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Studie
02/05/2014

Gut gebildet, wenig honoriert

Frauen haben bei Bildung und Erwerbsbeteiligung aufgeholt. Männer dominieren trotzdem.

von Sandra Baierl

Frauen sind besser ausgebildet als vor dreißig Jahren, ab Maturaniveau haben sie die Männer bei den Absolventenzahlen sogar überholt. Ihre Erwerbsbeteiligung ist stark gestiegen. Faktoren, die auf dem Arbeitsmarkt aber wenig Bedeutung haben: "Die Berufschancen von Frauen sind schlechter. Sie sind besser ausgebildet und auf dem Arbeitsmarkt gefragt – werden aber häufiger unter ihrem Qualifikationsniveau beschäftigt und immer noch ungerecht bezahlt", sagt Arbeiterkammer-Präsident (AK) Rudolf Kaske und verweist auf eine aktuelle Studie, in der die Bildungs- und Berufschancen von Frauen von 1981 und 2010 untersucht wurden. Das Ergebnis ist ein Abbild von dreißig Jahren Emanzipation, die von der Wirtschaft aber "keineswegs entsprechend gewürdigt wird", kritisiert Kaske.

"Heute arbeiten 45 Prozent aller Frauen Teilzeit, 1981 waren es nur 16 Prozent"

Wichtigste Ergebnisse aus der AK-Studie: Die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist deutlich angestiegen. Heute sind fast 67 Prozent aller Frauen im Erwerbsalter auch tatsächlich erwerbstätig. Diese Erwerbsbeteiligung ist von drei Faktoren gekennzeichnet:

- Acht von zehn Frauen sind im Dienstleistungssektor beschäftigt.

- 45 Prozent aller Frauen arbeiten Teilzeit (zum Vergleich: 1981 waren es lediglich 16 Prozent).

- Die Berufswahl von Frauen ist immer noch typisch weiblich.

"Im Handel, dem von Frauen am häufigsten gewählten Lehrberuf, verdienen nur drei Prozent der Frauen 1800 brutto monatlich oder mehr beim Berufseinstieg", so Kaske. Hingegen verdienen 54 Prozent aller Männer mit einem Lehrabschluss in Maschinenbau und Metallverarbeitung 1800 Euro oder mehr.

Diese traditionelle Aufteilung zeigt sich schon bei der Wahl der Schule: Wirtschafts- und sozialberufliche Schulen werden hauptsächlich von Mädchen besucht (89 bzw. 81 Prozent), auch bei den kaufmännischen Schulen liegt der Mädchenanteil bei 60 Prozent. An technisch gewerblichen Schulen dominieren hingegen die jungen Männer mit einem Anteil von 74 Prozent.

Besser gebildet

Insgesamt haben Frauen in Sachen Bildung aber eine enorme Entwicklung vorzuweisen: 1981 hatten sieben Prozent Matura, heute sind es 19 Prozent. Die Hochschulabschlüsse stiegen von vier Prozent auf 16 Prozent. Doch selbst mit einem guten Bildungsabschluss ist eine adäquate Beschäftigung für Frauen nicht garantiert. 58 Prozent der AHS-Absolventinnen und 35 Prozent der Hochschul-Absolventinnen werden unter ihrer Qualifikation eingesetzt.

Weiterbildung als Recht

Für die Arbeiterkammer ist diese Studie wieder einmal Anlass, um mehr Chancengleichheit und Einkommensgerechtigkeit einzufordern. Die AK will die Instrumente zur Einkommensgerechtigkeit nachschärfen (Stelleninserate sollen nicht die Mindest- sondern die tatsächliche Bezahlung ausweisen), Frauen sollen stärker in nichttraditionelle Berufe gelenkt werden, der Wiedereinstieg nach der Karenz bzw. die Aufstockung von Teilzeit- auf Vollzeitarbeit soll erleichtert werden. Die AK fordert auch einen Rechtsanspruch auf eine Woche betriebliche Weiterbildung pro Jahr, weil Frauen hier weniger zum Zug kämen.

Geld, das keiner nimmt

An der Aufteilung in "typisch weibliche" und "typisch männliche" Berufe hat sich in den vergangenen dreißig Jahren kaum verändert – die Berufswahl ist in Österreich immer noch extrem traditionell. Davon lassen sich auch massive Unterschiede in der Bezahlung ableiten.

Bei den Lehrlingsstellen in den Wirtschaftskammern gibt es einen Geldtopf zur Förderung nichttraditioneller Berufe (Genderförderung) in der Höhe von 5 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr wurden davon lediglich 113.650 Euro für einschlägige Projekte abgerufen. Das Geld können Betriebe für Aktionen zu Förderung nichttraditioneller Berufe nutzen, der Selbstbehalt liegt bei 25 Prozent.

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