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Wirtschaft
08/15/2019

Getränkeabfüller Güssinger steht das Wasser bis zum Hals

Die burgenländische Mineralwasserfirma benötigt einen finanziellen Zuschuss des Eigentümers. Sie muss auf neue Beine gestellt werden.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Die Zukunft des angeschlagenen burgenländischen Mineralwasser-Herstellers Güssinger steht derzeit in den Sternen. Rund 600 Paletten Sprudelwasser der ZweitmarkeVitaquelle“ stehen laut dem neuen Geschäftsführer Anatolii Boykiv auf Halde. Denn der Diskonter Hofer hat den Abnahmevertrag mit 19. Juli 2019 auf Eis gelegt, nachdem ein Güssinger-Großgläubiger den Diskonter mit schweren Vorwürfen gegen das Wasserunternehmen konfrontiert hat.

Zwischen dem Güssinger-Eigentümer mit russischen Wurzeln und einem Großgläubiger mit bulgarischem Hintergrund tobt ein heftiger Streit über die Vorherrschaft bei der Güssinger Beverages & Mineralwater GmbH.

Zoff ums Vermögen

Wie berichtet, hat der Großgläubiger bei einer russischen Bank Kreditschulden in Höhe von 10,6 Millionen Euro der Güssinger-Mutterfirma abgelöst und soll dafür die verpfändeten Sicherheiten (Güssinger-Liegenschaften und -Gesellschaftsanteile, Stimmrechte) erhalten haben. Im Grundbuch sind aber noch die (alten) Pfandrechte der Bank eingetragen. Die Bulgaren wollen die verpfändeten Vermögenswerte offenbar versilbern.

Gespräche mit Hofer

Güssinger-Geschäftsführer Boikiv hat nun Gespräche mit Hofer und den Banken geführt, um das Unternehmen möglichst schnell zu restrukturieren und zu stabilisieren. Zugleich arbeitet er an einem neuen Geschäftskonzept. Doch die Zeit scheint den Burgenländern davon zu laufen.

„Es ist korrekt, dass es Gespräche zwischen der Hofer KG und Güssinger gegeben hat. In diesen Gesprächen wurden Rahmenbedingungen für eine mögliche künftige Zusammenarbeit festgelegt“, teilt Hofer dem KURIER mit. „Zu denen gehören unter anderem eine Offenlegung der Eigentumsverhältnisse und Identitäten der wirtschaftlich Berechtigten sowie die restlose Klärung sämtlicher Vorwürfe, Unklarheiten und unternehmensorganisatorische sowie -rechtliche Thematiken.“

Hofer hat Güssinger zuvor jährlich rund 40 Millionen Liter Vitaquelle abgenommen, was rund 80 Prozent des Güssinger-Umsatzes ausmachte. Anscheinend bemüht man sich derzeit einen Ersatzabnehmer zu finden.

Rettung geplant

Doch selbst Thomas Schätti, Vertreter des Eigentümers, muss einräumen, dass Güssinger finanziell unter die Arme gegriffen werden muss.

„Dass vom Eigentümer ein Zuschuss kommen muss, ist klar“, sagt Schätti zum KURIER. „Der neue Geschäftsführer Anatolii Boikiv hängt sich sehr rein und wir probieren, die Firma zu retten. Wir hoffen, dass wir es schaffen werden und Güssinger wieder auf die Beine kommt.“ Schätti bestätigt auch, dass bei Güssinger investiert werden muss. Güssinger kann nur PET-Flaschen abfüllen, weil die Abfüllanlage für Glasflaschen alt beziehungsweise kaputt ist.

„Man müsste dort neue Anlagen und eine neue Halle bauen“, sagt der Eigentümervertreter.


Strafanzeige erstattet

Indes hat ein Vertreter des Großgläubigers eine Anzeige wegen Betrugsverdachts gegen die Güssinger-Eigentümer und seine Vertreter eingebracht. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) bestätigt dem KURIER den Erhalt der Anzeige. Die Betroffenen bestreiten laut Schätti die darin erhobenen Vorwürfe vehement.