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Kärntner Straße 29: Das „Haus der Fenster“ sucht einen Käufer

Der deutsche Modehändler Peek & Cloppenburg könnte sich von seinem sechsstöckigen Flagship-Store in der Wiener Kärntner Straße 29 trennen, wenn der Preis stimmt.
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Das architektonisch markante „Weltstadthaus“ in der Kärntner Straße 29, das das Modehaus Peek & Cloppenburg beherbergt, könnte den Eigentümer wechseln. Die Eigentümerfamilie von Peek & Cloppenburg in Düsseldorf hat nun erstmals konkrete Schritte unternommen, um einen möglichen Verkauf der Handelsimmobilie zu prüfen.

„Wir hatten für das Haus mehrfach Anfragen, die wir immer abgelehnt haben“, bestätigte Midstad-Geschäftsführer Kevin Meyer der deutschen Immobilien Zeitung. Midstad, der Immobilien-Manager der Eigentümerfamilie Cloppenburg, habe über das Maklerunternehmen CBRE den Markt getestet – mit positivem Ergebnis. „Es liegen uns belastbare Angebote vor“, so Meyer. Ob überhaupt verkauft wird, sei aber noch unklar. Laut Immobilien Zeitung wird ein möglicher Verkaufspreis von rund 300 Millionen Euro kolportiert.

Früher Finanzministerium

Wiener Immobilienexperten halten das im Gespräch mit dem KURIER als zu hoch angesetzt, sie gehen eher von rund 200 Millionen Euro aus. Der tatsächliche Kaufpreis hängt aber vom Mietvertrag ab. Peek & Cloppenburg hat angeblich einen langfristigen Kontrakt. Der Bestandsvertrag ist im Grundbuch aber nicht ersichtlich.

Ursprünglich stand auf diesem Grundstück das hässliche Gebäude des Finanzministeriums, das in den Jahren 1956 bis 1959 errichtet worden war. 2005 Jahren wurde das Gebäude unter Finanzminister Karl-Heinz Grasser von der Bundesimmobiliengesellschaft BIG an die Peek-&-Cloppenburg-Eigentümer verkauft. Der damalige Kaufpreis betrug etwas mehr als 60 Millionen Euro. Grasser soll mit dem Erlös nicht zufrieden gewesen sein.

Heute gehört die Immobilie der Naxos Grundverwaltungs GmbH, die wiederum mehrheitlich im Eigentum der JC Real Estate Holding GmbH aus Liechtenstein steht. JC steht für James Cloppenburg, einem Vorfahren der jetzigen Eigentümer.

Die Liegenschaft in der Kärntner Straße ist mit drei Höchst-Pfandrechten einer finanzierenden Bank in Höhe von insgesamt 112,77 Millionen Euro belastet.

85 riesige Fenster

Das Gebäude gilt als architektonisches Highlight in Wiens bester Einkaufslage. Der britische Star-Architekt David Chipperfield gewann 2006/2007 den Wettbewerb für das Projekt. Nach zweijähriger Planung startete 2009 der Bau des elften „Weltstadthauses“ im Peek-&-Cloppenburg-Konzern. Am 1. September 2011 wurde das Kaufhaus dann eröffnet.

Die Fassade aus hellem Donaukalk erinnert farblich an das Leopold-Museum. Besonders markant sind die 85 großen Fenster, die sich über alle Stockwerke erstrecken – diese zahlreichen Fenster soll sich der damalige Firmenchef Harro Uwe Cloppenburg vom Architekten gewünscht haben.

Chipperfield selbst spricht von einem „Haus der Fenster“, das dem Gebäude eine museumsartige Wirkung verleihe. Im Inneren erschließt ein zentrales Atrium mit lichtdurchlässiger Glas- und Bronzestruktur die Verkaufsebenen und flutet sie mit Tageslicht. Von den sechs Etagen mit insgesamt 11.800 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche werden fünf als Handelsflächen genutzt, das oberste Geschoß wird als Lager und Büro genutzt.

Kopie in Innsbruck

Signa-Boss René Benko war von der Architektur so angetan, dass er Chipperfield das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck 2010 in diesem Stil für die Signa-Gruppe realisieren ließ. Die Kaufhaus Tyrol GmbH, die Eigentümerin, wurde im Vorjahr von einer Luxemburger Gesellschaft in Rahmen eines Share-Deals aus der Signa-Insolvenz übernommen. Die Käuferin gehört den Cloppenburgs. Die finanzierende Bank hat im August 2025 ein Höchstpfand in Höhe von 120,5 Millionen Euro im Grundbuch eintragen lassen.

Midstad managt und entwickelt laut eigenen Angaben 60 Immobilien mit einer Fläche von insgesamt 600.000 Quadratmetern in Deutschland, Belgien, den Niederlanden und in Österreich.

Peek & Cloppenburg betreibt in Wien einen weiteren Standort in der Mariahilfer Straße 26-30. Das Objekt wird derzeit revitalisiert. Neben der Revitalisierung der Einzelhandelsflächen, die verkleinert werden, wird ein Hotel mit 150 Zimmern errichtet. Die Fertigstellung soll Ende 2026 erfolgen.

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