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Bettwäsche-Geheimnis: Welcher Stoff wirklich besser ist

Bettwäsche ist mehr als Dekoration. Sie kann für ein besseres Schlafgefühl sorgen. Die unterschiedlichen Qualitäten von Satin, Perkal, Leinen oder Tencel.
Schlafzimmer mit schöner Bettwäsche aus Leinen

Man merkt es meistens erst beim Wechseln der Bettwäsche: wie unterschiedlich sich die Bezugsstoffe von Kopfpolster und Decke anfühlen, wie sie Temperatur leiten oder speichern und wie sehr sie die Ruhe einer Nacht beeinflussen. Manche Materialien bleiben trocken, andere wärmen schneller, wieder andere wirken durch ihre Struktur besonders glatt oder fein. Bettwäsche ist heute kein bloßes dekoratives Beiwerk, sondern ein funktionales Textil, das Schlafklima und Komfort spürbar mitbestimmt.

Die Eigenschaften der Stoffe

Baumwolle zeigt ihre Vielseitigkeit in unterschiedlich gewebten Varianten. Renforcé ist glatt und strapazierfähig, Perkal entsteht durch eine einfache Leinwandbindung (Faden über Faden), was ihm seine trockene, feine Struktur gibt. Satin dagegen basiert auf der Atlasbindung: Viele Fäden liegen auf der Oberfläche, wodurch der Stoff glatter wirkt und Licht sanfter reflektiert. Die Bindung entscheidet damit nicht nur über die Optik, sondern auch darüber, wie stark ein Stoff knittert oder wie schnell er Wärme aufnimmt. Damast lässt Muster über Struktur statt über Druck entstehen, und Flanell ergibt sich durch das Anrauen der Baumwolle – ideal, wenn man ein wärmeres Hautgefühl sucht, aber keine schweren Stoffe mag.

Junge Frau schaut glücklich aus einer Bettdecke heraus

Bettwäsche kann über die Qualität der Nachtruhe entscheiden. 

Möglichst natürlich

Ganz anders verhält sich Leinen, das zu den klimatisch ausgewogensten Naturmaterialien zählt. „Es bietet ein sehr ausgewogenes Schlafklima – Hitze und Feuchtigkeit stauen sich nicht und die Luft kann gut zirkulieren“, sagt Jakob Leitner von Leitner Leinen. Einige Menschen seien zwar hinsichtlich Haptik unsicher, doch das Material lebt mit: „Leinen-Bettwäsche wird nach ein bis zwei Nächten deutlich weicher und auch die Optik verbessert sich wie von selbst.“

Bettwäsche mit Reliefstruktur

Atmungsaktiv, langlebig, zeitlos: „Medusa“ von Leitner Leinen setzt auf kunstvolle Reliefstrukturen und edlen Leinenstoff.

Eine weitere Faser, die zunehmend an Bedeutung gewinnt, kommt aus Österreich: „Tencel“, die Lyocellfaser von Hefel. „Es ist eine umweltfreundliche, industriell produzierte Natur- bzw. Holzfaser, die mit ihrer weichen, glatten Oberfläche, Atmungsaktivität, Feuchtigkeitsregulierung und biologischen Abbaubarkeit punktet“, erklärt Jürgen Grabher von Hefel. Der Rohstoff wächst – im Gegensatz zu Baumwolle –hierzulande, und auch die Verarbeitung bleibt regional: „Bei uns wird ausschließlich in Österreich gewebt und bei Bedarf bedruckt.“ Ihre Funktionsstärke zeigt die Faser vor allem in der Nacht: „Tencel kann bis zu 50 Prozent der ausgeschwitzten Feuchtigkeit aufnehmen und wieder an die Umgebung abgeben.“ Sie fühlt sich zunächst noch kühl an, passt sich jedoch in Sekundenschnelle der Körpertemperatur an und bleibt spürbar trocken. „Tencel ist sanft zur Haut und hat einen luxuriösen Glanz“, so Grabher.

 „Tencel“-Bettwäsche mit Blumenmuster

Ressourcenschonend aus Holzfaser: „Tencel“-Bettwäsche vereint Öko-Weichheit mit Atmungsaktivität. 

Doch Material allein entscheidet nicht über Qualität. Ebenso wichtig sind Garnfeinheit, Fadendichte und die Verarbeitung. Als Orientierung gilt: Eine hochwertige Baumwollbettwäsche liegt meist zwischen 200 und 400 Thread Count (TC). Entscheidend ist aber nicht nur die Zahl , sondern die Qualität der Fasern. 
Sehr hohe Werte über 600 TC wirken oft beeindruckend, bestehen jedoch häufig aus mehrfach verzwirnten Garnen, die dichter gezählt, aber nicht automatisch haltbarer sind. Am Ende zählt das Zusammenspiel aus langen, hochwertigen Fasern und einer soliden Webstruktur. Leitner bringt es auf den Punkt: „Europäische Hersteller heben sich, was Qualität, Know-how und Nachhaltigkeit angeht, immer noch vom restlichen Angebot ab.“ In den meisten Fällen könne man sich zudem sicher sein, „dass mit dem Preis auch die Material- und Herstellungsqualität steigt.“

Fein gewebte Baumwollbettwäsche

Fein gewebte Baumwollbettwäsche, etwa von Fussenegger, ist unkompliziert und hautfreundlich. Auf eine Fadendichte ab etwa 200 Thread Count (TC) achten! 

Mythos und Praxis

Oftmals missverstanden wird der Begriff „Hotelqualität“. Leitner: „Klassische Hotelwäsche muss heutzutage vor allem unkompliziert in der Pflege und somit auch robust sein.“ Dahinter stehen meist feine Baumwollgarne mit vernünftiger Fadenanzahl, „also nichts, das man sich nicht auch privat anschaffen kann“. Dass manche Luxushäuser ihr Bett zur Legende machen, sei „ein schöner Mythos, der gut gepflegt wird“.
Bei der Auswahl unterschätzt man häufig nicht die Qualität, sondern die Praxis: „Oft würden Kunden gerne Bettwäsche kaufen, wissen aber plötzlich die Maße nicht“, sagt Leitner. Ebenso sollte man überlegen, welche Verschlussart man bevorzugt – Reißverschluss, Hotelverschluss oder Knöpfe. Abgesehen von Leitner und Hefel steht neben einigen anderen heimischen Anbietern von Bettwäsche auch etwa Fussenegger für hochwertige Textilien. Das Unternehmen aus Vorarlberg setzt auf regionale Produktion, moderne Jacquardtechniken sowie ausgewählte Baumwoll- und Mischgarne. Ihre Kollektionen verbinden Funktion, grafisches Design und Langlebigkeit.
Bettwäsche ist eine stille, aber zentrale Komponente des Wohnens. Bei guter Qualität begleitet sie uns verlässlich zehn Jahre oder länger.

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