Wohnen im Funkhaus: Die Pläne für Neubau und Bestand

Das ORF-Funkhaus in Wien wird aktuell von Musikern zwischengenutzt. Ein Hotelbetreiber für den Bauteil aus den 1930er-Jahren wird gesucht.
Der Blick auf das Funkhaus von der Argentinier Straße, im Vordergrund der Sportplatz des Theresianums. In grün die Umnutzung in  Wohnungen.

Wenn unter Denkmalschutz stehende Gebäude adaptiert werden, dann stellt das besondere Anforderungen an die Planung. Ein Beispiel dafür ist das Funkhaus in Wien, das, nachdem die ORF Radios 2022 trotz Protesten abgesiedelt und auf den Küniglberg übersiedelt wurden, umgenutzt wird. „Wir machen einen Zonenplan für große Bauvorhaben“, erklärt Gerhard Girsch, Projektleiter der planenden BWM Architekten, bei einem Rundgang durch das Gebäude.

Der älteste Bauteil des Funkhauses in der Argentinierstraße „steht unter schwerstem Denkmalschutz“, ist also eine rote Zone. „Dies bedeutet: don’t touch vom Denkmalschutz aus“, erklärt der Architekt, es sind keine Veränderungen erlaubt.

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Die große Lobby  wird zur Hotellobby und bleibt praktisch unverändert.

Das Funkhaus wurde in den 1930er-Jahren nach Plänen der Architekten Heinrich Schmied, Hermann Aichinger und in Zusammenarbeit mit Clemens Holzmeister errichtet. In den 1970er-Jahren wurde es erweitert. 2016 wurde der Großteil des Ensembles von der Rhomberg Bau Gruppe erworben, der „Peichl-Trakt“ und die angrenzenden Sendesäle bleiben Eigentum des ORF.

Ein Hotel und Wohnungen entstehen

Straßenseitig sollen rund 80 Prozent der ursprünglichen Schmid-Eichinger-Holzmeister-Bauteile künftig als Hotel genutzt werden, 20 Prozent für Wohnungen. Die straßenseitigen Büros mit ihrer Zellenstruktur ließen sich von den Größen her ideal in Hotelzimmer umgestalten, so der Architekt. Das ehemalige Direktionszimmer im dritten Stock, der einzige holzvertäfelte Raum, soll zur Suite werden. Im vierten Stock mit den Schießscharten-Fenstern wird die eingezogene Decke entfernt, am Dach darüber soll eine Terrasse, eventuell auch ein Spa samt Pool entstehen.

An der Rückseite des Funkhauses entsteht am ehemaligen Parkplatz mit altem Baumbestand der Neubau von Rhomberg mit 35 Wohnungen. „Hier kommt unser Holz-Hybrid-Gebäude hin. Die mittlere Baumreihe muss weichen, die beiden äußeren bleiben bestehen“, so der Rhomberg-Vertriebsleiter. Der Baustart solle in Kürze erfolgen. Für zehn Wohnungen gibt es laut Maklerin Elisabeth Rohr bereits Reservierungen. Die Kaufpreise starten bei 10.000 Euro/m2.

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So soll der Vorplatz vor dem Funkhaus in Zukunft aussehen. Die Parkplätze vor dem Gebäude fallen weg. 

Geplant ist, das Gebäude an der Front zum Theresianum hin im Erdgeschoß zu öffnen. „Die Zubauten, die hier entstanden sind, sind nicht bauzeitlich, sondern großteils Eigenbau ORF“, so Gerhard Girsch. Hier soll wieder eine Terrasse für Gastronomie entstehen. Außerdem schreibt die Flächenwidmung von der Argentinierstraße aus einen öffentlichen Durchgang vor, den Rhomberg umsetzen wird. Der Vorplatz vor dem Funkhaus wird in einen öffentlichen Platz umgestaltet.

Wann die Umgestaltung in ein Hotel startet? Erst, wenn ein passender Betreiber gefunden wurde. „Wir wollen jemanden, der ins Konzept passt, nicht 0815“, sagt Luca Vogelsinger, Vertriebsleiter von Rhomberg in Wien. Bis dahin ist eine Zwischennutzung mit dem Schwerpunkt Musik untergebracht, eine Bar ist dabei im ehemaligen Tonband-Archiv entstanden.

Die Lobby des Funkhauses mit der großen Treppe über drei Etagen soll auch für das Hotel so erhalten bleiben. Es wird laut Architekt Einbauten wie eine Rezeption und voraussichtlich auch einen Lift für das Hotel geben, das sei mit den Denkmalschützern so abgeklärt. Ob der künftige Betreiber auch Synergien mit den Sendesälen im Gebäude herstellt, im Sinne einer „Culture Mall“, ist noch offen.

Der Zubau im hinteren Teil des Funkhauses aus den 1970er-Jahren wird zu Wohnraum umgestaltet, 23 Wohnungen entstehen. Das ist jener Bereich, „wo wir weitgehend freie Hand haben“, so Luca Vogelsinger. „Hier können wir auch die Fassade verändern, geplant sind vorgehängte Balkone.“ Die Idee sei, den Bestand zu belassen, aber ein Balkongerüst davor zu stellen, als Schlussstein für die Fassade. „Der große Benefit ist der unverbaubarer Grünblick über 300 Meter mitten im vierten Bezirk“, so Vogelsinger über die Grünflächen des Theresianums.

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Dieser Neubau mit Wohnungen wird am früheren Parkplatz hinter dem Funkhaus errichtet. 

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