soll niemandem etwas aufzwingen. Das kann unangenehm sein“, sagt Daniela Popp. Selbst wenn ein Du unternehmensintern kein Problem sein sollte, brauche es nach außen hin eine gewisse Kundenorientierung. Man sollte sich auf das Gegenüber einstellen, sagt sie. „Manchmal ist es zu locker, und das kann auch unangebracht sein.“ In solchen Fällen dürfe man das Du höflich ablehnen.
Thomas Schäfer-Elmayer sieht das etwas entspannter. Obwohl auch er meint, dass eine #gerneperdu-Mail burschikos wirken kann: „So etwas macht man eher persönlich.“ Dennoch sei es nichts Verwerfliches. Die Frage ist nur, wen man adressiert. Schäfer-Elmayer: „Dem Bundeskanzler würde ich so eine E-Mail nicht schreiben. Das wäre eine Grenzüberschreitung.“ Damit spricht er eine wichtige Benimmregel an: Auch wenn man in einem Unternehmen per Du ist, bleibt man bei der Konzernspitze meist beim Sie. Was bedeutet: „Das Du-Angebot muss immer vom Ranghöheren kommen.“
Das sei auch die Voraussetzung für das Du im professionellen Kontext: „Es muss immer Respekt und Distanz gewahrt bleiben. Man ist sich dessen bewusst, dass man nicht auf der gleichen Ebene agiert, nur weil man per Du ist“, sagt Schäfer-Elmayer.
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