Jobsuche: Was Jungakademiker jetzt von Firmen fordern

Was sich Hochschulabsolventen von Unternehmen erwarten und was sie beim Bewerbungsprozess direkt abschreckt.
Students Studying and Working on Technology in a Relaxed Cafe Setting

Wer sich für ein Studium an einer Hochschule entscheidet, investiert viel Zeit und Energie, vertieft sich in eine Thematik, wird Experte oder Expertin auf einem Gebiet. Doch beim Übergang in die Arbeitswelt ist die Luft scheinbar draußen. 72,8 Prozent der Jungakademiker ist die Karriere zwar (sehr) wichtig, dennoch investiert rund jeder Zweite nur 30 Minuten oder weniger in die Vorbereitung auf ein Bewerbungsgespräch. Das erhebt der neue Jungakademiker-Monitor des Beraters FiP.S.

Was das für Unternehmen bedeutet und wie Arbeitgeber und Absolventen besser zusammenfinden, verrät FiP.S.-Finanz- und Karriereberater Florian Märzendorfer.

Was Absolventen erwarten

„Das wichtigste Thema ist die Transparenz“, erklärt Märzendorfer. „Früher hat man nach einer sicheren Anstellung gestrebt, heute geht es um viel mehr.“ Absolventen, die ins Berufsleben einsteigen, würden Unternehmen viel genauer prüfen – welche Werte sie vertreten, wie der Tätigkeitsbereich aussieht und welchen Sinn die Arbeit erfüllt, wie viel Work-Life-Balance die Position zulässt und – ganz wichtig – wie viel Gehalt dabei rausspringt. Einige dieser offenen Fragen könnten Bewerbende bereits im Vorfeld durch etwas Recherche herausfinden, sagt Märzendorfer. Doch auch Unternehmen können ihren Beitrag leisten, um attraktiver auf Absolventen zu wirken.

Anlocken und abschrecken

„Arbeitgeber müssen klar definieren und vermitteln können: Wer sind wir, wofür stehen wir, was bieten wir“, sagt der Experte. Auch beim Thema Gehalt wäre eine höhere Transparenz ausschlaggebend – denn das Mindestentgelt in den Stellenanzeigen wäre längst nicht mehr ausreichend, um Bewerbende anzulocken oder zufriedenzustellen. „Es gibt Studien, wonach das Gehalt für über 60 Prozent der wichtigste Faktor ist“, sagt Märzendorfer. Es gehe aber nicht ausschließlich um die Höhe des Einkommens, sondern um die Relation: Wie viel sind die geleisteten Stunden wert und ist man bereit, für die jeweilige Summe die Freizeit einzukürzen?

In der Praxis würden nur die wenigsten Firmen eindeutige Gehälter im Vorfeld kommunizieren, berichtet Märzendorfer, der dafür Verständnis hat. Dennoch betont er: unklare Angaben schrecken ab und das Risiko besteht, im fortgeschrittenen Bewerbungsprozess erst recht enttäuscht zu werden – auf beiden Seiten. Nur eine weitere Sache ist noch fataler, um junge Absolventen für sich zu gewinnen.

Endlos lange Bewerbungsschleifen sind für Jungakademiker, die ins Berufsleben einsteigen, keine Option mehr, sagt Märzendorfer und ergänzt: „sofern es sich nicht um die Handvoll Beratungsfirmen handelt, wo alle WU-Absolventen hinwollen.“ Doch der Tenor in den FiP.S.-Beratungsgesprächen ist klar: Bewerbungsprozesse müssen kompakt sein, schnelle Rückmeldungen und Entscheidungen liefern. Sonst verlieren Bewerbende noch vor dem ersten Kennenlernen das Interesse.

Das perfekte Match

Zusammengefasst ermutigt Märzendorfer Arbeitgeber, Fakten sprechen zu lassen, um die geeigneten Nachwuchsarbeitskräfte ausfindig zu machen. Junge Absolventen wiederum wären gut beraten, mehr Zeit in die Recherche zu stecken, bevor sie sich bei einer Firma vorstellen. Die Basis wäre, sich einen profunden Überblick über die jeweilige Branche und das Unternehmen zu machen. „Mit KI-Chatbots geht das heute viel leichter und schneller“, sagt der Experte, der dennoch eine Stunde dafür einplanen würde. Er rät zudem, Vergleiche anzustellen, nicht zuletzt, um auch ein Gefühl für den eigenen Marktwert zu bekommen und dem potenziellen Arbeitgeber die richtigen Fragen zu stellen.

Ist die Basis-Recherche erledigt, geht es in die persönliche Vorbereitung: Ideal wäre, sich ein Skill-Portfolio zurechtzulegen. „Meist werden in Bewerbungsgesprächen Stärken und Schwächen oder Zukunftspläne abgefragt“ – diese ließen sich vorbereiten und mit konkreten Beispielen untermalen. „Man kommt dabei aus dieser klassischen Ich-Erzählung raus und kann Beispiele liefern, die dem Unternehmen einen wirklichen Mehrwert bieten und zeigen, warum man für die Position geeignet ist.“ Das Praktische an der Sache: Hat man sich einmal akribisch vorbereitet, brauche man die Unterlagen für das nächste Bewerbungsgespräch nur mehr adaptieren, sagt Märzendorfer. Hier würden dann vermutlich 15 Minuten Aufwand genügen.

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