Gentechnik und KI-Speiseplan: Wie wir uns in Zukunft ernähren

Technischer Fortschritt verändert, wie uns was wir essen. Dabei spielt auch das Thema Verschwendung eine Rolle.
Projekt Arbeitsintegration

Die Digitalisierung schreitet voran und dringt in immer mehr Lebensbereiche vor. Auch beim Thema Ernährung ist Künstliche Intelligenz (KI) auf dem Vormarsch. Und sie soll einer Studie des Beratungsunternehmens „Strategy&“ zufolge einiges verändern: Von der Art, wie wir einkaufen, bis zu den Lebensmitteln, die auf dem Teller landen. 

„Die Menschen denken sich, Technologie hilft bereits in so vielen Bereichen. Da kann es doch nicht sein, dass ich jede Woche so viel Zeit im Supermarkt verbringen muss“, sagt Studienautor und Lebensmittelexperte Harald Dutzler dem KURIER. 

Eingekauft wird künftig vermehrt durch per Mausklick

Dabei gehe es um „Convenience“ (auf Deutsch: Bequemlichkeit). Online-Lebensmittelhändler wie Alfies oder Gurkerl haben bereits auf die Entwicklung reagiert. Sie bieten auf ihren Websites KI-Chatbots an, die Rezeptvorschläge machen und die Zutaten per Mausklick in den Warenkorb befördern. Es seien „erste Versuche“ in diese Richtung, sagt Dutzler, und doch sieht er in diesen digitalen Helfern die Zukunft des Lebensmitteleinkaufs.

Auch die großen stationären Supermarktketten könnten seiner Einschätzung nach in den kommenden Jahren mit ähnlichen Angeboten nachziehen. Kunden werden dann nicht mehr nur nach Rezeptvorschlägen suchen können, sondern der KI für ihren Speiseplan auch andere Parameter vorgeben können – etwa ein wöchentliches Budget, eine bevorzugte Ernährungsweise oder bestimmte Nährstoffkombinationen. 

Dutzler geht davon aus, dass solche Angebote von den meisten Menschen gut angenommen werden: „Die Bereitschaft, KI-Assistenten im Bereich Ernährung zu nutzen, ist groß.“  

Digitalisierung gegen Lebensmittelverschwendung

Die fortschreitende Digitalisierung soll aber nicht nur den Alltag der Konsumenten erleichtern, sondern auch die Effizienz entlang der Produktionskette steigern. Aktuell werde einer Analyse von "Strategy&" zufolge ein großer Teil der Lebensmittel entsorgt statt verzehrt. 

Dutzler nennt Salatköpfe als Beispiel: Von 140 Stück, die auf einem Feld wachsen, würden nur 100 erfolgreich  zur Weiterverarbeitung geerntet werden. Auf dem Weg vom Großhandel über das Supermarktregal bis zum Konsumenten nach Hause geht ein weiterer Teil verloren. „Schlussendlich werden von den 140 Stück 50 oder vielleicht 60 wirklich verzehrt“, so Dutzler.

Ein Mann im blauen Anzug und weißem Hemd steht lächelnd an einer hellen Theke mit neutralem Hintergrund.

"Strategy& Österreich"-Partner Harald Dutzler

In der Industrie liegen diese Verluste häufig an technischen Störungen, die sich durch moderne Technologien künftig immer früher erkennen oder vermeiden lassen könnten. Im Handel entstehen Lebensmittelabfälle häufig durch Marketingstrategien und ein Produktüberangebot. Hier könnten etwa KI-basierte Planungstools helfen, die benötigte Menge für einzelne Lebensmittel genau zu eruieren und gezielter einzukaufen.

Ohne Gentechnik werde es in Zukunft"nicht mehr gehen"

Schwieriger sei es Dutzler zufolge, die Einbußen in der Landwirtschaft einzudämmen. Diese entstehen häufig aufgrund von Schädlingsbefall oder Wetterereignissen wie Spätfrost, Dürre oder Überschwemmungen. Diese kamen in den vergangenen Jahren aufgrund des Klimawandels immer häufiger vor. 

Für Dutzler stellen Pflanzen, die durch Methoden wie etwa die „Genschere“ Crispr manipuliert wurden, die geeignetste Lösung für dieses wachsende Problem dar. Diese weisen eine größere Resistenz gegenüber Schädlingen und Wetterextremen auf, was Ernteeinbußen reduzieren kann.

„Natürlich muss man Gentechnik verantwortungsvoll einsetzen“, stellt der Experte klar. Insgesamt werde es aber in Zukunft „nicht mehr anders gehen“, wenn der Klimawandel weiter voranschreitet.

Neben Entwicklungen in Landwirtschaft und Handel behandelt die "Strategy&"-Studie auch Trends, wie etwa das wachsende Bewusstsein für Gesundheit. Ein Bereich, für den die Menschen „am ehesten bereit sind, etwas mehr zu bezahlen“, so Dutzler. Für ein anderes Trendthema – die Nachhaltigkeit – gelte das nicht.  Dieses sei vielen Konsumenten zu abstrakt.

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