Ölpreis und Inflation steigen: Worauf wartet die EZB noch?
Christine Lagarde
Am Donnerstag kam der Rohölpreis von seinem Mehrjahreshoch etwas zurück. Die Preissprünge auf dem Welt-Ölmarkt bleiben aufgrund der Krise am Golf enorm.
So lag der Preis für ein Barrel (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent am Donnerstagnachmittag wieder bei 114 Dollar und damit rund sechs Prozent unter dem Vortageswert. In der Früh war der Brent-Preis zeitweise auf gut 126 Dollar und damit den höchsten Stand seit 2022 gestiegen.
Die Pattstellung am Golf und neue militärische Optionen gegen den Iran, die im Weißen Haus diskutiert werden, gelten als Ursache für die Preisrallye. Am Beginn des Iran-Krieges Ende Februar lag der Brent-Preis noch bei rund 70 US-Dollar je Fass. Der Preis-Anstieg in zwei Monaten beträgt demnach zwischen rund 60 und 80 Prozent.
Wenig verwunderlich ist, dass mit dem Anstieg der Rohölpreise auch die Energiepreise insgesamt – vom Tanken bis zum Heizen – steigen und deshalb die Inflation wieder zulegt.
3,3 Prozent
Nach einer Schnellschätzung der Statistik Austria für den zurückliegenden April stieg die Teuerung in Österreich von 3,2 Prozent im März auf 3,3 Prozent im April. Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin der Statistik Austria, sagt: „Die geopolitische Lage beeinflusst die Teuerung weiterhin merklich. Das zeigt sich vor allem bei Treibstoffen und Heizöl. Die Energiepreise lagen um insgesamt 10,7 Prozent über dem Niveau von April 2025, im März hatten sie sich im Vorjahresvergleich um 6,2 Prozent erhöht.“ Preisdämpfend wirkte laut Lenk die im April eingeführte Spritpreisbremse. Sie senkte die Preise für Benzin und Diesel um bis zu 10 Cent pro Liter. „Dadurch fiel die Inflation um bis zu 0,2 Prozentpunkte niedriger aus“, so Lenk.
Trotz der steigenden Inflation sehen die Währungshüter bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt die Kaufkraft des Euro offenbar noch nicht in Gefahr.
Im April ist die Teuerung in der Eurozone von 2,6 Prozent im März auf nunmehr 3,0 Prozent gestiegen und hat sich damit schon relativ klar vom Euro-Zielwert von 2,0 Prozent entfernt. Trotz des Inflationsschubs beließ die EZB den Leitzins in der Eurozone – wie von Experten erwartet – bei 2,0 Prozent.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde und die Chefs der nationalen Notenbanken – darunter Österreichs Martin Kocher – wollen die Entwicklung der Preise zunächst weiter beobachten, ehe sie die Zinsen im Kampf gegen die Teuerung anheben. Denn solch ein Schritt verteuert Kredite und damit Investitionen und wäre ein Dämpfer für das ohnehin kaum vorhandene Wirtschaftswachstum. An den Finanzmärkten wird nun eine Zinserhöhung im Juni erwartet.
Lagarde sagte dazu vor Journalisten: „Wir haben die Entscheidung, die wir heute einstimmig getroffen haben, diskutiert, aber auch eine mögliche Erhöhung ausführlich und eingehend.“ Auf Basis der Datenlage werde man von Sitzung zu Sitzung entscheiden.
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