Immobilien: Gebührenbefreiung sorgt für Kauf-Endspurt

Der Immobilienmarkt stabilisiert sich. Vor allem ältere Wohnungen und Einfamilienhäuser werden vermehrt nachgefragt – auch, weil die Gebührenbefreiung bald ausläuft.
Modern house in the evening with electric heat pump

Nach der verhaltenen Entwicklung kommt nun wieder etwas Bewegung in den Immobilienmarkt. Raiffeisen Immobilien erwartet für die kommenden Jahre „keine Boomjahre, sondern einen stabilen Markt“, so Peter Weinberger, Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien Wien, NÖ und Burgenland. „Die Renditen stabilisieren sich, Investments werden interessanter.“ 2025 gab es sogar ein leichtes Plus im Neubau, 35.400 Wohnungen wurden österreichweit fertiggestellt.

Gleichzeitig sind die Kaufpreise für gebrauchte Wohnungen und Häuser in den vergangenen drei Jahren etwas günstiger geworden. „Die Leistbarkeit von Einfamilienhäusern entspannt sich“, sagt Weinberger. Seit dem Jahr 2022 sinken die Kaufpreise für Häuser. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus musste man 2025 rund 7,6 Jahresnettoeinkommen ansparen, 2022 waren es noch 10,5 Jahresgehälter gewesen. Das hat neben den günstigeren Häuserpreisen, die aktuell auf dem Niveau des Jahres 2019 sind, auch mit den gestiegenen Nettoeinkommen zu tun.

Peter Weinberger, Raiffeisen Immobilien

Peter Weinberger, Raiffeisen Immobilien

Normalisierung beim Kauf

Bei den Eigentumswohnungen werden vor allem bestehende Objekte gekauft, denn der Markt für Neubauten kämpfe mit hohen Bau- und Finanzierungskosten. Heuer dürften mehr Wohnungen verkauft werden als im Vorjahr. Der Immobilienberater EHL rechnet mit einem Plus von acht Prozent, vor allem im zweiten Quartal sollte es zu mehr Abschlüssen kommen. Begründet wird dies mit dem Auslaufen des Wohn- und Baupakets der Regierung Ende Juni. Im Rahmen des Wohn- und Baupakets wurden ab April 2024 keine Gebühren für die Grundbuch- und die Pfandrechtseintragung beim Erwerb verrechnet. 

Die Grundbucheintragung beträgt 1,1 Prozent des Kaufpreises, die Pfandrechtseintragung 1,2 Prozent. Bei einem kreditfinanzierten Kauf könne dies eine Ersparnis von rund zwei Prozent bedeuten, so Karina Schunker, Geschäftsführerin von EHL Wohnen.

Die Nachfrage nach Wohnkrediten ist leicht gestiegen, das Kreditvergabegeschäft der Banken wieder angesprungen. Die durchschnittliche Laufzeit von Wohnkrediten beträgt 19,6 Jahre. Vieles normalisiert sich, so auch die Art und Weise, wie der Dialog zwischen finanzierender Bank und Kunden ablaufen. Laut Weinberger ist der Kunde in den Boomjahren mit einer konkreten Immobilie zu den Banken gegangen und habe geschaut, wer den Kauf finanziere. Heute sehe dies anders aus, es werde gemeinsam überlegt, was möglich ist. Neben dem Ankauf von Wohnimmobilien finanzieren Banken aktuell viele An- und Zubauten, vor allem im ländlichen Raum.

Sorgen bereitet den Banken der Systemrisikopuffer für gewerbliche Wohnbaukredite, der von derzeit einem Prozent auf 3,5 Prozent im Jahr 2027 steigen soll. „Wir haben die strengsten Vorgaben in Europa“, sagt Weinberger. Die Folge: Bauprojekte seien schwieriger zu finanzieren. „Das betrifft auch den sozialen Wohnbau.“

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