Voestalpine-Chef: Ohne Reformen droht weitere Industrie-Abwanderung

Martin Kocher, österreichischer Bundesminister für Arbeit und Wirtschaft, spricht bei einer Pressekonferenz.
Kurzfristige, temporäre Beihilfen würden Reformbedarf nicht ersetzen, so Herbert Eibensteiner.

Voestalpine-Konzernchef Herbert Eibensteiner mahnt rasche Strukturreformen und verlässliche Rahmenbedingungen für die Industrie ein. Ansonsten werde sich die schleichende Deindustrialisierung und damit der Wohlstandsverlust in Österreich weiter fortsetzen, sagte Eibensteiner am Montagabend in einem Hintergrundgespräch. 

Konkret forderte er einmal mehr leistbare Energie, schnellere Genehmigungen sowie die Unterstützung durch die österreichische Regierung in Brüssel bei der Umsetzung von "Reparaturen" beim CO2-Grenzausgleichssystem CBAM und der Verlängerung der CO2-Freizertifikate.

Pragmatische Umsetzung der Maßnahmen nötig

Zwar begrüßte Eibensteiner, dass Industriepolitik, Wettbewerbsfähigkeit und Energiepreise nun stärker in den Fokus rücken. Entscheidend sei aber eine rasche und pragmatische Umsetzung. "Andernfalls droht eine weitere, dramatische Abwanderung der europäischen Industrie und damit ein dauerhafter Verlust von gut bezahlten Arbeitsplätzen", sagte er.

Eibensteiner: Temporäre Beihilfen reichen nicht

Als Schritte in die richtige Richtung nannte er unter anderem die Verlängerung der Strompreiskompensation, einen befristeten Industriestrompreis sowie Verfahrensbeschleunigungen bei Umweltverträglichkeitsprüfungen. Temporäre Beihilfen könnten strukturelle Maßnahmen jedoch nicht ersetzen, zentral seien unter anderem "CBAM-Reparaturen" (Carbon Border Adjustment Mechanism) und eine Verlängerung der CO2-Freizertifikate.

"Grüner Stahl" im Zeitplan

Die voestalpine verweist darauf, dass der Konzern in den letzten zehn Jahren 5,6 Mrd. Euro in Österreich investiert habe. Auch das Dekarbonisierungsprojekt "greentec steel" komme gut voran, sagte Eibensteiner. "Wir haben bereits mehr als 500 Mio. Euro investiert und werden die Bauarbeiten in Linz und Donawitz bis 2027 abschließen." Bis 2029 will die voestalpine damit die CO2-Emissionen gegenüber 2019 um bis zu 30 Prozent senken. 

Das entspricht immerhin 5 Prozent der gesamten CO2-Emissionen Österreichs.  "Das Projekt liegt mit einem Investitionsvolumen von rund 1,5 Mrd. Euro nach wie vor im Kosten- und Zeitplan. Und dies obwohl zum Beispiel die Lohnkosten massiv gestiegen sind."

Der Bedarf an grünem Stahl dürfte in der Autoindustrie demnächst steigen, weil sie damit ihre Klimabilanz aufbessern können. Wenn die europäischen Autobauer grünen Stahl aus Europa in ihren Autos verbauen, können sie dies bezüglich CO2-Bilanz anrechnen lassen. 

Die voestalpine erzielte im Vorjahr einen Umsatz von 15,7 Mrd. Euro und ein operatives Ergebnis (EBITDA) von 1,3 Mrd. Euro. Weltweit werden rund 49.700 Menschen beschäftigt. 

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