Bauen wie bei Tesla: Das Haus aus der Roboter-Fabrik
Zusammenfassung
- Gropyus fertigt mit Robotik und Software in einer "Smart Factory" vorgefertigte Holzbauelemente für individuellen Wohnraum.
- Die automatisierte Produktion ermöglicht eine Halbierung der Bauzeit und eine Kostensenkung um rund 25 Prozent auf 2.500 bis 3.000 Euro pro Quadratmeter.
- Das Start-up, gegründet 2019, plant mit einer Kapazität von bis zu 3.500 Wohnungen jährlich und will ab 2027/2028 profitabel arbeiten.
In der Halle ist es angenehm warm. Es ist sauber, hell und erstaunlich leise. Man hört keine Stimmen, keine lauten Maschinen – obwohl auf Hochtouren produziert wird. „Alle 16 Minuten kommt hinten eine fertige Wand raus“, schildert Werksleiter Simon Nagel.
Die 50, bestimmt drei Meter großen Roboter arbeiten hochpräzise und nicht minder effizient. Sie heben, schneiden und setzen große Fichtenbretter zu Wand- und Deckenelementen zusammen. Die Roboter schrauben, klammern und fräsen auch. Menschen sind fast nur noch mit der Überwachung der Maschinen beschäftigt. So entstehen nach und nach die Elemente eines ganzen Wohnhauses – in Holzrahmenbauweise.
Co-CEO Philipp Erler, Werksleiter Simon Nagel (re.)
Das Werk des österreichisch-deutschen Bau-Start-ups Gropyus, das in der Vorwoche seine Tore für eine Gruppe von Journalisten geöffnet hat, erinnert an eine voll automatisierte Autofabrik. Es steht auch im deutschen Autoland Baden-Württemberg, genauer gesagt in Richen, einem kleinen Ort unweit von Heilbronn.
Aber es heißt nicht mehr Fabrik, heute heißt das „Smart Factory“. Also: Software und Robotik kombiniert mit menschlicher Expertise. Die Macher hinter Gropyus, allen voran die Firmengründer Markus Fuhrmann und Philipp Erler, sprechen denn auch von einer der „technologisch fortschrittlichsten Produktionsanlagen für industriell gefertigte Bauelemente weltweit“.
Mehrgeschoßige Holzrahmenbauweise
Der Name Gropyus soll an Bauhaus-Gründer Walter Gropius (1883– 1969) erinnern.
Das Bauhaus gilt als Heimstätte der Avantgarde der Klassischen Moderne auf allen Gebieten der Architektur, der Kunst und des Designs.
Das Unternehmen
Das technologiebasierte Holzbau-Start-up (gegründet 2019) hat bisher mehr als 300 Millionen Euro an Investorengeldern – u. a. von der Buwog/Vonovia eingesammelt.
Noch schreibt Gropyus Verluste (2024: 26 Mio. Euro). Die operative Gewinnzone soll 2027/2028 erreicht werden.
Stark vereinfacht heißt das: Am Computer wird zunächst das spätere Wohnhaus komplett entworfen, dann digital in seine Elemente bis hin zur einzelnen Trennwand zerlegt. Mit den Daten werden die Roboter gefüttert und schon kann es losgehen.
Im Vollausbau sollen täglich 120 Lkw das Werk in Richen mit den fertigen Wänden und Decken verlassen. Die Kapazität reicht bis zu 3.500 Wohnungen im Jahr. Gropyus nennt die Endprodukte „Unikate in Serie.“ Denn jedes Haus, jedes Grundstück ist anders, kann aber dank der aufwendigen Programmierarbeit im Hintergrund höchst individuell bebaut werden. Ob auf der grünen Wiese oder in der Nachverdichtung eines bereits stark bebauten innerstädtischen Bereichs.
Günstiger, schneller
80 Prozent der schlüsselfertigen Mehrfamilienhäuser wie sie in Berlin, Dresden und Salzburg im Auftrag von Miteigentümer Buwog entstehen, werden in Richen unabhängig vom Wetter vorgefertigt. Auf den Baustellen werden die Wand- und Deckenmodule unter einem mitwachsenden Zelt nur noch zusammen geschraubt. „Das ist wie Lego-Spielen für Erwachsene“, sagt Werksleiter Nagel.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Geht alles reibungslos über die Bühne, halbiert sich die Bauzeit. Und die Baukosten sinken um durchschnittlich ein Viertel auf etwa 2.500 bis 3.000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche (ohne Grundstück).
Das kommt nicht von ungefähr: Das noch recht junge Unternehmen, gegründet 2019 in Wien, beschäftigt mehr Software-Spezialisten als Leute in der Produktion. Insgesamt rund 520 sind es mittlerweile – verteilt auf die Standorte Berlin, Richen sowie Steinhaus bei Wels und das Büro in Wien, wo die Gropyus AG den Firmensitz hat.
Auch interessant: Die Firmengründer Fuhrmann und Erler kommen weder aus der Architektur- noch Bauszene, sondern sind Investoren, die andere Investoren – wie die schwedische Industriellenfamilie Wallenberg oder bis 2021 auch Ex-WKÖ-Präsident Harald Mahrer – von ihrer Idee begeisterten. Fuhrmann gründete einst den Essenslieferdienst Delivery Hero, Erler war Technik-Chef beim Online-Modeanbieter Zalando.
Die Reise nach Richen erfolgte auf Einladung von Gropyus.
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