Plötzlich 2 Prozent: Inflation überrascht Experten
Die politische Diskussion rund um die Teuerung und somit um hohe Lebensmittelpreise in Österreich reißt nicht ab.
Dass die Teuerung mit dem Wegfall des Basiseffekts durch das Auslaufen der Strompreisbremse im vergangenen Jahr zurückgeht, war erwartet worden. Dass die Inflationsrate im Jänner aber ungewöhnlich stark, nämlich auf 2 Prozent sank, erstaunt auch Experten.
Im Dezember betrug die Inflation im Vergleich dazu noch 3,8 Prozent, im Jänner 2025 waren es 3,2 Prozent. Wifo-Ökonom Josef Baumgartner zeigt sich gegenüber dem KURIER über die Schnellschätzung der Statistik Austria überrascht. Das Wifo hatte mit einer deutlich höheren Jänner-Inflation von rund 2,8 Prozent gerechnet. Das IHS, das auch bereits politische Maßnahmen eingepreist hatte, ging Anfang der Woche von einer Inflationsrate im Jänner zwischen 2,4 und 2,5 Prozent aus.
Energie deutlich günstiger
Was hat die Teuerung so stark sinken lassen? Den größten Effekt hatte der Bereich Energie. Einerseits fiel der Basiseffekt durch die Anfang vergangenen Jahres ausgelaufene Strompreisbremse weg. Der hatte die Inflation, die im Jahresvergleich berechnet wird, im Vorjahr stark steigen lassen. Heuer fließt er nicht mehr in die Berechnung ein.
Dazu kommt, dass die Strom- und Treibstoffpreise im Jänner gesunken sind. Die Statistik Austria beziffert den Preisrückgang bei Energie auf 4,9 Prozent. Laut der Behörde führte das zu einem Absinken der Inflationsrate um 1,2 Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat. Dazu trugen auch die Anfang Jänner wirksam gewordene Senkung der Elektrizitätsabgabe und die Reduktion der Ökostromabgabe bei.
Hinzu komme, dass der Preisauftrieb in den Bereichen Industrie, Nahrungsmittel und Dienstleistungen, niedriger ausgefallen sei, als erwartet, sagt Baumgartner.
- Industriegüter verteuerten sich mit 0,8 Prozent im Vergleich zum Jänner 2025 nur minimal.
- Dienstleistungen, zu denen auch die Gastronomie zählt, waren mit einem Plus von 3,8 Prozent Inflationstreiber. Allerdings hatte die Teuerung im vergangenen Jahr deutlich über vier Prozent betragen.
- Lebensmittel verteuerten sich mit 2,7 Prozent ebenfalls deutlich weniger als im Vorjahr. Dadurch wurde auch ihr Einfluss auf die Gesamtinflation geringer.
Bei Lebensmitteln dürften gesunkene Erzeuger- und Großhandelspreise früher als erwartet auf die Konsumentenpreise durchgeschlagen haben, vermutet Baumgartner. Da es sich bei den vorliegenden Zahlen um eine Schnellschätzung handle, lasse sich das aber nur schwer einschätzen. Bei den Dienstleistungen könnte eine Rolle gespielt haben, dass Lohnsteigerungen schwächer ausgefallen seien und der Kostendruck insgesamt zurückgegangen sei.
Wifo-Ökonom Josef Baumgartner.
Neue Gewichtung des Warenkorbs
Eine Rolle könnte auch die Neugewichtung des Warenkorbs gespielt haben. Die findet alle fünf Jahre auf Basis von Konsumerhebungen statt. „Die Gewichtung kennen wir noch nicht zur Gänze“, sagt Baumgartner. Bei der Statistik Austria verweist man auf noch laufende Anpassungen. Eine Proberechnung habe aber ergeben, dass der Einfluss der Neugewichtung minimal sei, sagt die Preisstatistik-Expertin Michaela Maier. Einiges bleibt also noch unklar.
Der Warenkorb umfasse mehr als 770 Produkte, sagt Baumgartner. Um Gründe für geringer ausgefallene Preissteigerungen festmachen zu können, brauche es detaillierte Zahlen. Die will die Statistik Austria in drei Wochen, am 25. Februar, veröffentlichen.
Auch in der Eurozone ist die Inflationsrate weiter zurückgegangen. Laut dem Statistikamt Eurostat betrug sie im Jänner 1,7 Prozent. Den Hauptausschlag gaben auch hier sinkende Kosten für Energie, die im Jahresvergleich um 4,1 Prozent sanken. Preise für Lebens- und Genussmittel stiegen um 2,7 Prozent.
Wie geht es mit der Inflation weiter?
Energie werde im laufenden Jahr im Gegensatz zum Vorjahr inflationsdämpfend wirken, sagt Baumgartner. Er geht davon aus, dass die Strompreise weiter sinken werden. Dem Beispiel des Verbunds, der ab März den Haushaltspreis auf unter 10 Cent pro kWh senken wird, dürften weitere Versorger folgen. Bei Gas seien zwar die aktuellen Marktpreise wieder gestiegen, im Laufe des Jahres sollten sie aber wieder zurückgehen, sagt der Ökonom
Bei Lebensmittelpreisen bleibe abzuwarten, ob der Preisauftrieb auch weiterhin schwächer ausfallen werde. Ab der Jahresmitte werden die Mehrwertsteuersenkungen auf Grundnahrungsmittel wirksam. Baumgartner rechnet damit, dass sie die Jahresinflation um 0,1 Prozent sinken wird.
Die Inflationsprognose für das laufende Jahr werde das Wifo, das zuletzt von 2,5 Prozent ausgegangen ist, deutlich senken, kündigt Baumgartner an. Das IHS, das Maßnahmen der Regierung in seiner jüngsten Prognose bereits eingerechnet hat, geht – wie berichtet – für das laufende Jahr von einer Gesamtinflation von 2,2 Prozent aus.
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