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Flächensparen: Radikale Umnutzung statt teurem Neubau

Das österreichische Planungsbüro nonconform unterstützt Gemeinden, Schulen und Unternehmen dabei, Bestandsgebäude besser zu nutzen – ohne neu zu bauen.
Der Hauptsitz der Kärntner Sparkasse am Neuen Platz in Klagenfurt, die Fassade wurde saniert, die Räume innen umgestaltet.

Steigende Baukosten, knappe öffentliche Budgets und der Druck zur Klimaneutralität verändern aktuell die Bau- und Immobilienbranche. Die Antwort auf diese Herausforderungen lautet in der Regel: neu bauen, alte durch neue Bausubstanz ersetzen. Das Architekturbüro Nonconform, in Österreich und Deutschland tätig, versucht Bauvolumina bewusst zu reduziert. Durch präzise Analyse des Bedarfs und bessere Nutzung entstehen Projekte mit reduzierter Baunotwendigkeit, flächensparend, mit besserer CO2-Bilanz.

Roland Gruber, Gründer und Partner von Nonconform: „Das ist die Antwort auf den Kostendruck in vielen Orten. Es gehe darum, Leerstände zu füllen, Schulstandorte weiter zu denken, leistbaren Wohnraum zu schaffen, öffentliche Räume zu gestalten, Gasthäuser wachzuküssen, touristische Qualitäten zu stärken.“

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die bauliche Situation der Kärntner Sparkasse vor dem Umbau. 

Es gebe viele Anforderungen, mit denen Gemeinden heute konfrontiert sind. Die Frage, die sich stellt, ist: Wie kann man Zukunftsprojekte neu denken, ohne mehr zu bauen? „Die Baureduktion ist unsere Antwort. In vielen Schulen sind die Klassen zu klein, die Flure zu lang. Es braucht mehr Licht, eine Reorganisation, es braucht andere Zutaten, um zu Lösungen zu kommen“, so Gruber. „Wir haben 25 Jahren Erfahrung in der Prozessexpertise.“

Es geht darum, so früh wie möglich einzutauchen und alle Beteiligten mitzunehmen. „Der beste Quadratmeter ist der, der nicht mehr gebaut werden muss. Es geht um mehr Wertschätzung für das Bestehende. Wenn man weniger neu baut hat man weniger Flächen, die gekühlt werde müssen.“ Die Herangehensweise von nonconform: Es geht um die Planung, bevor die eigentliche Planung beginnt. Dabei wird hinterfragt: was wird wirklich gebraucht? Erst wenn diese Frage beantwortet ist, wird entschieden, ob und was gebaut bzw. umgenutzt oder umgebaut wird.

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die Kärntner Sparkasse  nach der Umgestaltung, entstanden sind spontane Begegnungsflächen. 

Die Kärntner Sparkasse in Klagenfurt war auf zwei Standorte verteilt und es stellte sich die Frage: Neu bauen oder doch nicht? Eine bauliche Veränderung war erforderlich, da sich die Anforderungen an das Arbeitsumfeld durch die Digitalisierung verändert hat. In Workshops mit Nonconform fällt die Entscheidung schließlich für den bestehenden Hauptsitz des Unternehmens, ein denkmalgeschützes Gründerzeithaus am Neuen Platz in Klagenfurt. 

Erzielt wurde so eine Reduktion auf einen Standort, zudem braucht das Unternehmen nur mehr einen Teil des Gebäudes – das Gebäude beherbergt nun außerdem ein Cafe, ein Museum, ein Finanzbildungszentrum, eine Skybar und ein Veranstaltungszentrum. Laut Markus Ogris-Linder, Leitung Human Ressources bei der Kärntner Sparkasse, ist das ein sichtbares Zeichen der Transformation. Jeder Mitarbeiter hat nun 0,6 Arbeitsplätze zur Verfügung – die Arbeitsplätze werden also geteilt. Es gibt keine Einzelbüros mehr, auch nicht für den Vorstand, stattdessen ist eine offene Zone für Kunden und Mitarbeiter entstanden.

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die Volksschule Kottingbrunn, wie sie vor der Umgestaltung ausgesehen hat

Ein Beispiel:  die Volksschule Kottingbrunn: 

Laut Wolfgang Haas, Gemeindevorstand der Stadt Kottingbrunn, war die Ausgangssituation so, dass die bauliche Struktur der Gangschule aus den 1960er-Jahren beeinträchtigt war, die Heizung war defekt, es gab kein Trinkwasser. Also wurden Ideen für eine Umgestaltung gesammelt, dann sei die Ideenwerkstatt von Nonconform in Gang gesetzt worden. Mit Kindern, Eltern und Lehrkräften wurden klare Raumstrategien formuliert.

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Die Schule nach der Umgestaltung

Das Ergebnis war eine neue Aula, die als Marktplatz gestaltet wurde: mit vielen Spielplätzen und flexiblen Flächen. die bisher getrennten Bereiche von Schule und Hort wurden verknüpft. Das Konzept, von nonconform entwickelt, wurde von Klammer Zeleny Architekten und korbwurf Landschaftsarchitektur weiterentwickelt und umgesetzt.

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Vor der Umgestaltung: Aus einem alten Gasthof und Hotel wurde ein belebtes Ortszentrum in Bayern.

 Tourismusort in Hochschwarzwald 

Die Tourismusregion Hochschwarzwald besteht aus 21 Gemeinden – jede von ihnen hatte eine eigene Touristeninformation, separate Sport- und Freizeitmöglichkeiten, gleichzeitig war Leerstand ein großes Thema. „Wir haben daher eine Inventur aller Infrastrukturprojekte gemacht“, erzählt Patrick Schreib, Geschäftsführer der Hochschwarzwald Tourismus GmbH. Dabei kristallisierte sich in der Zusammenarbeit mit nonconform rasch heraus, dass mehr Qualität durch mehr Klarheit entsteht. Es ging um das Weglassen bestimmter Angebote und einen Fokus auf Impulsprojekte.

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Gemeinde Ruhstorf an der Rott in Bayern: Fläche in der Ortsmitte nach der Umgestaltung

So wurde in der Gemeinde Ruhstorf an der Rott in Bayern ein Areal um eine leer stehende Gastwirtschaft von der Gemeinde aufgekauft und gemeinsam mit den Bürgern entwickelte nonconform eine Strategie zur Nutzung der Fläche in der Ortsmitte, um den Ortskern zu beleben. Das Ziel war es, die Barrieren am Areal zu entfernen, weniger versiegelte Fläche zu haben und mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen.

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Arbeit am Raum- und Funktionsprogramm der  FH Vorarlberg in Dornbirn.

Beispiel: die FH Vorarlberg

Eine alte Textilschule wurde zum FH Campus. Johanna Trebersburg, Partnerin von nonconform: „Die gewachsene Struktur wurde immer wieder erweitert. Dann  ging man an die Bedarfsplanung. Die  Frage war: geht sich das aus oder müssen wir einen neuen  Standort finden? Die  Entscheidung ist schließlich für den Standort gefallen. Es ging darum, Bestehendes zu erweitern, ohne neue Quadratmeter so schaffen.

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So sieht der neue Campus der FH Vorarlberg nun aus.  
 

„Das gelingt nur, wenn man den Bestand gescheiter nutzt, also die Nutzung optimiert.“ Da ist nonconform ins Spiel gekommen. „Wir haben den Campus gedanklich leer geräumt und neu organisiert; uns gefragt, wie müssen Fachbereiche angeordnet werden, damit sie zusammenarbeiten können.“  

Dabei wurde das Wachstum für die nächsten 15 bis 20 Jahre mitgedacht. Eine weitere Frage war: wie schaffen wir echtes Campusgefühl. Viele Studenten kommen und gehen zu Randzeiten, weil sie  berufsbegleitend studieren. „Wir haben geschaut, wo braucht es Treffpunkte,  das Ergebnis war die Basis für den Architekturwettbewerb, den Cukrowicz& Nachbaur Architekten gewonnen haben. “ Das Ergebnis: Mehr Frequenz, mehr Bäume, mehr Beschattung.  

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